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Trotz des schlechten Rufes aufgrund ihrer Produktionen, der sich vor allem aus der Nutzung von ehemals als sogenannte A-Lister und nunmehrigen deutlich als B-Picture gekennzeichneten direct to Video - Werken und der im groben Überblick allgemeinen Durchschnittlichkeit der Qualität ergibt, hat sich das Emmett Furla Oasis Films Studio damit eine ganz eigene Nische geschaffen und so etwas wie auch Solidität und damit auch verbunden auch Aufmerksamkeit erkauft. Dabei kann man von derlei 'Ausschlachtungen' von (noch) anhaltender Popularität der im Marketing oftmals herausgestellten Star-Schauspieler wie Willis, DeNiro, Cusack oder Cage und dessen im tatsächlichen Werk oftmals nur geringfügige Beteiligung halten, was man will; in Knebelverträgen gezwungen ist sicherlich keiner der bekannten Namen und der mündige Zuschauer spielt das Spiel (mittlerweile) auch wissentlich und freiwillig mit.

Zudem hat man sich mit dem bisherigen Ausstoß, der dort vorhandenen Finanzierung im Rahmen von 10 - 20 Mio. USD, einer überschaubaren Zahl an noch jüngeren, aber nunmehr auch schon Erfahrung sammelnden und fast schon routinierten Regisseuren wie Brian A. Miller und zuletzt Namensvetter Stephen C. Miller eine durchaus reliable Basis geschaffen, die angesichts sonstiger Produktionen für den Video- und Streamingmarkt durchaus tragfähig und doch noch gehobene Klasse ist. Grundstock und Ausgangspunkt für noch so viel mehr, solange das Publikum mitspielt, was es angesichts der benutzten Prämissen und seiner Zutaten sowie vor allem dem Wissen der Produzenten darum, was die gemeine Masse sehen will, sicherlich auch tun wird.

Sorgen muss man sich also nicht machen, um dies Lager der Früh- und offiziellen Rentner, Sorgen nicht um Willis, der ab und an und dies wie sein Kollege DeNiro dann auch bewusst im Kino auftritt, und auch nicht um Cage, der in derlei Produktionen und den freieren Umständen fern von Großstudios frei und ungezwungen und mit seinen berühmt-berüchtigten typischen Auftritten zwischen Genialität und Chargentum ausbricht. Sorgen machen müsste man sich vielleicht um Cusack, der von mal zu mal schlechter aussieht, sich alsbald vollständig hinter Sonnenbrille und wie ein viel zu alt gewordener Teenager hinter einem rückwärts aufgesetzten Basecap, zwischendurch gar noch mit Kapuze und ständig schwarzer Kleidung versteckt, als wenn er sich unwohl in der eigenen Haut fühlt, leicht gschamig und irgendwie ob der eigenen Anwesenheit in Peinlichkeit versetzt:

Seit dem frühen Tod der Erziehungsberechtigten hat sich der ältere Sohn Mikey Lindell [ früher: Zachary Legendre, jetzt: Jonathon Schaech ] um seinen kleinen Bruder JP Lindell [ früher: Kelton DuMont jetzt: Adrian Grenier ] gekümmert. Mittlerweile stehen die Dinge etwas anders, Mikey hat eine unehrenvolle Karriere bei der Army und die Scheidung von Vicki samt Besuchsrecht bei der gemeinsamen heranwachsenden Tochter Alexis [ Abbie Gayle ] hinter sich, sowie eine seit vergangenen Tagen schon unheilvolle Verbindung mit dem örtlichen Gangster Eddie King [ Nicolas Cage ], während JP eine liebevolle Kleinfamilie und ein soweit gut laufendes Baugeschäft in petto hat. Als Mikey sich vorübergehend im Drogengeschäft probiert und prompt von anderen Kleinkriminellen überfallen wird, nimmt er erneut Kontakt zu Eddie auf, was sich noch rächen soll. Kurz darauf bekommt JP eine Lösegeldforderung für seinen Bruder, wobei er sich hilfesuchend an den lokalen Cop Sal [ John Cusack ] wendet, was wiederum Eddies mächtigen und gar nicht über die Aufmerksamkeit erbauten Bruder Buddy King [ Christopher Coppola ] von New Orleans in die Stadt lockt.

Katrina didn't run us out and neither will Eddie King.

Dabei eröffnet der zuvor als Philly Fury angekündigte und auch entsprechend (in bspw. UK) als Southern Fury laufende, in ganzen zwei Wochen Drehzeit heruntergekurbelte Film mit einer überraschenden Rückblende in die Kindheit der beiden später erwachsenen Brüder; eine längere Geste in die Vergangenheit, die überraschend stimmig und als Fundament für das noch folgende Geschehen ausfällt. Die anschließende Handlung ein Vierteljahrhundert später ist angesichts der 'Kindheit', die keine ist und des 'Trauten Heimes', das so nicht existiert, durchaus empathisch angelegt und erklärt einige der Schmuddeligkeiten vom hier gezeichneten Biloxi, Harrison County, im Bundesstaat Mississippi und dem Umfeld im White Trash Milieu gleich mit. Geboren, gelebt und wahrscheinlich auch gestorben wird am gleichen kleinen Ort, inmitten in der Pampa und weitab vom Schuss der globalisierten Welt, quasi in der eigenen Begrenzung gefangen und vom ersten Augenblick an in der Truppe der Abgehängten eingeschränkt. Die Figuren aus der weißen unteren Mittelschicht, wenn denn überhaupt, wo selbst die Anständigen vom Blue Collar American Dream schon früh morgens verschwitzt wirken und irgendwie klebrig auf der Haut und feucht bis fleckig auch in der Kleidung, dessen aber ungeachtet und sowieso auf andere Dinge als die des Äußeren konzentriert sind. Die Modernisierungsverlierer, mit einer Streitlust, die sie selbst zum Unabhängigkeitstag nicht familiär zusammenkommen lässt.

Das (eine) Bruderpaar dabei im Vordergrund des Geschehens, wobei der Ältere sein Leben im Grunde schon verwirkt hat, die Scheidung hinter sich, ein heranwachsendes Kind, zu dem wenig Kontakt und eine Exfrau, zu der nur noch Feindschaft besteht. Der Haß und die schlechte Laune auf die eigene Unzulänglichkeit und Unzufriedenheit mit sich und den Umständen und überhaupt der Welt bricht sich in blutspritzender Slow-motion Bahn, wobei der Jüngere zumindest bisher alles erreicht hat, aber für den Älteren und zu dessen Unterstützung auch alles an Positiven auf das Spiel setzt. Mit dieser Fallhöhe und warnenden bis pulsierend brummenden Soundtrack arbeitet der Film ganz geschickt; Miller, der zuvor u.a. den mauen Extraction und den besseren Marauders für EFO Films inszeniert hat und in der Post Production für den demnächst anlaufenden, erstmal bieder klingenden First Kill (mit Willis und Hayden Christensen) steckt, arbeitet hier zwar unnötigerweise mit allerlei Farbfiltern, die auch dem Siff in seiner Armut und Rostlauben-Provinzialität widersprechen, versteht sich aber auf eine prägnantere Erzählweise, die nicht alles lang und breit erklären muss, um das Handeln der Figuren als verständlich zu explizieren.

Richtig aufblühen tut der ehemalige Horrorregisseur bei der Inszenierung der diversen Blut- und Gewaltszenen, in denen viel Folter ausgeteilt und viel Prügel eingesteckt und der rote Lebenssaft wie beim Preisboxen durch die Gegend geschleudert wird. Ein grimmiges, durchaus schon beim Zusehen wehtuendes, in extremen Zeitlupen drohendes und ausgekostetes Gehabe, dass durch Cage und seinem aufgedrehten, murmelnden, cartoonartigen Spiel in (inoffizieller) Anlehnung an den nebulösen Deadfall (1993, plus Gastauftritt von Cousin und dortigen Hauptverantwortlichen Christopher Coppola) sowohl noch verstärkt als auch in seiner absurden Komik schon wieder konterkariert und das Projekt als low-rent Indie Action Drama auf einen ganz eigenen, nicht unbedingt empfehlenswerten, aber dennoch erinnerungswürdigen Thron gehievt wird.

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