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Zwischen mühseliger Stop-Motion-Technik und aufwendigen Computereffekten liegen mittlerweile einige Jahrzehnte, doch die Faszination am Riesenaffen Kong scheint ungebrochen. Die 190 Millionen Dollar Produktionskosten sieht man dem Werk in nahezu allen Belangen an, die Schauwerte stimmen, nur die Story leidet unter den stereotypen Figuren.

Anno 1973 geht der Vietnamkrieg dem Ende entgegen, als ein paar Forscher um Randa (John Goodman), begleitet von einer Militäreinheit unter der Leitung von Col. Packard (Samuel L. Jackson) die bislang unerforschte südpazifische Insel Skull Island betreten und sogleich von einem Riesenaffen attackiert werden. Doch das sind nicht die einzigen Bewohner auf der Insel…

Bei den klassischen Verfilmungen um King Kong wird die titelgebende Kreatur relativ spät eingeführt, hier offenbart sie sich bereits in den ersten Einstellungen und offenbart, mit welcher Wucht einige Bewegungen einher gehen, wenn etwa ein Faustschlag ins Wasser wie ein kleiner Tsunami daherkommt. Das steigert sich im Verlauf natürlich und im Monsterkampf gegen ein echsenartiges Reptil wird auch schon mal mit Bäumen oder Schiffsmotoren hantiert, während gleich zu Beginn zahlreiche Hubschrauber vom Himmel geholt oder als Wurfgeschosse zweckentfremdet werden.

Derweil bieten die Figuren keine sonderliche Tiefe, sondern werfen Klischees in die Runde wie den stets coolen Fährtenleser, den obsessiven Colonel oder den unfreiwilligen Eremiten (John C. Reilly), der mit Sprüchen am Rande für kleine Aufheiterungen sorgt.
In dem Zusammenhang taugt eine Fotografin (Brie Larsen) noch am ehesten als Sympathieträgerin, zumal sie recht früh Empathie mit den friedlichen Kreaturen der Insel entwickelt.

Regisseur Jordan Vogt-Roberts weiß zumindest, wie man Action goldrichtig in Szene setzt und diesbezüglich wird geklotzt und nicht gekleckert. Es kommt zu tödlichen Begegnungen mit Riesenspinnen und aggressiven Vögeln, Klettertouren werden jäh unterbrochen und so manch namenloser Soldat wird schlichtweg in den Boden gestampft. Dazwischen findet Kong Zeit für eine grobe Auseinandersetzung mit einem Octopus, Handgranaten verfehlen bei einigen Viechern ihre Wirkung und spätestens als Napalm eingesetzt wird und 70er Songs aus den Boxen auf dem selbstgebauten Boot röhren, fühlt man sich unweigerlich an „Apocalypse Now“ erinnert, wofür im Vorfeld bereits die Covergestaltung sorgt. Auch Ähnlichkeiten mit „Avatar“ und „Jurassic World“ sind auszumachen.

Derweil performen einige der hochkarätigen Mimen überzeugend und holen noch recht viel aus den schwachen Figurenzeichnungen raus, wobei Jackson in einigen Szenen sehr stark performt, sich in anderen schlichtweg zum Affen macht, was auch für Reilly gilt, der oft nah am comichaften agiert. Der Score ist indes stimmig, die Kamera sorgt für die notwendige Übersicht, nur der Schnitt wirkt in einigen Momenten nicht allzu durchdacht, was im Eifer des CGI-Gefechts schon mal passieren kann.

Folgerichtig sind mal wieder Freunde klassischer Creature Features angesprochen, die deutlich mehr Niveau als das von SyFy und Asylum erwarten. Rein optisch ein Leckerbissen mit vielen Details, atemberaubenden Landschaften und überzeugend inszenierter Action, storytechnisch eher oberflächlich, beinahe humorfrei und ohne Tiefgang. Als reines Popcornkino reicht das völlig aus.
7,5 von 10

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