Review

The Assassination of Gianni Versace (S2) - 8/10

Staffel 2

The Assassination of Gianni Versace

Mode, Mörder, Männer & Masken

Im zweiten Jahr von „American Crime Story“ wird die Ermordung von Modelegende Gianni Versace von einem sozipathischen, verbitterten Fan, Verehrer und Serienkiller behandelt. Was ich besonders faszinierend an dieser weit ausholenden Geschichte finde, warum der Titel falsche Erwartungen wecken könnte und wo es hakt...

EN VOGUE
+ bietet viel mehr, als der Titel verspricht
+ passend zum Thema ungeheuer stylisch; eines Versace würdig
+ Ricky Martin kann spielen!!! 
+ traumhafter Mid90s-Soundtrack
+ pulsierende Discoszenen
+ LSBT-Thema erinnert an Murphys „Pose“
+ erschreckender Einblick in die Psyche eines Killers, enttäuschten und verstörten Mannes/Menschen
+ 90er-Flair mehr als gut getroffen 
+ ein paar Einblicke in ein legendäres Modelabel
+ Donatella/Cruz!!!
+ wahrscheinlich Murphys bisher komplexestes und komplettestes Werk 
+ umspannt große (noch immer akute!) Themen und Zeitabschnitte 
+ interessant zu sehen, wie sich die Welt im Bezug auf Schwule verändert hat; ebenso der Unterschied berühmt/normal 
+ offen, sexy, freizügig, mutig
+ ein Mord/Geschehnisse, die mir (anders als der OJ-Prozess) nicht wirklich bekannt waren 
+ für einen Parfum- (und zum Teil auch Modefan) wie mich extrem ansprechend und launig
+ knackige Inszenierung 
+ bockstarke Charakterstudie 
+ unsympathischer und zugleich bemitleidenswerter Killer 
+ ganz düstere, missglückte, giftige Seite des „American Dream“
+ viel Augenmerk auf die Opfer 
+ (meiner Meinung) keine Glorifizierung des Killers
+ rückwärtiger Aufbau/Zeitsprünge: klasse und fesselnd, auch sinnvoll
+ der Vater von Cunanan ist fast noch gruseliger als er selbst! 
+ man spürt durchgehend den Plan, die Message, die Durchdachtheit 
+ die finalen Momente unterstreichen das alles nochmal 
+ kommt der Realität bzw. entscheidenden Momenten glaube ich erstaunlich nah 
+ macht Lust sich mehr mit den Fällen zu beschäftigen
+ bleibt nicht länger, als sie muss; keine Füller-Episoden; Folgen auch nicht zu lang 
+ malt nicht nur schwarz oder weiß
+ der kleine, feine Unterschied zwischen Schein und Sein, Talent und Terror, Können und Wollen

OUT
— nicht ganz so prägnant und auf den Punkt wie die vorangegangene OJ-Staffel
— Finale hätte man sich etwas spektakulärer vorgestellt 
— viele Figuren - nicht für alle genug Zeit 
— muss man Mitleid mit einem mehrfachen Mörder haben/erzeugen?! 
— mit Sicherheit doch einiges ausgedacht oder passend gestreckt, gerafft, ausgemalt (geht kaum anders)
— ich hätte gerne mehr von Versace bzw. aus seinem Modeimperium gesehen

Fazit: was für eine fantastische, stylische, doppelte & dreifache Charakterstudie! Vielleicht nicht ganz so catchy wie Staffel 1, nicht ganz so laut und medienwirksam - aber verdammt gruselig, verstörend menschlich, sehr amerikanisch, sensationell gespielt und zugleich erschreckend universell, einen größeren Bogen spannend! Sehr gelungen und unterschätzt. (8/10)

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