Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 2
13 Gründe, warum es die zweite Staffel nicht gebraucht hätte
In der zweiten Staffel der aufsehenerregenden Netflix-Erfolgsserie "Tote Mädchen Lügen Nicht" wird der auf Hannas Selbstmord folgende Gerichtsprozess behandelt und man erfährt, wie es an der mobbingfreundlichen High School mit den bekannten Gesichtern weitergeht...
Und obwohl die Figuren weiterentwickelt werden und es durchaus hintenraus interessant wird, kann Staffel 2 nicht ansatzweise mit den ersten 13 folgen mithalten. Das geht sogar so weit, dass ich mit Sicherheit die schon angekündigte dritte Staffel nicht mehr gucken werden. Das war zu quälend und langatmig. Staffel 2 hätte es nicht gebraucht und sie wirkt nicht nur extrem gestreckt sondern unfassbar leer und wie ein schnell produzierter Cashgrab.
Hier also 13 Gründe, warum in der zweiten Staffel einfach der Wurm drin ist, warum man nichts verpasst, wenn man sie skippt:
- Die Geschichte tritt auf der Stelle und das Gerichtsverfahren mag realistisch dargestellt sein, doch filmisch ist das Standfussball und höchst uninteressant, spannungsarm, lahm.
- Clay entwickelt sich zur absoluten Nervensäge, Heulsuse, Unsympath.
- Hanna als "Erscheinung" oder Clays Unterbewusstsein in der Serie zu halten, funktioniert nicht und wirkt aufgesetzt, übertrieben, unrealistisch.
- Die Songauswahl bietet weit weniger Hits und Gänsehaut als Staffel 1.
- Es gibt höchst kitschige und super schwach geschriebene Momente, Dialoge, Entscheidungen.
- Bis auf die letzte Folge fehlen Schock, Skandale, Gesprächsstoff.
- Thematisch weiterhin aktuell und wichtig, allerdings kaum mit neuen Ein- oder Ansichten.
- Nervige, weiter entschleunigende Rückblicke, die nur wiederholen, aus Staffel 1 zitieren und kaum Neues bringen, zudem ein kurioses Licht auf Hanna werfen und sogar Staffel 1 ärgerlich verfälschen.
- Subplots, die ins Leere führen (z.B. Clays neue Freundin) und wenig zum Fortgehen beitragen.
- Folgen zu lang, zu höhepunktarm, zu zahlreich (für die übersichtliche Story).
- Geschichte/Auflösung um Bryce frustrierend, wenn auch wohl nicht unrealistisch.
- Verhalten der Erwachsenen seltsam und passiv und frustrierend.
- Neue Figuren ziehen kaum, sind wie viel zu viel in der Serie mit Vorurteilen und Klischees durchzogen.
Fazit: selbst im schockierenden Staffelfinale und im sporadisch besser werdenden letzten Drittel, kommt die zweite Staffel nie mehr ansatzweise an das originale Jahr und Material heran. Die meiste Zeit gähnt und quält man sich durch leblose und langatmige Folgen, die aufwärmen und lieblos erweitern, dehnen und unspannend dazudichten. Staffel 2 schafft es sogar, die eigentlich sehr gute erste Staffel etwas herunterzuziehen... Trotz super wichtiger Themen: absolut unnötig! (4/10)