Weil die 80er zum Teil wieder gefragt sind, könnte man den vierten Film des Australiers Chris Sun für eine Remake von „Razorback – Kampfkoloss der Hölle“ halten. Einige Parallelen sind natürlich auszumachen, doch Sun beschreitet eigene und oftmals recht blutige Wege.
Im australischen Hinterland wird Onkel Bernie (Nathan Jones) gerade von seiner Familie besucht, als die Nachricht von zerstörten Zäunen und verschwundenen Tieren die Runde macht. Nichts ahnend will die Familie einen entspannten Tag am See verbringen, was sich mit einem mutierten Wildschwein in der Nähe nicht allzu entspannend äußert…
Mal abgesehen von „Keiler – Der Menschenfresser“ war das Wildschwein noch nicht allzu häufig Bestandteil klassischen Tierhorrors, was hinsichtlich einiger großer Exemplare, einer manchmal recht schnellen Fortbewegung und nicht zuletzt der wuchtigen Eckzähne fast schon wundert. Vorliegendes Exemplar ist etwa drei, vier Meter lang, verdammt blutrünstig und schroff im Umgang mit Fahrzeugen wie bereits der Einstieg verdeutlicht.
Leider gelingt es Sun nicht so recht, die Geschichte in Schwung zu bringen, da er sich bei der Einführung diverser Figurenkonstellationen völlig verzettelt. Kommt erst Bill Mosely nebst Familie als Besuch von Bernie ins Spiel, konzentriert sich das Geschehen danach viel zu lange auf die Besucher eines Diners, während es anschließend zu zwei älteren Herren geht, die sich am Lagerfeuer die Kante geben, bis sie auf einen Schrei aufmerksam werden. Dadurch kristallisiert sich kein Sympathieträger zum Mitfiebern heraus, obgleich natürlich erahnbar ist, dass Nathan Jones schon rein physisch das Potential hätte, dem Keiler die Stirn zu bieten.
Immerhin kommt zwischenzeitlich eine gewisse Atmosphäre ins Spiel, da die grünen Kulissen bei Nebel eine trügerische Einsamkeit suggerieren, während die Kamera oftmals die Position des potentiellen Opfers einnimmt und nervös nach der Ursache des grummeligen Schnaubens Ausschau hält. Auch die Perspektive des Angreifers wird mithilfe eingeschränkten Sichtfeldes eingenommen, wobei der Effekt im Verlauf ein wenig überstrapaziert wird.
Das Schwein selbst wird phasenweise recht imposant in Szene gesetzt, obgleich zuweilen CGI sichtbar werden. Demgegenüber sind die Gewalteinlagen weitgehend handgemacht und oftmals explizit in Szene gesetzt. Es gibt arg entstellte Leichen, ein durchbohrtes Gesicht, ein Bein im Stacheldraht, einen abgetrennten Kopf und eine offene Bauchdecke. Zwar werden einige Opfer lediglich ins Off katapultiert, doch Gorehounds kommen durchaus auf ihre Kosten.
Genrefans zwar auch, doch mit Abstrichen. Darstellerisch reißt sich niemand ein Bein aus, speziell Jones offenbart starke mimische Defizite, aber auch Bill Mosely und John Jarratt können es eigentlich besser. Zudem fällt der Score rein gar nicht auf, dafür punktet jedoch die Sounduntermalung aufgrund der durchdringenden Geräusche des Mutanten.
Spannend wird es immer dann, wenn das Vieh unvermittelt zuschlägt oder ein Versteckspiel jäh beendet wird, was im letzten Drittel recht gut auf den Punkt kommt und den bis dato eher zähen Vorlauf ein wenig kaschiert. Also kein Reißer, wie man trotz einiger blutiger Einlagen vermuten könnte, doch Genrefans könnten zulangen.
6 von 10