"Die ganze Welt dreht sich um mich, denn ich bin nur ein Egoist"
"Wilde Maus" ist mein Geheimtipp des Monats. Er hat sogar das Potenzial am Ende des Jahres noch im Kopf zu schwirren & auf Bestenlisten zu landen. Josef Hader hat als Autor, Regisseur & Hauptdarsteller (!) einfach grandiose Arbeit geleistet & nicht nur für seine Fans ein kleines Schmankerl abgeliefert. "Wilde Maus" macht alles richtig, was so viel deutsche Komödien falsch machen. Ein wilder Ritt, der durchgängig unterhält & zum lauten Lachen im Minutentakt einlädt, ohne seine melancholisch-bittere Seite zu romantisieren. Immer wenn er in schweigersche Gefilde abzurutschen droht, setzt er einem mit sautrockenem & dreckigstem Humor zu. Der Humor des kleinen Mannes im gehobenen Mittelstand.
Ein Liebling aus unserem südlichen Nachbarland, der sicher auch in Deutschland etliche Fans finden wird. Grotesk & makaber, leicht & locker. Österreich-Deutsch klingt immer lustig & frech, allein deswegen trifft "Wilde Maus" genau den richtigen Ton & ist mal etwas Anderes. Selbst wenn man sich stärker konzentrieren muss um nicht eine der etlichen Pointen in den pfeilschnellen Dialoge zu verpassen. Der misanthropische Komiker aus Wien ist nun ein verheißungsvoller Regisseur, der sich mit diesem beeindruckenden Debüt im kompletten deutschsprachigen Raum neue Fans machen wird. Spielerisch. Mit ganz viel schlechter Laune, Selbstironie & tiefgehend schrulligen Charakterisierungen, die man so in einem deutschsprachigen Film lange nicht mehr gesehen hat.
Der vielseitige Film handelt von einem aus der Zeit gefallenen Musikkritiker aus Wien, der gefeuert wird, nun Racheplänr gegen seinen Chef verfolgt & unter starken kommunikativen Beziehungsproblemen leidet. Eine Komödie über Kommunikationsprobleme, klassische Musik (exzellenter Soundtrack!) & Arbeitslosigkeit - klingt ernster als es dann wirklich ist. Zumindest auf den ersten Blick. Gerade das Zusammenspiel aus diesen sozial brennenden Themen, messerscharfen Dialogen & hervorragend aufgelegten Figuren, macht den Film zu etwas Besonderem. Passend zu seiner titelgebenden Jahrmarkt-Achterbahn, ein wildes Auf & Ab, mit Kurven, die einem fast aus dem Wagen schmeißen. Vor Lachen.
Zynisch, dunkel, mutig, etwas gestelzt vielleicht. Sogar politisch richtig schön unkorrekt. So muss das sein, so will man das. Wien macht Werbung, Austria beweist Humor mit Stil. Das sich der Cast wie von Zauberhand in der Weltstadt Wien über den Weg läuft, viele erinnerungswürdige Nebenfiguren fallengelassen werden & dass das Finale vielleicht etwas zu ernst gerät, verzieht man ihm gerne. Wer will schon ein perfektes Regiedebüt. Klein, fein, gemein. Ein richtig schöner Miesepeter. Georg Heindl hat das Zeug zur Kultfigur & man wünscht ihm nur das Beste & schnelle, späte Genesung.
Fazit: scharfe Kurven & noch schärfere Zungen. Josef Haders Debütfilm ist einer, den man einfach mögen muss. Sympathiebrocken. Enorm trocken, enorm ehrlich, enorm österreicherisch. Ich habe mich köstlich amüsiert!