T e i l 1 - 8,5/10
T e i l 1
Die originellste Serie, die Netflix je abgesetzt hat
Während sich „Strangers Things“ zu Netflix' goldenem Kind entwickelte, kam „The OA“ nie über (sich noch immer ausbauenden!) Kultstatus hinaus. Das reichte dem Streaminggiganten nach der zweiten Staffel/dem zweiten Teil der Serie letztes Jahr nicht mehr - und er zog frühzeitig den Stecker. Was natürlich zuerst zu einer Schockstarre und dann zu wilden Protesten der Anhänger führte. Vergebens, Netflix ist in solchen Beziehungen noch nie eingeknickt und wird sicher auch nicht allzu schnell einen Präzedenzfall schaffen. Selbst bei einem solch besonderen Schmankerl und einer Ausnahmeserie wie „The OA“. Als Gründe kann man u.a. hohe Produktionskosten und einen sehr nischigen, nicht leicht zugänglichen Ansatz nennen.
Aber ist dieser Verlust wirklich schlimm? Hätte sich ein dritter Part zu „The OA“ gelohnt? Und warum hat es so lange gedauert, bis die schwer kategorisierbare Mysteryserie seine Zielgruppe einigermaßen finden konnte?
Handlung: eine blinde junge Frau taucht nach sieben Jahre Abwesenheit wieder auf - und kann nicht nur sehen und ist am Rücken mit Narben übersät, sondern scheint auch allgemein verändert zu sein und eine ungeheure Faszination auf einige Leute um sie herum auszulösen...
ENGEL
+ für mich sehr interessant und neugierweckend
+ tolle, aufopferungsvolle Hauptdarstellerin
+ genug frische Gesichter
+ ungewöhnliche Schwankungen in den Episodenlängen
+ vollkommen unausrechenbar und trotz bekannter Ansätze mit nichts zu vergleichen
+ esoterisch und fundamental
+ macht keine halben Sachen/geht All In
+ unendliche Möglichkeiten und offene Fragen/Wege für Teil 2
+ hypnotischer Stil und Sound
+ aufsehenerregende Technik/eigener Look
+ Themen wie Tod, Glaube, Reinkarnation, Zusammenhalt und Vergebung könnten kaum größer sein
+ berauschende Traumsequenzen
+ einzigartige Vision
+ Transgender gut dargestellt/unauffällig eingebunden
+ regt zum Denken an
+ schockierende letzte Minuten
+ viele kleine Details und Vorausdeutungen
+ hat Kult in jeder Pore stehen
+ Figuren alles andere als Klischees
+ verbindet gekonnt etliche Genres
+ um Längen besser als vieles, was von Netflix regelmäßig verlängert wird
+ künstlerisch in jedem Fall wertvoll
+ Nährboden für unendlich Theorien
HOCHSTAPLERIN
— kann manchmal etwas prätentiös wirken; nicht für alle zugänglich
— kein typisches Bingematerial; macht nur bedingt süchtig
— sehr schwere, religiöse und tiefgreifende Themen
— mehr Fragen als Antworten („Lost“-Gefühl)
— für manche vielleicht zu verschwurbelt und zu langsam aufgebaut
— manchmal etwas unfreiwillig komisch („Tanz“)
— könnte sich verrennen und zu hoch zielen
— Realisten oder gar Pessimisten haben es hier schwer
— einige Ansätze kommen einem doch bekannt vor
Fazit: ein bekannter Vulkanier würde sagen: faszinierend! „The OA“ ist ein Phänomen und für geneigte Mysteryfans nahe an einem Streamingmeilenstein. Und höllisch mutig obendrauf. Originell und unvorhersehbar, kreativ und grenzenübergreifend. Von kitschig bis lebensverändernd kann alles dabei sein. Mehr solcher Querschläger! (8,5/10)