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Filme des Regisseurs Tinto Brass sind mit Sicherheit auch heute noch aussergewöhnlich. So ist das Interesse an seinen Filmen entweder durch die Hoffnung auf ein erotisches Vergnügen oder auf voyeuristische niedere Instinkte begründet. Welches Verlangen eher gestillt wird, ist jedesmal strittig und hängt wohl sehr vom persönlichen Geschmack ab.

Das ist im Falle von Senso '45 nicht anders. Zum einen besitzt der Film eine echte dramatische Story, die nachvollziebar und durchaus fesselnd umgesetzt wurde. Was nicht zuletzt an der tollen Mimik der Hauptdarstellerin liegt, die glaubwürdig verschiedene Stimmungen und Gewissenskonflikte darzustellen vermag. Dem Film wurde eine historische Kulisse mit atmosphärischer Musik von Ennio Morricone(!) spendiert. Die Bilder sind in komplizierten Kamerafahrten und Schnitten aufgenommen, alles ist technisch gut gemacht und man merkt, dass Tinto Brass im Prinzip ein handwerklich exzellenter Filmemacher ist.
Zum anderen ist das Werk ziemlich gewagt, auch für Brass' Verhältnisse. So viele Geschlechtsteile, zum Teil in deutlich gezeigten Aktionen, gab es in seinen Filmen bisher noch nicht. Szenen wie eine urinierende Frau oder der Blowjob der Hauptdarstellerin (vermutlich getrickst), lassen dann doch vermuten, dass der Film eher ein Machwerk, entsprungen aus den Fantasien eines alternden Lustmolchs darstellt.

Mein Fazit: Kunstvoller Schund. Allerdings wer sagt, dass der Film unbedingt mit kritischem Verstand betrachtet werden muss. Der Film macht durchaus Spass und könnte auch ohne deutliche Sexszenen auskommen. Man kann das Ergebnis auch als erfreulich enttabuisierte Unterhaltung für Erwachsene ansehen, -immer mit einer Prise Humor und bloss nicht zu ernst betrachten.

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