Review

Mitte der Neunziger entstand Ritter Rost, der sich rasch als Kinderheld in Büchern, TV und Hörspielen etablierte. 2013 kam der erste Kinofilm heraus, drei Jahre später vorliegender, der mit einer ungewöhnlich politischen Brisanz daherkommt.

Schrottland ist pleite, der König muss seine Ritter entlassen, woraufhin Rösti (Christoph Maria Herbst) in die Fußstapfen seines Vaters tritt und Erfindungen entwickelt, die er an die Polizei vertickt. Dumm nur, das es immer mehr Polizisten gibt, die schon bald ganz Schrottland unterdrücken…

Es fällt gleich auf, dass die Animation, für die sich hauptsächlich chinesische Köpfe auszeichnen, äußerst unterschiedlich angelegt ist. Die Landschaften in Schrottland sehen klobig und ungelenk aus, speziell die Bäume wirken wie Plastik und auch am Himmel tut sich nicht viel. Richtig gut sind hingegen viele Details am Rande ausgefallen, wie etwa eine Gondelbahn, ein ehemaliges Passagierschiff als Knast oder eine Western-Spielhalle, die unweigerlich an „From Dusk till Dawn“ erinnert.

Figurentechnisch ist die Geschichte nicht sonderlich stark und bleibt eher oberflächlich, da die meisten Nebenfiguren vernachlässigt werden, der Titelgebende oftmals nur als Stichwortgeber fungiert und die eigentlich Heldin Burgfräulein Bö zu wenig Präsenz erhält. Niedlich ist allerdings ein Geist, der als Forschungsassistent ein paar flotte Sprüche bringt und zum Leben erweckte Gegenstände wie ein Teeservice, Werkzeuge oder Golfutensilien.

Derweil wird die Geschichte flott und ohne großes Drumherum auf den Punkt gebracht. Die jüngeren Zuschauer dürften rasch erkennen, dass die Polizisten die Bösen sind, nur die Komplexität des Ganzen dürfte sie definitiv überfordern, zumal Aspekte wie Staatsverschuldung, Finanzkrise und dumme Verhaltensweisen aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht gerade kindgerecht sind.

Die Sprecher sind durch die Bank gut und überzeugen mit ordentlicher Betonung. Herbst offenbart einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit, Tom Gerhardt ist für einen Doppelkopfdrachen zuständig und Dustin Semmelrogge gleicht sich seinem Vater stimmlich immer deutlicher an. Die wenigen Gesangseinlagen nerven zumindest nicht, während der Score ansonsten sehr gut abgestimmt ist.

Trotz politisch brisanter Themen bleibt das Unterfangen harmlos, das Abenteuer dürfte die Jüngeren definitiv bei Laune halten, obgleich die finale Schlacht in hohen Lüften einige Male ein wenig unübersichtlich gerät. Animationstechnisch sind einige drollige Details zu entdecken, wodurch der Stoff auch für Erwachsene nicht langweilig ausfällt.
6,5 von 10

Details
Ähnliche Filme