Review

Als 1897 ein gewisser H. G. Wells „Der Unsichtbare“ schuf, konnte er natürlich nicht ahnen, dass dieses Motiv in den folgenden Dekaden immer wieder aufgegriffen würde. So auch bei Autor und Langfilmdebütant Geoff Redknap.

Eine Provinz im Norden Kanadas: Bob arbeitet in einem Sägewerk und lebt sehr zurückgezogen. Zu Frau und Tochter Eva hat er seit acht Jahren keinen Kontakt mehr. Als er die beiden inmitten einer dubiosen Kurierfahrt besucht, verschwindet Eva kurz darauf spurlos. Recherchen führen zu einer Psychiatrie, in der Bobs Vater einst Patient war…

Die erste halbe Stunde gestaltet sich als reines Geduldsspiel. Da Bob wortkarg erscheint und zudem weitgehend ohne soziale Kontakte lebt, wirkt er unnahbar und es fällt schwer, eine Bindung zur Hauptfigur aufzubauen. Das ändert sich selbst beim Besuch der Ex und der Tochter kaum und der Stoff nimmt erst ein wenig Fahrt auf, als Eva verschwindet.

Von Bobs Krankheit erfährt man derweil gar nichts und obgleich das Cover eine drohende Unsichtbarkeit vorwegnimmt, wird diese lange Zeit nicht thematisiert. Hier und da wird mal ein Verband an den Fingern gewechselt und es lässt sich lediglich erahnen, dass der Betroffene unter dem Zustand zusehends leidet. Immerhin eine Abwechslung zu den populären Verläufen im Kontext mit Unsichtbaren, die ihren Zustand mehrheitlich schamlos ausnutzen.

Etwas später tritt deutlich zutage, dass Regisseur Redknap eigentlich im Bereich Make-up und Maske arbeitet, denn die dazugehörigen Spezialeffekte können sich durchaus sehen lassen.
Zwar kommt es kaum zu Blutvergießen und Actioneinlagen sind überdies an einer Hand abzuzählen, doch rein handwerklich ist dem Werk nicht viel anzukreiden. Auch darstellerisch sind die meisten Mimen überzeugend und selbst der Score, der sich über weite Teile auffallend zurückhält, vermag im letzten Drittel den einen oder anderen Antrieb beizusteuern.

Letztlich gibt es Gründe, warum die Erzählung zunächst recht nebulös zu Werke geht, um final ein paar kleine Enthüllungen zu tätigen. Dennoch hätte sich der Vorlauf deutlich kompensieren lassen, was dem Werk einen insgesamt besseren Eindruck beschert hätte.
Somit reißt der finale Part noch ein wenig raus, doch der Genremix aus Familiendrama, Thriller und etwas Body-Horror ist unterm Strich eher mit Vorsicht zu genießen.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme