Von den vielen zuletzt im Dreh befindlichen, veröffentlichten und angekündigten Filmen des derzeit wohl besonders arbeitseifrigen und arbeitsamen Jackie Chan stellt sich Ding Shengs eher im Stillen hergestellter Railroad Tigers als die qualitativ viel versprechendste Produktion dar, nebst Martin Campbells Rachethriller The Foreigner als die wahrscheinlich Merkwürdigste bis Interessanteste, kurz gefolgt von Bleeding Steel als SciFi - Abtrünniger, der ebenso andere und neue Wege als von dem frischgebackenen Ehren-Academy Award Gewinner sonsthin gewohnt betritt. Die hohen Erwartungen bezüglich diesen Werkes bzw. die höheren Erwartungen als zuletzt üblich – die meisten 'neuen' Jackie Chans werden eher argwöhnisch betrachtet, oder gleich lamentierend und auf bessere Zeiten in den Achtzigern und Neunzigern verwiesen – gelten dabei allein dem Filmemacher Ding, der wie gehabt in seiner bisherigen Filmographie auch am Drehbuch und zusätzlich als Editor tätig ist. Ding hat mit Chan bereits die Actiondramen Little Big Soldier und Police Story 2013 gestemmt und ihm neue Persönlichkeiten, Facetten, gleichsam aber auch die Beibehaltung und gelinde Weiterentwicklung bekannter Mechanismen und Manierismen auf den Leib gepflanzt, wobei die hiesige Erzählung in der Hinsicht nicht etwa abermals durch die Veränderung und dennoch Wiederverwendung dessen urtypischen Stils ungewöhnlich ist, als vielmehr von Set und Setting und der Eingliederung in ein Ensemble:
Dezember 1941. Auch die Shandong Provinz ist von den Japanern besetzt und ausgebeutet. Als kleine Nadelstiche gegen die Invasion setzen die sogenannten "Railroad Tigers", ein Verbund örtlicher Eisenbahnarbeiter unter Führung von Ma Yuan [ Jackie Chan ] den Besatzern dahingegend zu, dass deren Nachschübe kontinuierlich überfallen und geplündert und die Vorräte versteckt sowie andere Sabotageaktionen veranstaltet werden. Als dem Trupp nach getaner Arbeit der schwerverletzte Eighth Route Army Soldat Daguo [ Darren Wang ] vor die Füsse fällt, wird aus der bisher eher spaßigen Situation plötzlich bitterer Ernst, ist dieser doch der einzige Überlebende einer eben scheiternden Mission, in der eine für die Japaner äußerst wichtige Brücke gesprengt werden sollte. Da die "Railroad Tigers" sowieso schon in die Aufmerksamkeit des feindlichen Kommandanten Captain Yamaguchi [ Hiroyuki Ikeuchi ] und der extra nach beorderten Yuko [ Zhang Lanxin ] geraten sind, machen sich die Gruppe mitsamt Dahai [ Edison Huang ], Rui [ Jaycee Chan ], Dakui [ Sang Ping ], Xiaohu [ Alan Ng ] sowie Ma Yuans Tochter Xing'er [ Zhang Yishan ] und dem bislang außen vorstehenden Fan Chuan [ Nick Wang Kai ], einem ehemals hochprofessionellen Scharfschützen auf, die Brücke erneut in Angriff zu nehmen.
Ding umrahmt seine Handlung mit einem kleinen Einstieg aus der Gegenwart, in der ein kleiner Junge beim Besuch seiner Schulklasse in einem Bahnmuseum beim Streifen durch die Gänge auf eine alte Lokomotive mit dem Zeichen der Tigers stößt und mit staunenden Augen plötzlich sich eine Luke öffnet und die Geschichte in einer anderen Zeit- und Ortsebene erzählt wird. Ein Märchen quasi, eine Geschichtsstunde, die nicht unbedingt wahr und wahrhaftig sein muss, sondern zum Anregen, aber auch zum Träumen und zum Phantasieren bringt. So ist das Umfeld hier, der Standort von seinem Aufbau eigentlich das chinesische Gegenstück zur Bahnanlage vom Sechziger Jahre Sitcomklassiker Petticoat Junction, in der auch nur eine Stadt am einen Ende der Schienen existiert und sonst nur die weite Fläche, die das Rasende Pferd ins Nichts fahrend und vom Nichts kommend durchpflügt. Dabei ist die Stadt hier a) namenlos, und b) von den Japanern okkupiert, von denen allerdings die Hälfte das lustige dicke "Hitlerbärtchen" auch aus Yu Kan-Pings Can't Stop the War (1982) oder gleich von Kevin Chus Fantasy Mission Force Szenario sein könnten und ein Großteil der Anderen auch nutz- und hilflos und vielleicht noch in der Masse erfolgreich ist. Ein Cartoon wird anfangs ausgebreitet, inklusive der Inserts, in der Jeder der wichtigen Personen gezeichnet festgehalten und vorgestellt wird und wo auch eine erste (fatale) Kriegsmission zur versuchten Sprengung der Brücke als Animation und nicht in live-action präsentiert wird. [Die zweite Attacke des Regiments wird tatsächlich gezeigt, aber als Hoppladihopp, vielleicht um mit den plötzlich vielen Toten und Einschusslöchern nicht noch final zu vergrätzen; Dings folgende, bereits im Dreh befindliche Regiearbeit A Better Tomorrow 4 ist in Sachen Bleihagel und Kugelregen hoffentlich und wahrscheinlich wirksamer.]
Mit den Genres "Krieg(seuphorie)", "Drama" und "Komödie" versehen gestaltet sich vor allem die erste Hälfte des Filmes eher als Abenteuer-Ulk, in der mit allerlei Akrobatik- und Singeinlagen, mit Sperenzchen, Schabernack, frohen Mutes und so inszeniert und prononciert den Japanern auf der Nase herumgetanzt und der Invasor anderweitig ausgetrickst wird. Ein durchaus vergnügliches Stück Kintopp; Zirkusspaß, dass Nichts und Niemand ernst nimmt, in seiner Humoristika eher seicht, aber auch unverkrampft angelegt ist und über viel Bewegungsfreude verfügt; eingeteilt in einzelne episodenhafte Kapitel, die mit "Rob the Train" beginnen, und über "Rescue the Injured Soldier" und "Getting Explosives" usw. langsam zum Ziel führen. Chan, der sowieso in letzter Zeit auch Anderen das Scheinwerferlicht zu Teilen überlässt, ist hier noch mehr als sonst und dies tatsächlich ein Teil vom Ganzen, der Anführer weiterhin sicherlich und das Zugpferd der Produktion sowieso, werden aber an seiner Seite und gegenüber auch derart viele neue Leute positioniert, die nach zehn Minuten Filmlänge auch schon auf ein Dutzend angewachsen sind und wo es damit noch nicht aufhört. Dabei ist die hiesige 'Annäherung' zwischen Vater Chan und Sohn Chan nach dem sonstigen Fremdeln des Erzeugers damit und diversen Eskapaden vom Filius, die die Beziehung nicht gerade verbessert haben, ein durchaus sympathischer Faktor des Ganzen, der sich auch per Dialog und nicht nur durch die Besetzung des Filmes zieht.
Wer sich allerdings ein zweites Little Big Soldier erhofft und wünscht, sieht sich angesichts des farbenfreudigen 50 Mio. USD Blockbusters im Nonsenseverschnitt allerdings ge- und enttäuscht; zu offensichtlich, wenn eben auch humoristisch 'verkauft' ist die später gegenwärtige Propaganda- und Hurrapatriotismus-Stimmung, und zu seicht die Dramaturgie, die zwar schon ein Ziel hat, den Weg dahin aber eher sprunghaft und spaziergängerisch, als Kintopp-/Kino-Blockbuster auch für ein jüngeres Publikum angesiedelt findet. Ganz angenehm ist anfänglich der Versuch von Ding, auch schwierige Actionszenen wie eine Verfolgungsjagd von Motorrad mit Beiwagen gegen den Zug durch recht unwegsames Gelände samt Beschuss aus allen Rohren oder diverse Aufstiege und Abstiege auf den Zug möglichst 'real' und nicht rein mit Tricktechnik oder anderen Illusionen zu inszenieren; wobei gerade das Finale in seinem Dauerbeschuss dann komplett vor der Blue Screen, und mit zahlreichen Miniatur- und Computeraufnahmen unterstützt ist und man dieses auch überdeutlich und auch den Genuss schmälernd sieht.