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Totgeburt mit Ansage. Eine mit vier Jahren verspätete Fortsetzung eines damals mit etwa 22 Mio. USD Einspiel schon wenig erfolgreichen und zu guter Letzt auch noch schlecht besprochenen bzw. oftmals darüber lächerlich gemachten Filmes, der keinerlei Erwartungen in das Sequel erhob und wo man trotz damaliger Ankündigungen auf weiteres Prozedere in der Post Credit Sequenz als Zuschauer auch gar nicht so sicher war, ob diese 'Androhung' nun irgendwann den Giftschrank verlässt oder nicht.

Dabei hat ursprünglich alles so gut angefangen, wurde die 2013 verzeichnete Proklamation eines Remakes vom bestätigten Klassiker The Iceman Cometh (1989) durchaus positiv aufgenommen, bot das Original und auch die Prämisse doch ein buntes Konglomerat aus Science fiction und Fantasy, aus Action und Abenteuer und Komödie, zusätzlich mit dem asiatischen Superstar Donnie Yen in der Hauptrolle und dies als Ablösung von Yuen Biao auch zünftig besetzt und insgesamt mit Erwartungen belegt. Das Endergebnis, eine wilde, nicht immer unterhaltsame Mixtur aus viel mäßigen Klamauk und wenig Martial Arts mit dem 'Zuckerguss' noch von so allerlei Spezialeffekten hat allerdings wenig Fürsprecher; der nunmehrige Nachzügler konnte trotz der Wartezeit die Erinnerungen an das Debakel nicht auslöschen und kommt zudem zu einer Phase, in der es in China um die Kommerzkraft der einstmals zugkräftigen Fantasy sowieso bescheiden steht. [Jetziges Einspiel liegt bei etwa 5 Mio. USD, bei kolportierten Kosten von 25 Mio. USD je Teil.]

Dass im Nachhinein bzw. während des desaströsen Kinostarts schon öffentlich ausgetragener Zoff zwischen den Produzenten und ihrem Hauptdarsteller hinzu kam, macht die Aufregung nicht besser; schlechte Werbung ist und bleibt hier schlechte Werbung, so dass das (hinter den Kulissen wahrscheinlich wesentlich interessantere und feurige) Werk insgesamt sang- und klanglos unterging:

Der ursprünglich wegen Landesverrates im Eis eingefrorene, später in der heutigen Gegenwart erwachte Kaiserliche Leibwächter He Ying [ Donnie Yen ] aus der Ming-Dynastie hat sich mit seinen früheren Freunden und ehemaligen Mitstreitern Yuan Long [ Simon Yam ], Sa Ao [ Wang Baoqiang ] und Nie Hu [ Yu Kang ] im jetzigen Hong Kong eine erbitterte Schlacht geliefert, in der auch schnell die Polizei hinein gezogen wurde. Das einzige Ziel von He Ying, der nunmehr von einer Zeitreisemaschine und den tatsächlichen Begebenheiten erfahren hat ist, in die Vergangenheit zurückzukehren und dort die abgelaufenen Ereignisse, in denen u.a. auch sein Heimatdorf komplett ausgelöscht wurde, wieder zu korrigieren. Allerdings reisen seine Erzfeinde ebenfalls mit, haben bereits japanische Piraten vor der Küste unter Führung von Bei Tiao [ Yasuaki Kurata ] sowie den angehenden Emporkömmling Jiu Qian-Sui [ Chen Kuan-tai ] direkt an der Seite des jugendlichen Kaisers und bereit zur Machtübernahme stationiert und auch He Yings jetzige Freundin Xiao Mei [ Eva Huang ] als Geisel genommen.

Zum besseren Verständnis nach all der vergangenen Zeit und/oder zum Einfangen der Zuschauer, die den ersten Teil nicht gesehen haben und auch nicht die Absicht haben, dies eventuell nachzuholen wird hier in den ersten 10 der insgesamt 87min (inklusive 5minütigen Abspann) eine längere Rückblende geschaltet; welche sowohl aus einer Zusammenfassung des dortigen Geschehens besteht als auch (zum größten Teil) aus einem noch davor geschalteten Vorspann, der neue Kenntnisse hin- und der dortigen Prämisse noch einmal deutlich mehr Information beifügt. Dafür werden auch einige größere Bilder mit durchaus Aufwand genutzt; angesichts des bescheidenen Abschneidens schon des ersten Filmes und der allgemeinen Negativpresse darf man nicht vergessen, dass es sich ursprünglich um ein Prestigeprojekt mit einem mit Donnie Yen weltweit bekannten Star gehandelt hat und der zweite Hauptdarsteller Wang Biaoqiang (normalerweise) auch ein Kassengarant in China und mit Detective Chinatown 2 erst kürzlich in der Top 5 der erfolgreichsten chinesischen Filme aller Zeiten gelandet ist. Big Budget also, dass auf riesigen Kundenfang gehen sollte und entsprechend voluminös gehalten ist.

Dass damit nicht automatisch Qualität gleichzusetzen ist und das der erste Eindruck täuschen kann, sieht man spätestens in der ersten Zeitreiseepisode, die eventuell in einer (mäßigen Sechziger Jahre) Fernsehserie à la Time Tunnel (mit seinen sich oftmals repetierenden Stock footage Dramaturgien) ganz gut aufgehoben wäre, ansonsten allerdings nicht. Der Time Traveller landet aus Versehen im Jahr 1927, dem 16ten Jahr der Republik, wo man zufällig den japanischen Rüpeln mit einigen Faustschlägen den Mores lernt und sie (durch die Offenlegung des Tanaka Memorials) noch weitere zehn Jahren vor einer Invasion und der versuchten Eroberung der Welt abhält. Politisches Ansinnen des sowieso nicht ernstzunehmenden Filmes hin oder her (zuvor hat man schon ein Foto von Mao gegenüber salutiert), aber die Szene in einem durch das Land rauschenden (CGI)Zug ist hanebüchen gedreht und noch nicht einmal durch richtige Kung Fu Aktion als letzte Ehrenrettung involviert.

Überhaupt strömt das Drehbuch und die Regie (durch Raymond Yip statt zuvor Law Wing-cheong) mit einer schlafwandlerischen Sicherheit an jeder Konfrontation (und entsprechend auch an den meisten Actionszenen) vorbei, um tatsächlich wegzublenden, um andere Dinge zu erzählen, die einen nicht interessieren und die Handlung nicht voranbringen; theoretisch entwickelt man mit dem Heimatdorf von He Ying einen idealen Kontrapunkt zum zukünftigen Geschehen – dort Reisemöglichkeiten überall und jederzeit, viele Völker und Kulturen, technischer Fortschritt, hier eine bessere Isolation zwischen mehreren Felsformationen gehauen, mit nur Leuten, die dort geboren und aufgewachsen sind und eben der 'primitiven' Kultur der Ming-Dynastie – und weiß schon von der Einleitung an von der Bedrohung dieser speziellen Art familiärer Idylle, kommt aber auf das Ereignis selber erst im letzten Drittel der eigentlichen Handlung und so kurz vor Ladenschluss hin. Alles andere ist Vorgeplänkel, und kein besonders gutes, und angesichts des Endes auch keines mit besonderen Sinn.

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