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Nein, wirklich wichtig ist das Thema von „Kedi“ nicht – eine Dokumentation über das Leben der Straßenkatzen von Istanbul und der Menschen, die mit ihnen zu tun haben. Es geht nicht um eine dramatische Veränderung der Umstände, nicht um die Rettung, nicht um die bevorstehende Ausrottung oder Bedrohung.

Es geht vielmehr um eine liebevolle Zustandsbeschreibung: dass es Zehn- oder sogar Hunderttausende von Straßenkatzen geben, ohne das s gleich von einer Epidemie oder von großartigen Problemen geredet wird. Stattdessen: Lebenshilfe und Harmonie. Man lebt zusammen, man lebt miteinander, man nimmt und gibt, man hilft und akzeptiert.
Anhand von sieben etwas ausgearbeiteten Portraits werden einzelne Tiere, ihr Revier, ihr Umfeld und ihr Leben vorgestellt, ihre Geschichte erzählt, von den Menschen, die sie füttern oder ihnen Gesellschaft bieten, ohne dass die Tiere den Menschen gehören oder von ihnen kontrolliert werden.
Die Filmemacher haben die Tiere mit einem Spielzeugauto praktisch aus Katzensicht gefilmt und lassen ihre „Menschen“, Fütterer, Kümmerer und Dosenöffner (und manchmal Transporteure zur Tierklinik) zu Wort kommen, wie die Tiere ihr Leben beinflussen und beeinflusst haben und warum ein Leben mit Katze (und Gott oder Allah) das Erstrebenswertere und Ausgeglichenere ist.

„Kedi“ beschönt nichts, auch nicht das harte Straßenleben. Der Tod (durch Autos) ist allgegenwärtig, die Tiere haben Unfälle, Kämpfe, müssen zum Arzt oder leiden an Krebskrankheiten, vermehren sich ungebremst – und doch stellen die Menschen für Katz (und Hund) täglich Fressen und Wasser an die Straße, drehen ihre Futterrunden oder fahren verletzte Tiere in die Klinik, wo die Mitarbeiter aus alter Gewohnheit schon anschreiben lassen.

Natürlich bietet der Film vorzugsweise schöne Bilder, kleidet sie aber eher in das Kaleidoskop der riesigen Metropole am Bosporus (teilweise per Drohne aufgenommen), wo kaum eine Einstellung ohne feline Hintergrunddarsteller auskommt.
Die Vermittlung der positiven Grundeinstellung vieler Instanbuler zu den Tieren ist wichtiger als die negativen Aspekte, ohne die Leben-geht-weiter-und-der-Tod-gehört-dazu-Stimmen währenddessen zu unterdrücken.

Einen Hauch meditativ, sehr kontemplativ, entspannend und visuell beeindruckend komponiert, so kommen nicht nur Katzenliebhaber auf ihre Kosten – und etwas Lebensphilosophie in einer hektischen, alles kontrollierenden Zeit kommt auch noch dazu. Empfehlenswerte 8/10 Pfoten (weich!)

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