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Von den reinen nackten Eckdaten her schon interessanter kleiner Film aus der ehemaligen Kronkolonie, in der sowohl ein präzises und gar aktuelles Thema aufgegriffen als auch in gleich mehrfacher Hinsicht ein medialer Bezug hergestellt wird. Als Weiterführung bzw. Verlagerung der gleichnamigen Fernsehserie auf nunmehr die große Leinwand wird dabei ein Motiv aufgegriffen, dass gerade in letzter Zeit wie bspw. in Line Walker und zuvor den Turning Point Zweiteiler vorgefunden öfters am Antreten ist, das Suchen und mögliche Finden eines zweiten und anderen Lebens, in dem man vom seriellen Erzählen und der Beschränkung der Mattscheibe hinweg zu einem vorübergehend epischen Eindruck wandert, und dort im besten Fall die alten Zuschauer mitnimmt, als auch neue Klientel anspricht:

Die sich bisher noch vermehrt im traditionellen Journalismus betätigende "Smart Post", geführt derzeit und erst seit kurzem von der Chefredakteurin Fong Ying [ Catherine Chau ] bekommt durch die stark mit Online-Spektakeln und Sensations-, Klatsch und Gerüchtejournalismus aufwartende "Flash Post" hartnäckige Konkurrenz und einen hohen Verlust von Lesern und Anzeigekunden, was den CEO Chong Nga-yuen [ Justin Cheung ] zu der Androhung baldiger Schließung verleitet, wenn man denn nicht mit gleichen Mitteln zurückschlägt. Dabei bietet sich gerade ein aktuell eintreffendes Thema für eine Schlacht der 'Zeitungsfritzen' an, hat doch der leidende Vater und Witwer Tam Yui-chi [ Ng Man-tat ] den schwerreichen und deswegen auch freigesprochenen Vergewaltiger und Mörder seiner noch minderjährigen Tochter in einem Fernsehstudio während der Aufnahmen zur einer Talkshow gestellt, und ihn und andere Gäste der Gesprächsrunde als Geiseln genommen. Tam will ein Geständnis und er will eine Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens, und er wird vielleicht das erste mit Androhung von Gewalt bekommen, gilt aber rechtlich das Wiederholungsverbot, darf der Fall demnach gar nicht neu verhandelt werden. Währenddessen macht sich die frischgebackene Fotojournalistin Mallory Mak [ Kate Yeung ] zusammen mit ihrem Freund und Kollegen Lok Ka-fai [ Gregory Wong ] an die Hintergrundrecherche der Geschichte, die alsbald auch die Politik, nämlich die Forderung nach einem Aufheben dieser "Double Jeopardy" Regelung umfasst. Als weitere Nachrichten auf den sowieso angeschlagenen Tam einprasseln und von außen die Polizei auf Stürmung drängt, scheint die Situation zu eskalieren. Das Studio ist von diversen Sprengsätzen umgeben.

The Menu, dessen Vorgänger nun keinerlei Furore außerhalb der Stadtgrenzen machte - von bspw. den zugrundeliegenden Erzeugnisse bei den oben genannten filmischen Vertretern kann man zumindest etwas von gehört haben, wenn man sich denn überhaupt für die Herkunft interessiert - , hat dabei zusätzlich den Vorteil, dass man scheinbar auch das Genre des Actiondramas/-Thrillers ansprechen könnte und mit der Rolle der Medienperson auch ein zeitgenössisches bis politisch brisantes Geschehen. Die Sonderverwaltungszone ist ein Aktivposten der Interessen der Volksrepublik China, die ihrerseits darum auch kein Hehl mehr macht und die starken Arme von Zensur von Nachrichten, Sachbüchern, Belletristik, und Beeinflussung, ja auch Drohung und Niederschlagung von Widersprüchen dessen spielen lässt; wobei dieser Aspekt hier nicht im Vordergrund der Geschichte steht, aber im Hinterkopf immer beim Rezensenten mitwirken kann, und diese Mitwirkung auch ihren Einfluss gelten lässt. [China ist derzeit auf dem fünftletzten Platz der Weltrangliste für Pressefreiheit.].

Filme über Journalisten und der Ausübung ihres Berufes sind dabei in HK rar, wenn auch mit bspw. A1 - Headline, Comeuppance, und News Attack durchaus qualitativ gut gesetzt; man könnte noch Breaking News natürlich mit hinzuziehen, auch wenn dieser im Bleihagel und der polizeilichen Belagerungssituation etwas derber auftritt. Im hiesigen Beispiel sind die Akteure vor und hinter Kamera vom Fernsehen übrigens wieder da, was eher selten und nicht die Regel derlei Sprünge von einem Medium zum Anderen ist; Ben Fong führt weiterhin die Regie, während im Filmgeschäft eher unbekannte Leute wie Gregory Wong, Kate Yeung und Catherine Chau nun gerechtfertigt im Glanz des Scheinwerferlichtes stehen und bisher Geschehenes fortführen. Grundlagenkenntnisse aus der 24teiligen Serie wären natürlich ratsam bzw. hilfreich, braucht man allerdings nicht notwendig, da die spezielle Handlung hier für sich selber steht und spricht; zudem bekommt man in der Voranstellung des Geschehens eine Rückblende auf die Serie aufgezeigt, die die entscheidenden Personen dort wie auch hier bereits deutlich vorstellt und daher mit wenigen Szenen und Worten bereits die Konstellation aller Beteiligten präsentiert und problemlos ausreichend für das weitere Prozedere ist.

Angesprochen werden dabei die Grenzen der Pressefreiheit und das Ausloten teils auch krimineller Machenschaften, die die (Sensations)Journalisten hier antreiben und im Grunde schon nicht mehr statthaft und moralisch ebenso nicht zu vertreten sind. Ein Problem ist auch das Aufkommen des Online-Journalismus, der die Printmedien abgelöst hat, schneller, preiswerter, den Bedürfnissen des neuen Konsumenten nach aussagekräftigen Schlagzeilen und weniger dem investigativen Inhalten zuvorkommend ist; ein Kampf um die Ehre und Gewissen gegen das schnöde Geld, um das eigene (berufliche) Überleben, das mit in das wenige Private hineingreift und momentan die Existenz für alle Beteiligten ist. Interessanterweise geht es auch um Politikklüngel und ein verschlepptes Gesetz bzw. eine Änderung dessen, was einst zum Schutz des Opfers wurde, in diesem Fall aber Schutz des Täters ist. Dargereicht wird das Konglomerat in recht schneller Art und Weise, bei der die jeweilig verrinnenden Minuten und Stunden während der Geiselnahme immer die drohende Frist setzen und die nächste prägnante Schlagzeile auf der Hatz nach noch mehr Zugriffsclicks die weitere antreibende Konstante in der Geschichte ist. Eine neue Form der Kommunikation hier, mit großteils schlechten Einflüssen und unangenehmer Wirkung, die die anwesenden Reporter tatsächlich wie ein übler Haufen Schmeißfliegen aussehen lässt und die gesamte 'Pressemeute', selbst die vermeintlich Positiv Gezeichneten alles Andere als gut dastehen lässt.

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