Review

Staffel 1

Prairie Johnson (Brit Marling) taucht nach sieben Jahren des Verschwindens wieder unversehrt auf – mehr noch: sie, die zuvor blind war, kann nun wieder sehen. Ihr Auftauchen ist einerseits ein Wunder, andererseits ein verstörender Vorfall, denn sie hat offensichtlich Traumatisches erlebt. Sie hat bizarre Muster auf ihrem Rücken, verabscheut Berührungen und befreundet sich mit 5 höchst unterschiedlichen Personen aus ihrer Nachbarschaft. Diesen 5 Leuten erzählt sie in Rückblicken immer mehr von den Geschehnissen ihrer Gefangenschaft und von den Jahren davor (diese sind später auch entscheidend). Diese Entführung ging weder um Geld oder Tortur noch um sexuelle Dinge… es ging um etwas ganz Anderes…

Ich mag keine Spoiler in Rezensionen, daher verkneife ich mir hier weitere … oder Andeutungen und sage nur so viel: Brit Marling und Zal Batmanglij haben eine wirklich, nun ja, außergewöhnliche Serie (8 Teile auf Netflix) kreiert, die den Zuschauer wirklich herausfordert. Mich haben sie gewis-sermaßen positiv herausgefordert und auf eine Reise in Grenzbereiche der menschlichen Existenz mitgenommen, die mich gefesselt hat. Es geht um Entscheidungen, Liebe, Tod, Nahtod, Wissenschaft, Gefühle, Herausforderungen. Es wird das ganz große Rad gedreht – nicht immer schlüssig, aber dennoch einen Sog entwickelnd, der mich über manche Drehbuchschwäche hinwegschauen ließ.

Nur zur Vorwarnung: Leute, die sich über mangelnden Realismus in Genrefilmen echauffieren („Das war jetzt aber unrealistisch, dass der jetzt nicht das und das bemerkt hat“ oder so ähnlich), sollten einen großen Bogen um „The O.A.“ machen, denn manches Mal hapert es mit der „Logik“ ziemlich. Wer allerdings die bisherigen Kollaborationen von Brit Marling und Zal Batmanglij mochte („I Origins“ oder „The Sound of my Voice“) wird diese Serie genießen können. Ich bewundere zudem Netflix’s Mut, eine so ungewöhnliche, inhaltlich wie äußerlich, Serie zu ermöglichen.

Einige Szenen waren unfassbar spannend, andere wiederum irritierend (nur so viel: Pina Bausch trifft Tribaldance), so dass mich „The O.A.“ in manchen Sequenzen wirklich ratlos, aber fasziniert hinterließ. Auf alles konnte ich mir am Ende keinen Reim machen, aber das hat mich nicht weiter gestört – es bietet viel Raum für Interpretation und ist dahingehend wirklich erfrischend anders.

Noch kurz zu den Schauspielern: fast alle wirklich überzeugend, bis auf (mitunter) Brit Marling. Ich sehe sie unglaublich gerne (und finde sie sehr attraktiv), aber in manchen Szenen, als sie die blinde Prairie spielt, wirkte sie auf mich ein bisschen übertrieben und verkrampft in ihrem Gestus, eine Blinde zu spielen.

Dennoch: coole Sache. (7,5/10)

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