Nachdem Helen sich mehrfach in Situationen wiederfindet, an die sie sich nicht erinnern kann, stellt sich heraus, dass sie vor der Geburt ihren Zwilling absorbiert hat. Und der ist in ihrem Körper so weit herangereift, dass er fortan mächtig Unheil sät.
Was als stereotyper Teenie-Horror beginnt, entwickelt sich alsbald zum halluzinatorischen Jeckyll & Hyde-Grusel, bevor es Richtung Besessenheitsschocker und schließlich zum reinen Body Horror kommt.
Die Entwicklung des Films und die Wandlung der Protagonistin sind linear durchdacht, bauen sich analog vielerlei Vorbilder in unterschiedlichem Erzähltempo auf und arten in einem Horror-Inferno der deftigen Art aus. Dies kommt umso überraschender, da der Film sich vormals dezent dahinschlängelt und weder in der Lage ist, das Publikum mitzureißen, noch eine besondere Erwartungshaltung zu beschwören. Erst am Ende des Films und wenn man alles gesehen und resümiert hat, ergibt sich ein Gesamtbild, das meine Neigung zur Flop-Wertung revidieren kann.
Wie das sein kann, erschließt sich mir nicht so recht. Eine Stunde lang lässt Grusel, Überraschung oder gar Schockmoment geduldig auf sich warten. Da passiert nichts, was man nicht erwarten würde, was man nicht schon unzählige Male - und teilweise besser - gesehen hätte. Die Zeit wird auch nicht genutzt, um die Charaktere nachhaltiger zu zeichnen und deren Beziehungen zu beleuchten. Alles bleibt oberflächlich, so dass man sich nicht in die Ereignisse hineinziehen lassen oder mit den Protagonisten mitfiebern kann. Da haben Filme wie 'It follows' wesentlich bessere Arbeit geleistet.
Dann kommt jedoch die Wende und das Darben hat ein Ende. Plötzlich ist die Kacke am dampfen und der Film hat auf einmal alles, was guten Horror ausmacht. Stringenten Vortrieb, Überraschungen, Wendungen, Ekel, Splatter und obendrein noch eine feine Sahnehaube voll Body-Horror. Geht doch. Trotzdem bleibt die Frage, warum nicht der ganze Film so konsequent und straff erzählt wurde, denn dann hätte man 'Let her out' als echte Genreperle abfeiern können.
Fazit: Ein furioses letztes Drittel macht den Film zu einem kleinen Geheimtipp unter den Body & Mind-Horrorfilmen.