Eigentlich erschreckend, wie viele Filme und Dokus es über Charles Manson gibt, der, Jahrgang 1934, in absehbarer Zeit den Löffel abgeben dürfte, woraufhin wahrscheinlich noch ein paar filmische Ergüsse entstehen werden. Regisseur John R. Leonetti orientierte sich bei seinem Home Invasion Beitrag eher an „The Strangers“, anstatt sich auf die Fakten der Tate-Morde zu konzentrieren.
Sommer 1969 in den Hollywood Hills: Sharon (Katie Cassidy) und ein paar Freunde feiern den Abschied von Freundin Abigail (Elizabeth Henstridge), als die vier Geräusche um das Haus herum wahrnehmen. Vier Unbekannte läuten ein Katz- und Maus-Spiel ein, das für die meisten ein böses Ende nehmen wird…
Der Einstieg gestaltet sich recht spannend und atmosphärisch, als Mitglieder der Manson Family in das Haus eines Paares eindringen und einige Türen mit Blutschrift besudeln. Dank der frühzeitig alarmierten Polizei konnte hier schlimmeres verhindert werden, was nachfolgend bekanntermaßen nicht der Fall ist.
Leider erhalten die Figuren null Tiefe und obgleich über Liebe und Freundschaften geredet wird, fallen die Charakterzeichnungen mager aus und auch Sharon erhält, mal abgesehen von ihrem überdeutlichen Schwangerschaftsbauch keine besonderen Eigenschaften.
Bei den Eindringlingen verhält es sich kaum anders, denn diese entpuppen sich als huschende Schattenwesen ohne deutliche Gesichter. Und auch etwaige Motivationen schimmern nicht durch.
Was Leonetti allerdings gut gelingt, ist die Verdichtung der Bedrohung. Angefangen von der unterbrochenen Telefonverbindung über klappernde Türen hin zur direkten Verfolgung in den eigenen vier Wänden, nebst Fluchtversuchen in den angrenzenden Wald. Warum sich die potentiellen Opfer teils unlogisch bis dämlich verhalten, leuchtet allerdings genauso wenig ein wie die Tatsache, dass das Treiben bereits nach 72 Minuten beendet ist und dabei unfertig daherkommt. Das definitive Schicksal von Sharon wird genauso ausgeklammert, wie das einer weiteren Person und dann folgen noch einige Archivaufnahmen von Manson und seinen Anhängern, was die Sache nicht wirklich abrundet.
Eine Handvoll spannender Momente und eine teils recht dichte Atmosphäre, welche auf der überwiegend souverän geführten Kamera beruht, sind auf der Habenseite zu notieren, ebenso die Musikauswahl, die dem Sommer 1969 durchaus gerecht wird. Darstellerisch wird routiniert abgeliefert, sonderlich gefordert wird niemand. Die Gewalteinlagen begrenzen sich auf Andeutungen und Messerstiche, was noch im Rahmen einer FSK16 liegt.
Home Invasion mit Psychospielchen statt knallhartem Terror: Anstatt sich einigermaßen an die Fakten zu halten, mystifiziert der Streifen Manson und seine Gefolgschaft, während die Opfer teils reichlich naiv dargestellt werden und zuletzt sogar gänzlich ausgeklammert wird, wie die komplette Nacht abgelaufen sein mag. Das ist in Ansätzen spannend, doch unterm Strich ergibt sich nur ein weiterer Home Invasion Thriller, dem es an Eigenständigkeit und Konsequenz mangelt.
4,5 von 10