Den klassischen Film noir in die Gegenwart zu übertragen, kann durchaus gelingen, hat jüngst erst „Brick“ bewiesen, wenn auch unter etwas anderen Umständen.
Hier ist die Vorlage, eine Kurzgeschichte, schon ein paar Jahrzehnte älter und stammt aus der Feder von Dashiell Hammett, der auch das Script zu „Die Spur des Falken“ lieferte.
Schwarz-Weiß-Bilder und Humphrey Bogart hätten der Story auch weitaus besser getan, als Sam Jackson in einem eher belanglosen Krimi über einen Bankraub.
Jackson spielt hier den zuckerkranken Cop, der eigentlich zum Cellospielen auf ein Musikfestival verreisen wollte, auf Bitten der Nachbarin aber ihre Tochter in der Turk Street sucht. Dabei landet er über Umwege in einer Villa, in der sich eine Gangstergruppe auf ihren Coup vorbereitet und dabei bestimmt keinen Cop beteiligt.
Also wird Cop Friar auf einen Stuhl gefesselt und dort bleibt er dann auch bis fast zum Ende.
In Zwischenschnitten erfährt man, wie der Bankraub abläuft, wie sich die Gangster untereinander auszuspielen versuchen und ganz klassisch, im Sinne der schwarzen Serie, beeinflusst die Femme Fatale Erin (Milla Jovovich) sämtliche Typen, um am Ende das ganz große Los zu ziehen.
Sonderlich einfallsreich ist das leider nicht.
Das mag zum einen daran liegen, eine Kurzgeschichte auf volle Spielfilmlänge zu dehnen, zum anderen, keine sonderlich cleveren Eigenheiten, - storytechnisch, sowie visuell - einzuflechten.
Ein recht biederer Krimi ohne Überraschungen, der vielleicht in den 40ern noch innovativ wirkte, hier aber nur die alten Zutaten nebst Figuren in die Jetztzeit verfrachtet.
Wir haben den Kopf der Gangster, Tyrone, der alles kontrolliert und scheinbar nie die Übersicht verliert, Erin als sein Eigentum ansieht und ihr auch schon mal einen Zeh abtrennt, wenn sie nicht spurt. Dann gibt es noch den Heißsporn Hoob, der seine Aggressionen nicht unter Kontrolle hat, das Rentnerpaar Quarre, das sich nach diesem Coup endlich zur Ruhe setzen wollen und den Verbindungsmann in der Bank, der im Verlauf nicht wirklich wichtig ist.
Mehr Beachtung liegt auf dem Zusammenspiel zwischen Cop Friar und Erin, die während des Coups über den Gefesselten in der Villa wachen soll.
Friar erleidet einen Zuckerschock, Erin fährt hastig zu seiner Wohnung, um Insulin zu beschaffen und bringt auch gleich sein Cello mit(!).
Da Erin früher Klavierspiel gelernt hat, zwingt sie Friar unter Waffengewalt zum Duett, sie kommen sich näher, aber außer einer Berührung geschieht nichts.
In der Zwischenzeit hätte Friar die Frau locker überwältigen können, aber er hat offenbar so seine Prinzipien, - die für den Zuschauer nicht so ganz nachvollziehbar sind und landet wieder gefesselt auf dem Stuhl.
Keine Gegenwehr, kaum psychologische Beeinflussung, er lässt es einfach wortlos über sich ergehen.
Hier wird besonders deutlich, wo der klassische Film noir gepackt hätte, den Zuschauer aber im modernen Gewand und ohne visuelle Raffinesse, fast kalt lässt.
Hinzu kommt, dass Jackson und Jovovich nicht sonderlich gut miteinander harmonieren, es entsteht kein erotisches Kribbeln, keine Nähe zu den Charakteren.
Lange Zeit ein Kammerspiel, ohne dabei in die Tiefe zu gehen.
Die Zwischenschnitte vom Bankraub bringen indes etwas Abwechslung ins Spiel, auch wenn es hier an einer cleveren Umsetzung mangelt. Die Typen gehen einfach in die Bank, der Aggressive legt die Elektronik lahm und der Kopf der Bande, als Blinder getarnt, übernimmt die Dialogregie, der Kontaktmann erledigt seine Aufgabe und von spannenden Momenten ist man recht weit entfernt.
Danach erfolgt das Intrigenspiel Erins, ein paar Leute müssen per Zufall oder ganz bewusst das Zeitliche segnen und am Ende gibt es den Versuch einer Fahrt über die Grenze nach Kanada, - unspektakulär und mit wenig Action versehen.
Nein, sonderlich einfallsreich ist „No good deed“ dem Titel gemäß schon nicht, auch wenn ich mich nie wirklich gelangweilt habe.
Das liegt womöglich an einigen Darstellern, die zumindest größtenteils überzeugen.
Jackson sitzt die meiste Zeit zwar nur rum und guckt hilflos, aber so primitiv es klingt, ich mag ihn und seine deutsche Stimme, dadurch dennoch ein Pluspunkt.
Stellan Skarsgard ist als Gangsterboss durchaus überzeugend, bringt genügend Arroganz und diabolische Selbsteinschätzung mit, um glaubhaft, aber nicht überzeichnet zu wirken.
Milla zeigt zwar in Minute 54 ihren Jovo-Popo, wirkt aber weitaus weniger lasziv, als es die Figur von ihr verlangt hätte, sie spielt deshalb aber nicht schlecht, sondern einfach nur brauchbar. Die übrigen Akteure, vor allem die Seniorengangster, zeigen durchaus Spielfreude.
Was soll man nun von einer altbackenen Krimihandlung im modernen Gewand halten?
Das Geschehen langweilt zu keiner Zeit, die Darsteller sagen zu und sie interagieren auch.
Aber fesseln tut´s nicht, das Erzähltempo ist zu niedrig und die emotionalen, sowie storytechnisch intelligenten Momente beschränken sich auf ein Minimum.
Der Film geht so an einem vorbei, er stört nie, bewegt aber auch nicht.
Ganz knapper Durchschnitt,
5 von 10