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Ende der 80er schmunzelten noch viele über das Wunderauto K.I.T.T. aus „Knight Rider“, welches über eine Künstliche Intelligenz verfügte und sprechen konnte, gepanzert war und sich nahezu problemlos jeder unwegsamen Strecke anzupassen wusste. Teile dessen sind inzwischen Wirklichkeit geworden, doch gleichermaßen weiß jeder Automechaniker: Je mehr Technik, umso mehr Tücken.

Sandra (Katrina Bowden) befindet sich mit ihrem Kleinkindsohn David auf einer Nebenstraße in der Wüste, als ein Wildunfall sie zum Anhalten und Aussteigen zwingt. Dumm nur, dass ihr Sohn auf dem Rücksitz das Smartphone bedient, wodurch er sich einschließt und Sandra keinen Zugriff mehr auf das gepanzerte Fahrzeug hat…

Basierend auf einem italienischen Comicroman lernt man zwei grundlegende Dinge: Händige deinem Kleinkind niemals dein Handy aus, auf dem sich die Sicherheitssteuerung deines High-Tech-Autos befindet und zweitens: Beschaffe dir niemals ein solches.
Böse Vorzeichen werden natürlich bereits im Vorfeld gestreut, als der etwa zwei Jahre alte Sohn Asthmaspray benötigt und an der Tankstelle kurzfristig verschwindet, während Sandras Partner offenbar nicht ganz treu zu sein scheint. Den ersten Kardinalsfehler begeht die junge Mutter, als sie bereits vorm Haus ihrer Schwiegereltern steht und impulsiv Kehrt macht, um direkt mal über 300 Meilen zurück zu fahren.

Die Prämisse ist hingegen simpel aber effektiv, denn diverse Sicherheitsvorkehrungen verhindern eine Intervention von außen, Panzerglas und eine Titankarosserie kommen erschwerend hinzu, während die Wüstensonne brennt und sich natürlich niemand hierher verirrt außer einem Kojoten. Realistisch betrachtet hätte die Geschichte als bitterböser Kurzfilm enden müssen, denn viel länger als einige wenige Stunden dürfte ein Kleinkind ohne Wasser, mit Asthmabeschwerden und gekleidet in ein Teddyfell auf dem Kindersitz eingeschnürt nicht überleben.

Und allzu viele Optionen bleiben der verzweifelten Mutter letztlich auch nicht, wobei ihre Entscheidungen zunehmend abstruser werden und im finalen Akt fast schon zur Groteske mutieren, zahlreiche Unwahrscheinlichkeiten eingeschlossen. Dagegen kämpft Bowden in ihrer One-Woman-Show allerdings tapfer an, liefert vollen Körpereinsatz und transportiert die Hilflosigkeit einer jungen Mutter durchaus authentisch. Auch handwerklich ist unter der Regie von Ivan Silvestrini wenig anzukreiden, zumal das Setting der Mojave-Wüste gut zur Geltung kommt und der zurückhaltend eingesetzte Score eine angemessene Stimmung untermalt.

Dennoch wäre es am Ende womöglich interessanter gewesen, wenn die KI des Fahrzeugs weiterhin in Konversation gestanden hätte und ein paar Gefahren mehr zur Intensität der Situation beigetragen hätten. Die rund 84 Laufzeit kommen dem Thriller zwar zugute, doch hanebüchene Entwicklungen und einige sprichwörtliche Durststrecken verhindern eine deutlichere Empfehlung.
Knapp
6 von 10

 



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