Review

"Desperado" aus dem Jahre 1995 ist Robert Rodriguez' mit Hollywood - Millionen entsprechend hochgepumptes eigenes Remake ( Spin-Off? Quasi-Sequel? ) seines vielbeachteten Low - Budget - Erstlingswerks "El Mariachi".

Der Regisseur von "From Dusk Till Dawn" entfesselt hier ein ironisch - schwarzhumoriges, zynisches und zum Teil sehr hartes Konglomerat aus Actionspektakel und Wildwest - Feuerwerk, das selbst nicht wirklich ernst genommen werden will, sondern eher einen comichaften Charakter ( nicht ohne Charme! ) entwickelt.

Prinzipiell haben wir eine eher untergeordnete ( und auch hier wirklich nicht wichtige ) Grob - Storyline um den Rachefeldzugs eines zum "Desperado" gewordenen "Mariachi", also mexikanischen Gitarrenspielers.

Mit einem hin und wieder etwas überzogen spielenden, aber insgesamt passend besetzten Antonio Banderas ( "Der 13. Krieger" ) in der Hauptrolle und einem weiteren erstaunlich gut aufgelegten und agierenden Cast ( u.a. Joaquin De Almeida, Salma Hayek, Danny Trejo, Quentin Tarantino [ in einer netten, aber nicht bahnbrechenden Nebenrolle ] und nicht zu vergessen: Independant - Star Steve Buscemi ) zelebriert Rodriguez mit Anleihen aus dem Flair des Italo - Western - Genres "Desperado" als bissiges, teilweise toll choreographiertes Action - Kino voller Shoot - Outs mit entsprechendem Härtegrad, einer Menge Blut / Einschüssen und viel Zeitlupe ( John Woo - inspiriert, so das wohl ehrliche Bekenntnis des Regisseurs selbst ) und Explosionen; hier kann zwar kaum etwas ernst genommen werden, so übertrieben wird manches inszeniert, aber der bewußt comichaft - groteske Streifen erhebt auch keinen Realismus - Anspruch. Stattdessen präsentiert er das Geballer in stilistisch ausgereifter Reinkultur und läßt die Story nicht selten als Farce einer Selbstjustiz - Story auftreten.

Zu bemängeln wäre neben einigen deplaziert und aufgesetzt wirkenden Romanzen- und Reue - Elementen v.a. die Tatsache, dass die Shoot - Outs ansich leider qualitativ vom Anfang bis zum Ende her abnehmen. Im Vergleich zur virtuosen Anfangssequenz, die den Desperado "bei der Arbeit" zeigt und die Schießerei in einen, mit tollem Sound untermalten, grotesk - witzigen Erzähl - Auftritt von Steve Buscemi einbettet, verlieren die kommenden Actioneinlagen leider zusehends. Weiß das zweite Bar - Shootout noch zu begeistern, bleiben die Bibliotheks - Sequenz und leider auch der Showdown ( trotz des gelungenen Auftritts der zwei weiteren Mariachi - Freunde ) eher nette Ballerkost à la "Masse statt Klasse"; gerade Rodriguez' nett gedachte Konzeption des eigentlichen, nur im Ansatz gezeigten Endduells hätte hier etwas mehr erfordert.
Naja, alles in allem bleibt der Streifen aber wirklich überdurchschnittlich, keine Sorge!

Also, trotz einiger leichter Schwächen präsentiert sich "Desperado" als tolles, witziges, musikalisch gut untermaltes, stark inszeniertes und nicht allzu ernsthaftes Actionkino der oberen Klasse.
Für Leute, die mit einem eher Tarantino - artigen Stil allerdings eh nichts anfangen können, ist auch "Desperado" wie "From Dusk till Dawn" mit Vorsicht zu geniessen.

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