TELL ME SOMETHING
Sommer 1999, eine Reihe von grausamen Morden hält die Einwohner von Seoul in Atem. Immer wieder werden schwarze Müllbeutel samt schrecklichem Inhalt gefunden. Um dem Menschen zu Leibe zu rücken, welcher zu so etwas imstande ist, wird kurzerhand ein Spezialisten-Team zusammengestellt und man macht ein altes leerstehendes Lagerhaus zu seiner Zentrale. Unter der Leitung von Detective Cho (Han Seok-Kyu) und seinem Kollegen Ho ist man auch nach genauerer Ermittlung in der Lage so etwas wie ein Profil zu erstellen. Der/Die Killer(in) kennt sich bestens in Anatomie aus und versteht es aufs vorzüglichste mit dem Skalpell umzugehen. Fein säuberlich wurden die Körper der Opfer zertrennt, um sie dann in Müllsäcke zu verpacken. Das kuriose dabei ist das er/sie nie alle Teile einer Leiche in einen Sack packt sondern diese untereinander mischt und den Polizisten jeweils eines vorenthält um es erst beim nächsten Mal auftauchen zu lassen. Was bezweckt er/sie damit, steckt eine Kombination dahinter, um ihn/ihr auf die Spur zukommen oder handelt er/sie nur zufällig so? Die Ermittlungen dauern an, bis Cho endlich einen Anhaltspunkt gefunden hat, welcher ihn zu einer geheimnisvollen Frau namens Su-Yeon (Shin Eun-Hu) führt. Wie es der Zufall will sind die ganzen Leichenteile, einmal, im unversehrten Zustand, ihre Lover gewesen…
In was ist da Han Seok-Kyu, z.B. auch der Hauptdarsteller aus dem Action-Knaller "Shiri", hinein geraten? Diese Frage muss sich nicht nur er stellen, denn auch der Zuschauer wird von der ersten Minute an sofort in diesen Strudel aus menschlicher Boshaft und Perversion gesogen.
Regisseur Chang Youn-Hyun hat hier einen fesselnden Thriller/ Horrorfilm entstehen lassen. Das er sich dabei ein wenig an David Fincher's "SEVEN" orientierte wird man z. B. am Dauerregen, vor allem Nachts, erkennen, jedoch ist dies nicht weiter tragisch, denn das hervorragende Drehbuch, an dem ganze fünf Schreiber gewerkelt haben, hat doch etliche Story-Twists auf Lager und lässt den Zuschauer des Öfteren völlig im Dunkeln tappen. Das dies durchaus wörtlich zu verstehen sein sollte ist allein die Schuld des/der Killer(s)in, da er/sie vorzugsweise nachts agieren tut. Jedoch die depressiv stimmenden Farben aus "SEVEN" wird man hier nicht vorfinden, vielmehr wurden sie gegen die volle Farbenpracht getauscht, sie spiegeln also das Leben in einer Großstadt, so wie Seoul eine ist, wieder und diese lassen dann auch das Blut besonders ROT leuchten.
Die ruhige Erzählweise mitsamt den großartigen Kamerabildern, allein dadurch können der Kameramann Kim Sung-Bok und Regisseur Chang Youn-Hyun Spannung aufbauen die tatsächlich bis zur letzten Minute gehalten werden kann. Auch die akustische Untermalung trägt wieder mal zur Gänsehautatmosphäre bei, vor allem der Depri-Song von der Retro-Band Placebo (The Crawl), welcher immer dann läuft wenn unser(e) Killer(in) wieder zuschlägt, bleibt im Ohr hängen. Blut und gute Effekte unterstreichen das rohe Vorgehen des Serientäters. Doch was wären all diese Argumente, wenn dann die Schauspieler dem Ganzen nicht gerecht werden würden. Die beiden Hauptdarsteller sind einfach großartig und wirken bis zum Schluss menschlich. Kein Supercop und kein mediengeiler Mörder. Das dabei so mancher Protagonist, genau wie die Zuschauer, hinters Licht geführt werden ist willkommen und nur zu beklatschen.
Wieder eine kleine Perle aus Korea die man einfach gesehen haben sollte. Schon allein da „Tell Me Something“ aus den Anfangszeiten der so genannten koreanischen New-Age-Generation stammt.
8/10 und dafür weiss ich in welchem Tiefkühlfach der Kopf versteckt liegt!