1972: John Goodman spielt einen Regierungsmitarbeiter, der es sich in den Kopf gesetzt hat, eine Expedition zu einer bisher unerforschten Insel zu starten. Sein Interesse am Eiland rührt jedoch weniger daher, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges den Sowjets bei der Suche nach Rohstoffen zuvorzukommen, wie er es seinen Vorgesetzten gegenüber behauptet. Vielmehr sind es die Gerüchte um eine riesige Affenbestie, welche die Insel für den Verschwörungstheoretiker so interessant machen. Die Expedition wird schließlich genehmigt und so geht es mit einer soeben aus Vietnam abgezogenen US-Militäreinheit unter der Führung eines hochdekorierten Kriegshelden, gespielt von Samuel L. Jackson, mit einem Fährtensucher, gespielt von Tom Hiddleston, und einer Journalistin, gespielt von Brie Larson, auf die Reise - in eine Umgebung, die kaum feindlicher sein könnte.
King Kong ist nicht nur das vermutlich erste Monster, das eigens fürs Kino erfunden und nicht aus einer literarischen Vorlage entnommen wurde, es ist vermutlich auch eines der kommerziell erfolgreichsten. So folgten seit 1933 auf den Stop-Motion-Meilenstein „King Kong und die weiße Frau“ zahlreiche Fortsetzungen, Adaptionen und Remakes, zuletzt Peter Jacksons Monsterspektakel von 2005, das über eine halbe Milliarde Dollar einspielte und wie der Originalfilm in eine Liebesgeschichte zwischen Riesenaffen und weißer Frau mündete. Bei „Kong: Skull Island“ ist der Fokus ein anderer, schließlich war auch die Zielsetzung eine andere. Anders als bei Peter Jackson bestand die Aufgabe des bisher vorwiegend durch TV-Produktionen in Erscheinung getretenen Regisseurs Jordan Vogt-Roberts auch darin, um den Riesenaffen herum eine neue Franchise aufzubauen. Eine Fortsetzung, in der Kong auf Godzilla treffen soll, ist schon lange angekündigt - also durfte der Affe nicht auf der Spitze des Empire State Buildings sterben. Vogt-Roberts und „Nightcrawler“-Autor Dan Gilroy verlegten die Handlung komplett auf die Totenkopfinsel und sie erfüllten ihre Mission voll und ganz: „Kong“ macht Lust auf mehr.
Die Handlung ist zwar überschaubar, aber einen Mangel an guten Ideen kann man „Kong“ definitiv nicht vorwerfen. Vor allem das Zeitkolorit der 70er, das nicht nur visuell durch den coolen Retro-Look in den Film integriert wird, macht aus diesem Blockbuster eine angenehme Abwechslung zum zeitgenössischen Bombast-Kino, das wahlweise in der Zukunft angesiedelt ist oder in dem Superhelden die Welt der Gegenwart retten. So bleibt es nicht dabei, dass im Film anfangs ein kurzer Ausflug in den Vietnam-Krieg unternommen wird, auch die Szenen auf der Totenkopfinsel könnten aus „Die durch die Hölle gehen“ stammen. Soldaten in Uniform, mit zeitgenössischem Kriegsgerät bestückt, schleichen durch eine tropische Kulisse, die einerseits kaum paradiesischer, andererseits nicht gefährlicher sein könnte - denn hinter jeder Ecke könnte der Tod lauern, hier eben ein Monster und nicht der Vietkong. Da fügt sich der großartige, aus den Rock-Klassikern der 70er zusammengesetzte Soundtrack, der in den passenden Momenten eingespielt immer für neuen Schwung sorgt, natürlich perfekt ein. In einer der besten Szenen des Filmes, die an Coppolas „Apocalypse Now“ angelehnt ist, fliegen die Hubschrauber die Insel an, während aus ihren Boxen der Black-Sabbath-Song „Paranoid“ dröhnt.
Ansonsten ist „Kong“ vor allem eines: Großartiges Unterhaltungskino, das schnell zur Sache kommt und sich keinerlei Längen erlaubt. Und als solches überzeugt der Monster-Film natürlich in erster Linie mit seinen brillanten Effekten und mit seinen großartigen Action-Szenen. Die Bewegungen der Monster, insbesondere die des titelgebenden Riesenaffen, wirken vollkommen natürlich, während die Animation kaum besser sein könnte. Darüber hinaus sind die Action-Szenen auch sehr physisch, sodass das halbe Kino förmlich erbebt, wenn die Monster im Film aufeinander losgehen. Die Action-Sequenzen sind aber nicht nur wuchtig, sondern auch durchaus einfallsreich oder ironisch. Eines der Highlights ist etwa die Szene, in der die menschlichen Akteure, in einem rauchigen Krater stehend, von einem Urzeitmonster angegriffen werden, das soeben eine Kamera verschluckt hat, sodass es aus allen Richtungen unheilvoll blitzt. Und auch ansonsten hat „Kong“ alles, was Popcorn-Kino braucht. Er nimmt sich nicht zu ernst, ist zügig erzählt und enthält wohldosiert und pointiert auch den einen oder anderen Gag. Nebenbei gelingt es, den Riesenaffen Kong nicht nur zum König der Insel, sondern zu einem Beschützer der gesamten Menschheit, zu einem regelrechten Gott zu stilisieren, von dem man gern mehr sehen möchte. Dass der namenhafte und überzeugend aufspielende Cast letztlich dazu degradiert wird, die meiste Zeit vor diversen Monstern wegzulaufen und das durchaus vorhandene schauspielerische Potential somit kaum genutzt wird, ist da zu verschmerzen.
Fazit:
„Kong“ ist Unterhaltungskino par excellence: großartig bebildert, kurzweilig erzählt und inhaltlich auf den Punkt gebracht. Als Sahnehäubchen gibt’s noch massig Zeitkolorit der 70er Jahre, einen rockigen Soundtrack und einen coolen Retrolook, sodass die überschaubare Story kaum ins Gewicht fällt.
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