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Aus dem Rahmen der üblichen Illustrationskunst herausfallend gestaltet My Hero sein sonst übliches Terrain von Mord und Totschlag mit dem naiven Unterton von humoristischer Leichtigkeit und seichter Gesandtschaft. Dort, wo sich im Treiben der Unterwelt die Gangster mit zwei schussbereiten Waffen im Anschlag duellieren und die Konflikte davor meist in heimtückischer Hinterhand geplant und geschmiedet werden, ist ein kaspernder Stephen Chow als Strukturgegensatz so fehl am Platze wie die Verharmlosung und Romantisierung des gewalttätigen Reigens. Wo die Anwesenheit von Chow als sympathischer Tunichtgut normalerweise der standardisierten Handlung eine beträchtliche Haltungsänderung unterschiebt, die den Nachdruck in im Höchstfall harmonische Waghalsigkeiten umwandelt, wird die hiesig abgebrühte Ehrensache gerade durch das phasenweise auftretende Allotria noch mehr zum kaltblütigen Aufprall formiert.

Jetzt, im rückwirkenden Nachhinein sind die ersten Auftritte des späteren King of Comedy, der seine jahrelang ärgsten Box Office Konkurrenten Jet Li, Chow Yun-Fat und Jackie Chan mittlerweile eindeutig in der Gunst des zahlenden Publikums abgehängt hat, am Interessantesten gerade wegen ihrer noch unbeseelt erscheinenden Machart. Chow hat vor und auch noch während seinem Durchbruch 1990 in mehreren Rollen entsprechender Werke agiert, die sich entweder noch nicht seiner zuhauf folgenden Charakterisierung als charismatischer Arlecchino versteifen, oder das Milieu beileibe nicht so hallodrienhaft zeichnen. Noch ließ er sich herumkommandieren, als Jungspund durch Copthriller scheuchen und jagen, übernahm die auf Befehl und Forderung gegebene sidekick - Situation und passte sich den Wünschen der unterschiedlichen, zum Großteil sein eigentliches Talent noch nicht erkennenden und sonst auch eher mäßig begabten Regisseure an.

Im Grunde noch ein Routineauftrag wie jeder andere damals auch, zeichnet sich die vorliegende Arbeit nur durch seine Anwesenheit und dem damit verbundenen Artistenwirbel von seinen grundweg auf Ernst angelegten Triaden - Artgenossen ab; hier wird, wohl mehr auf unfreiwilliger Basis, die Widersprüchlichkeit in der filmischen Praxis der zur Hochphase regelrechten Schwemme von Heroic Bloodsheds beschrieben. Die Neigung, im Erinnerungsbuch auf der einen Seite Loyalität, Ethik, ja die Rechtschaffenheit im stetigen Machtkampf befindlicher Verbrecher zu rühmen und auf der anderen die Konflikte in der Darstellung zugunsten von Pathos, Passion und Affekt zu glätten, Probleme auszusparen, Prozesse der Realität in comiceske Abstraktion und dekorativ zelebrierte Blutschwaden aufzulösen.
Nicht umsonst fängt auch My Hero mit der Idealisierung in Heftchenform an, mit dem bewundernden Blick eines Normalbürgers auf den im Anzug so schick ausschauenden und gleichzeitig so behend durch die Luft segelnden Scharfschützen, der lyrisch verklärt seinen eigenen Bildstreifen in der Ruhmeshalle der Glorifizierung hinterlegen darf:

Der als Kellner arbeitende Sing [ Stephen Chow ] bekommt nach der Warnung vor einem Attentat auf Mr. Wai [ Peter Yang Kwan ] von diesem eine Visitenkarte als Einladung zugesteckt, die er nach der darauf folgenden Bedrängnis durch dessen Erzfeind Hung Yi [ Leung Kar-Yan ] auch schnell einlöst. Zusammen mit Wais bestem Mann Chun [ Wilson Lam ] und dem erst grimmigen, aber dann umso aufgeschlossenen Bill Chu [ Shing Fui-On ] bildet Sing schnell ein scheinbar krisensicheres Triumvirat, dass nicht nur eine tiefe Freundschaft sich und der Sängerin Ann [ Ann Bridgewater ] gegenüber eingeht, sondern im Herzen verbunden selbst eine extrem gefährliche Thailandmission beim dortigen Drogenhändler Baichai [ Joh Chung-Sing ] mit einigen Blessuren übersteht. Allerdings wird den Dreien gerade das Rauschgiftgeschäft und die Problematik mit den vietnamesischen Abnehmern [ Lung Ming-Yan & Yuen Wo-Ping ] sowie der stetige Erfolg zum Verhängnis. Mr. Wai würde gerne seinen schwächlichen Sohn Ming [ Tung Chi ] als Nachfolger sehen, und kann zu beliebte innere Konkurrenz nicht brauchen. Er entsendet einen mi|san|thro|pischen Killerzwerg mit eindeutigen Auftrag.

Wichtig im hier verhandelten Zusammenhang zweckrationaler Gefühlswerte sind dabei weniger die sporadisch auftauchenden Witze, die natürlich nur von Seiten Chows kommen und meist auch prompt auf dessen Kosten gehen, vielzählige Hampeleien, die eine fiktive motorische Ungeschicklichkeit des physisch ja nun überhaupt nicht unbegabten Darstellers ebenso vortäuschen wie eine allgemeine Tendenz zur Scheuklappen - Apotheose. Sing geht nahezu unbekümmert an das Gefilde von Mordaufträgen, Dealerei, pistolengespickten Auseinandersetzungen heran und freut sich nach ersten bestandenen Bewährungsproben als Helferlein auch hoheitsvoll über seine eigens überreichte Schusswaffe; was in geschickteren Händen eventuell eine scharfe Abhandlung über Ursprung und Fortgang der Satire geworden wäre, hierbei aber nur in einer Szene angedeutet wird, in der ein Triadenhäuptling zur Wahrung seiner Lebens- und Überlebenschancen mit umgeschnallten Schulterhalfter und Bleispritze gar in die Sauna geht.
Chow selber reift im Sinne seines Naturell auch hier in genau diese Fähigkeiten verlangenden Mitwelt nie richtig zum Mannsbild heran und bleibt ohne wirklich aktives Zutun auch immer eine Einfügung von Fremdtext. Weder wird Ihm eine romanzenhafte oder zumindest über burschikose Alberei hinausgehende Beziehung mit Ann noch ein eigentlich gattungskonformer Showdown zugestanden; die Geschichte gewährt Ihm zu ENDE nur eine Binsenweisheit in Beschwichtigungsphrase, auf die jeder mit Köpfchen schon von Beginn weg gekommen wäre.

Wenn man die gewisse angenehme Nostalgiebonifikation, den ansonsten gar nicht so souverän gehandhabten Schabernack und den anscheinend für die lokale Sprachgemeinschaft begrenzten Wortwitz außen vorlässt, was bei den beiden Letzteren angesichts ihres zu autoritären Ambientes von dünkelhafter Blasiertheit und rapider Machtfehde so schwer nicht fällt, bemerkt man neben der besserwisserischen Relativierung nur noch eine zweite Tragende Säule der Produktion. Die der weit verbreiteten Gemeinsamkeitsempfindung mit den Artgenossen um A Better Tomorrow und Co, in der Klischees auf dem Silbertablett serviert, eine pompöse Fassade behauptet und das rohe Volk in Pelz, Klunker und Rolls Royce staffiert wird. Die Ähnlichkeiten im Argumentationsstil und Schreibgestus als Garantie der überkommenen Wesensart weisen sämtliche anderen Figuren, deren Rückbesinnung auf Vergangenes samt dem Selbstzweck gegenwärtigen Geschehens wie auch bei den von den Massen aufgewerteten Rivalen auf.

Als kennzeichnende Folge dessen wird diskutiert und debattiert, geprügelt und gefoltert, der Gewaltgrad mit Verbrennen bei lebendigen Leibe, einem per Genickschuss tätigen Liquidationskommando, einer Köpfung gleichfalls hochgetrieben wie die eigenständige Aussagekraft von kinetischen Shootouts, bei denen die Anzugträger und ihre namenlosen Schergen gleich reihenweise in das Jenseits pulverisiert werden; ohne Ansätze oder gar Versuche von dann dort auch als unpassend, da als radikalster Gegensatz zu vermerkender nonsense comedy wohlgemerkt.

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