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Regisseur Xavier Gens feierte sein gelungenes Debüt „Frontier(s)“, als die „neue französische Härte“ bereits nicht mehr so neu war und lieferte anschließend mit „The Divide“ ein beklemmend gutes Kammerspiel ab. Dass er nun auf den Exorzismuszug aufspringt ist verwunderlich, mangelnde Innovationen innerhalb der Geschichte sind es eher nicht.

2004: Journalistin Nicole (Sophie Cookson) arbeitet an einem Fall in Rumänien, bei dem ein Priester inhaftiert wurde, nachdem eine Dämonenaustreibung an einer Nonne tödlich endete.
Bei Erkundigungen im Unfeld der Verstorbenen stößt sie auf Widersprüche, doch dann hört Nicole von dem Phänomen der Übertragung eines Dämonen auf Ungläubige…

Natürlich wiederholen sich die Muster typischer Exorzistenfilme, denn was sollen Besessene schon anderes machen als mit schwarzen Klüsen in fremdartiger tiefer Sprache zu fluchen, sich den Körper verrenken und per Telepathie Einrichtungsgegenstände zu verrücken, - vielleicht in Verkleidung eines Teletubbies Würstchen verkaufen? Dann bräuchten sie eher einen Psychiater als einen Priester, von denen hier auch einige rumlaufen. Natürlich mit wuschligem Vollbart, denn in Rumänien trägt man das so.

Die Kulisse des einsam gelegenen Dorfes schafft recht bald eine urige Atmosphäre, hinzu gesellt sich ein altes Kloster und einige schräge Einheimische, wie ein stummer Bauernjunge, der auf einer Mauer Vogelgestalten macht oder unheimliche Figuren während eines rumänischen Totenfestes. Da fühlt sich die junge Journalistin zeitweise wie ein Fremdkörper an, zumal sie oftmals nicht gerade professionell vorgeht, zuweilen voreingenommen erscheint und innerhalb der Ermittlungen merkwürdige Prioritäten setzt. Hinzu kommt, dass man Cookson die Rolle nur schwer abnimmt, zumal sie zu wenig Präsenz für so eine Hauptrolle mitbringt.

Dennoch gelingen Gens einige effektive Jump Scares, die soundtechnisch meistens mit der Brechstange untermalt werden. Hier und da gibt es böse Vorahnungen wie Fliegen im Weinglas oder angedeutete feuchte Träume, doch trotz Legens falscher Fährten zeichnet sich der Verlauf früh ab. Der Showdown enttäuscht ebenfalls, da er deutlich zu kurz ausfällt und kaum Schauwerte liefert, wobei sich Dauerregen grundlegend für die eine oder andere visuelle Spielerei eignet.

Am Ende der Tage und Nächte in Rumänien bringen eine Handvoll eleganter Szenenübergänge nicht viel, wenn sich in Sachen Dämonen, Besessenheit und Austreibung kaum Spannung ergibt, während gelungene Aufnahmen alter Bauten und kaum bewohnter Landschaften nicht gegen das dröge Skript ankommen, dem zu wenige Überraschungen und noch weniger Twists entspringen. Hinsichtlich einer harmlosen und unblutigen FSk16 sollte Gens vielleicht doch wieder auf die alte neue französische Härte setzen…
4 von 10

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