Fritz Kiersch (Kinder des Zorns, Tödlicher Charme) liefert mit "Stranger" ein professionel in Szene gesetztes B-Movie ab. Dürfte ohne Zweifel der Höhepunkt in seiner sehr mäßigen Filmographie sein. Genau das selbe gilt auch für Drehbuchautor Gregory Poirier (Harley Biker Town, Tomcats), der das Ganze gleichzeitig produzierte.
Das kleine Nest Lakeview liegt mitten in der Wüste Nevadas. Angel (Andrew Divoff) und seine Motorrad-Gang verbreiten dort Angst und Schrecken, auch Sheriff Gordon Cole (Eric Pierpoint) kann dagegen nichts machen. Doch nun kommt eine Fremde (Kathy Long) in die Stadt, welche beginnt mit Angels Mannen aufzuräumen. Ihre Motive bleiben im Dunkeln, doch sie will sich an Angel rächen, der gerade nicht in der Stadt ist. Aus Angst vor Angel versuchen das Blondchen Sally (Ginger Lynn Allen), Deputy Stowe (Ash Adams) und Bürgermeister Eliot Katz (Billy Maddox) die Fremde zu töten. Doch die weiss sich zu wehren und steht ihrem Todfeind bald gegenüber.
Das klingt alles nach einer 08/15 Story, doch "Stranger" überrascht in diesem Punkt. Die Fremde hat einen Grund sich an Angel zu rächen, wir sehen auch einige Rückblenden die auf eine eine Vergewaltigung schließen lassen. Oder ist sie etwas die totgeglaubte Freundin des Sheriffs, welche Angel beim FBI verpfeifen wollte ? Über das wahre Motiv macht Kiersch keine Angaben, so muss sich der Zuschauer seinen Teil selbst denken. Während man über die Fremde kaum etwas erfährt, so gibt es einige Charaktere, die wesentlich tiefgründiger behandelt werden. Der wäre Sheriff Cole, der nach dem Tod seiner Freundin zum Trinker geworden ist und die Stadt kaum noch im Griff hat. Er wird ständig von Sally umgarnt, die aber nicht immer gutes im Schilde führt. Dann hätten wir noch die kleine Cordet (Robin Lynn Heath), welche wie eine Obdachlose lebt und kein Wort mehr spricht, seit ihre Schwester, die Freundin von Cole, ermordet wurde. Und dann hätten wir Angel, das kampfsportbegeisterte Oberhaupt einer Motorrad-Gang, die sich mit Diebstählen und Diamantenschmuggel über Wasser halten.
Und auch über die Geschichte der Stadt erfahren wir mehr, wo so gut wie jeder Einwohner investiert hat. Doch das Ganze ging nach hinten los und nun ist man sogar von Angel und seiner Gang abhängig. Deswegen ist die Fremde überhaupt nicht willkommen, einige Anwohner verbünden sich sogar, um sie zu töten, nur aus Angst vor Angel. Diese ganzen Elemente vereinen sich zu seinem soliden Plot, der ein paar kleine Wendungen inne hat, aber auch einige Klischees bedient. Man nehme nur mal das Verhalten der Gang-Mitglieder. Kierschs Inszenierung ist eher gemächlich und "Stranger" vermag ein wenig an frühere Italowestern erinnern. Das kleine Kaff Lakeview liegt mitten in der Wüste, es ist heiß, staubig und auch die Bauten erinnern zum Teil an einen Western. Selbst der Score von Kevin Kiner ist an dieses Genre angelehnt, so hat "Stranger" eine einmalige Atmosphäre zu bieten.
Jedoch mangelt es "Stranger" an Actionszenen. Durststrecken kann Kiersch vermeiden und das Gegebene ist gut im Film verteilt, aber immer zu schnell wieder vorbei. Auch ist die Gang um Angel nicht sehr groß, so hat die Fremde nicht sonderlich viel zu tun. Doch wenn sie ihre Gegner ordentlich verprügelt und schließlich tötet, ist das sehr hochwertig und auch brutal in Szene gesetzt. Sehr graphische Einschüsse, Genickbrüche und auch ein Messer darf mal in einem Hals landen. Da Kathy Long (Bloodsport - The Red Canvas, Rage and Honor) selbst Kickboxing Champion war, sehen die kurzen Fights wirklich gut aus. Der Zweikampf gegen Angel ist ein wenig länger. Kathy Long ist alles andere als eine gute Darstellerin, dennoch überzeugt sie als kaltblütige Fremde. Eigentlich braucht sie nur halbnackt durch die Gegend zu laufen, mit zwei Gesichtsausdrücken zu jonglieren und ein paar Bad-Guys durch die Mangel zu drehen. Trotzdem war Long hier die richtige Wahl. Mit Andrew Divoff (Wishmaster, The Rage) als Fiesling kann man nichts falsch machen, Danny Trejo (Desperado, Con Air) ist als Gang-Mitglied Hawk zu sehen. Eric Pierpoint (Das Geheimnis von Green Lake, Manhunt) macht seine Sache als Sheriff wirklich sehr gut.
Das ganz große Plus von "Stranger" ist eindeutig die Kulisse nebst Score, desweiteren sieht er stets deutlich teurer aus, als er war. An der Story gibt es auch kaum etwas auszusetzen, eigentlich mangelt es nur an Action. Diese ist ordentlich im Film verteilt, aber immer zu kurz geraten und ziemlich brutal. Trotzdem ein Leckerbissen für B-Fans.