Review
von Leimbacher-Mario
Virtual Reality. Real Horror?
Virtual Reality ist das Thema des Jahres im Technik- & Videospielbereich. Und "Let's Be Evil", ein surrealer Mix aus "Ex_Machina", "Dorf der Verdammten, "eXistenz" & dem Videospiel "Outlast", dreht sich voll & ganz um die neue Art des immersiven Gamings. Allerdings geht es hier storytechnisch weniger um ein Computerspiel, sondern eher um ein Experiment: unsere Protagonistin Jenny soll bei einer Gruppe hochbegabter Kinder Aufsicht führen. Doch schnell wird ihr & ihren zwei erwachsenen Kollegen im abgelegenen Bunker klar, dass mit der Gruppe gruseliger Technikteens etwas nicht stimmt & die immer aufgesetzten Reality-Brillen lassen das ganze Szenario in fast schon halluzinatorische & drogentripähnliche Gefilde rücken.
Ein hochaktueller Film, der viele offene Enden & Geheimnisse bereithält, kurzweilig fasziniert & mit relativ beschränkten Mitteln & Settings eine Art Kultfilm der aktuellen Generation werden will, wie vor 20 Jahren etwa "Cube". Doch dazu bräuchte es dann im Endeffekt doch noch Einiges mehr als nur eine hypnotisch gute technische Seite & eine klaustrophobische Atmosphäre. Ein bunter Technik-Alptraum mit Edelsound - doch guckt man unter die geleckte Oberfläche, bleibt für mich traurig wenig hängen.
Die Kinder sind gruselig genug, ausserweltlich & abgedriftet, das Thema der Virtual-/Augmented-Reality-Brillen bürgt Sprengstoff & der Soundtrack erzeugt eine Hi-Tech-Gänsehaut - doch für mich wirkte der Film gerade am Ende vollkommen aufgelöst & zerstört von seinen eigenen hohen Ansprüchen & zu schweren Ideeansätzen. Das Ende ist nicht nur plötzlich & wirr, sondern auch eine Art aufgezwungenes WTF. Ziemlich das Gegenteil von schlau. Dazu bleiben die Darsteller hinter guten Leistungen zurück & Charakterisierung scheint den Machern ein Fremdwort gewesen zu sein.
Eine richtige Bedrohung geht zudem von den abgespaceten Kiddies nicht aus, Twists erraten nicht nur erfahrene Genrefans innerhalb von Sekunden & das Ergötzen an dem in Erinnerung bleibenden Style, reicht dann nicht für einen guten Grusler, Abend, Film. Für Filmliebhaber zu gewollt clever & gleichzeitig flach, für die Generation Netflix zu künstlerisch, für Horrorfans zu zahm & unspannend. So richtig kommt er bei keiner Gruppe an. Doch schon allein wegen dem Look wünsche ich mir mehr von fast allen Beteiligten. "Let's Be Evil" hätte vielleicht als Kurzfilm ausgereicht. So ist das neuer Wein aus neuen Schläuchen, der trotzdem irgendwie künstlich-faulig anmutet.
Fazit: schon allein wegen Look, Thema, Soundtrack & Atmosphäre sehenswert. Doch hinter der prachtvollen & mutigen Hülle, versteckte sich für mich zu wenig bis nichts. Keine interessanten Charakter, wenig Spannung & zu viele offene Fragen, auf die wohl noch nichtmal die Macher selbst eine Antwort gehabt haben... Im besten Falle: interessant.