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Mario Casas spielt den Geschäftsmann Adrian, der im Verdacht steht, seine Geliebte ermordet zu haben, um seine Affäre geheim zu halten und somit Ehe und Karriere zu retten. Er wurde mit einer Kopfverletzung neben der toten Frau in einem Hotelzimmer aufgefunden, daneben eine große Menge Bargeld. Mit einer namenhaften Anwältin, gespielt von Ana Wagener, bereitet er sich nun auf sein Verhör vor, um seine Version der Geschichte möglichst glaubhaft und widerspruchsfrei erläutern zu können. Danach haben er und seine Geliebte bei einem Autounfall einen Mann getötet, dessen Leiche sie verschwinden ließen, um die Affäre geheim zu halten. Damit setzten sie eine schicksalhafte Kette von Ereignissen in Gang, aufgrund derer er nun zu Unrecht des Mordes bezichtigt wird.

Mit seinem Horrorfilm „Julia`s Eyes“ und seinem Grusel-Thriller „The Body“ ist es dem katalanischen Regisseur und Drehbuchautor Oriol Paulo gelungen, sich auch über sein Heimatland Spanien hinaus einen Namen zu machen. Mit „Der unsichtbare Gast“ knüpft Paulo, der zu den interessantesten europäischen Nachwuchsregisseuren gezählt werden kann, insbesondere an den wendungsreichen „The Body“ an - nur besser.

Den Rahmen des Films bildet dabei das Gespräch zwischen dem unter Mordverdacht stehenden Geschäftsmann und seiner Anwältin, in dem munter fabuliert wird, wer hinter dem Mord stecken könnte, wenn nicht der verdächtigte Geschäftsmann Adrian. Da dieser mit der Leiche in einem nach innen und außen verschlossenen Hotelzimmer gefunden wurde, aus dem ein Dritter nur schwerlich hätte entkommen können, bedarf es einer längeren Erklärung, die denn auch den gesamten Film füllt. Adrian holt zunächst weit aus, erzählt von einem Autounfall, bei dem er und seine Geliebte einen fremden Mann getötet haben und lenkt den Verdacht letztlich auf den Vater des Toten, der die Frau aus Rache getötet und den Verdacht auf Adrian gelenkt haben soll.

Die Anwältin fällt dabei insbesondere durch kluge Gegenfragen auf, zwingt ihr Gegenüber immer wieder, Teile der Geschichte zu überdenken und den Tatverdacht in eine gegensätzliche Richtung zu lenken. So kommt es, dass die unterschiedlichen Versionen der Geschichte, die sehr lebhaft in Rückblenden geschildert werden, einem permanenten Wandel unterliegen. Das verlangt den Darstellern viel ab, weil sie die Charaktere je nach Lesart der Ereignisse unterschiedlich anlegen müssen, mal sympathisch, mal niederträchtig, mal als Täter, dann wieder als Opfer. Aber sie meistern diese Herausforderung gekonnt.

Außerdem verlangt der Film vom Zuschauer eine gewisse Aufmerksamkeit, will er nicht den Überblick verlieren. Doch Paulo erzählt gekonnt, besticht durch einen perfekten Spannungsaufbau, aber auch durch eine gewisse Strukturiertheit, die den Überblick erleichtert und schafft es so, durchweg zu fesseln. Das wendungsreiche Verwirrspiel bietet daher perfekte Unterhaltung und auch die finale 180°-Wendung gibt keinen Grund zur Enttäuschung. Zu kritisieren ist allenfalls, dass die Geschichte mitunter den einen oder anderen Haken zu viel schlägt, dass manches etwas konstruiert wirkt, dass der Film stellenweise etwas arg dialoglastig ausgefallen ist.

Fazit:
„Der unsichtbare Gast“ ist clever konstruiert, fesselnd erzählt und hervorragend gespielt. Ein spannender Film eines interessanten Regisseurs, von dem auch in Zukunft viel zu erwarten ist.

82 %

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