Manche Leute sagen, es gibt Gespenster, manche sagen, es gibt keine Gespenster.
Regisseur David Lowery aber sagt, dass es neben Hui Buh noch mehr Gestalten mit Bettlaken gibt, die stumme Zeugen der Vergänglichkeit sind. Um das zu sagen, muss man die arme Rooney Mara jedoch nicht fünf Minuten lang Kuchen in sich hineinstopfen lassen.
Ein Landhaus in Texas: Songwriter C (Casey Affleck) und M (Rooney Mara) sind eigentlich recht glücklich, obgleich er vom anstehenden Umzug nicht sonderlich begeistert ist. Doch dann stirbt C bei einem Autounfall. Kurz darauf kehrt er als Gespenst in das Haus zurück, ist jedoch zu kompletter Passivität verurteilt. C muss erleben, wie M die Zeit nach seinem Tod verbringt…
Wähnt man zunächst aus Versehen das Bildformat verstellt, weil es beinahe so breit wie lang ist, entpuppt sich dies als Kniff von Lowery, eine Art Tunnelblick in 4:3 zu präsentieren.
Ebenfalls auffällig sind lange, statische Einstellungen, die teils drei, vier Minuten andauern und eine Menge Geduld erfordern, zumal sich rein inhaltlich meist nicht viel abspielt: Zarte Annäherungen im Bett, das besagte Kuchenessen oder das endlose Verweilen in der Aufbewahrungshalle, bis sich der “Untote“ mitsamt dem Laken erhebt.
Nachfolgend gibt es allerdings keine Nachricht von Sam, sondern schweigsames Beobachten des Bettlakengespenstes mit Augenschlitzen.
Sofern einen der Stoff nicht emotional packt, zieht sich die Angelegenheit wie Kaugummi und gestaltet sich erst ein wenig interessanter, als M kurz vor ihrem Auszug einen kleinen Zettel in einer Wandritze versteckt und C, ans Haus gebunden, den Wandel im Lauf der Jahre, ja sogar Jahrhunderte in Form einer Zeitschleife erlebt. Da hätte es den Erklärbären und Philosophen während einer Party, der über Beethoven, tote Kinder und Vergänglichkeit im Allgemeinen sinniert, letztlich nicht gebraucht.
Trotz oder gerade wegen der reduzierten Mittel stechen die versierte Kamera und der überaus gelungene Schnitt besonders ins Auge, gleiches gilt für den zurückhaltenden Score.
Mal abgesehen vom Affleck unterm Laken sticht die sehr nuancierte Performance von Rooney Mara positiv hervor, speziell als sie einen Song per Kopfhörer emotional reflektiert oder in dem Moment als sie das Haus verlässt und ihr eine Mixtur aus mehreren Gefühlen anzusehen ist.
So liefert David Lowery so viel und so wenig zugleich: Sein Fantasy-Drama folgt keiner üblichen Dramaturgie mit Spukeinlagen, sondern fokussiert Themen wie Einsamkeit, Liebe und Schmerz, Verlust und Isolation in betont ruhiger Erzählweise, die über weite Teile ohne Worte auskommt, jedoch auch einen entsprechenden Zugang erfordert.
5,5 von 10