Wu Yen Sen, besser bekannt als John Woo, verzichtet seit den 80ern auf jegliche Darstellung von Martial Arts in seinen Filmen – sieht man einmal von den Fake Moves in Mission Impossible 2 ab -, hat allerdings seine ersten Gehversuche genau in dem Metier gemacht und lässt seine frühesten kommerziellen Filme auch vor dem Hintergrund spielen. Nach den Handlangertätigkeiten bei Cathay Studio und danach als Regieassistent und Schüler Chang Cheh‘s für dessen Shawfilme The Boxer from Shantung und The Blood Brothers inszenierte er 1972 mit The Young Dragons seine erste konventionellen Eigenarbeit, die allerdings drei Jahre auf Halde lag.
Die weiteren Produktionen waren alle für Raymond Chows Golden Harvest bestimmt und wechselten zwischen Michael Hui – inspirierten Komödien und erneuten ‚Kung Fu‘ Filmen ab, wobei The Dragon Tamers und der neben Last Hurrah of Chivalry bekannteste Vertreter aus der Zeit Hand of Death gleich im Anschluss folgte.
Beide wurden in Korea realisiert, Hand of Death [ auch Countdown in Kung Fu ] ist heute allein nur wegen seinem später umfeierten und weltberühmten Regisseur sowie einiger nicht minder populären Darsteller so bekannt; ansonsten ist der Film nämlich bloss guter Durchschnitt und rein als Blaupause geeignet.
Die wirklichen Fähigkeiten Woo’s wie die Zeichnung einer übermelodramatisierten, aber dadurch schon wieder emotional greifenden Situation und mehr als heroisch agierender Figuren mit edlen Tugenden sowie die Auflösung der Konflikte in stilisierten, tänzerischen Actionszenen werden hier nämlich nur angekratzt; befinden sich quasi noch in der Entwicklung. Die Merkmale sind dabei schon vorhanden, werden aber in dem üblichen Genreklischee noch lange nicht so effektiv genutzt wie in späteren Arbeiten. Narration und Handwerk entsprechen dem damals gängigen Standard und lassen den Film auch typisch für seine Zeit erscheinen, ohne irgendwie gross herauszufallen.
Schon das Drehbuch von Woo dreht sich um die gewohnten Themen Böse Manchus – Gute Shaolins und setzt drauf bezogen seinen Plot auf, der die Niederschlagung des verräterischen und diktatorischen Commander Shih [ James Tien ] als Ziel sieht. Dieser hat die Seiten gewechselt und bekämpft seitdem seine alten Freunde und Mitstreiter mit aller Härte; jegliche Gegenwehr der Anti – Imperalisten scheint machtlos. Trotzdem wird eine neue Revolution geplant, der Shaolin Yun Fei [ Dorian Tan ] wird deswegen entsandt um den Gelehrten Chang [ John Woo ] zu geleiten; dieser hat die Lagepläne der gegnerischen Militärbasen bei sich.
Der Handlungsstrang setzt allerdings erst im letzten Drittel ein; vorher werden die Missetaten von Shih in der Vergangenheit und der Gegenwart an zwei speziellen Personen und letztlich auch Yun Fei selber aufgezeigt, die zu einem gemeinsamen Finale gegen ihn und seine Schergen führen.
Dabei wird die geplante Revolution eigentlich schon vor weggenommen, aber der Film funktioniert auch sowieso eher in der rigorosen Abschreitung der familiären Storypfade als im Kennzeichnen neuer Wege, die Geschichte ist Routine.
Die Prämisse und zentraler Aspekt ist dabei wie üblich die Rache, welche die Mitstreiter Yun Fei’s ebenso antreibt wie später ihn; Shih zieht sich durch seine Handlungen selber die Feinde heran, er schaufelt quasi selber sein Grab. Die Rückkopplung der eigenen Taten auf sich selber, also die Schaffung von Kausalitäten wird hierbei bevorzugt in Rückblenden dargestellt und so vereinfacht als eigene, gleichzeitig aussenstehende und mit dem Geschehen verbundende Episoden porträtiert, die je eine Person vorstellen.
Da wäre der Schwertkämpfer Zorro [ Paul Chang Chung ], dessen Geliebte von Shih als Schutzschild benutzt und so aus Versehen von dem Liebenden selber getötet wurde; die Flucht in den Alkohol war die Folge.
Der zweite ist der junge Handlanger Tan [ Jackie Chan ], der seinen Bruder durch Shih verlor und als dessen tarnender Angestellter auf den passenden Augenblick wartet.
Beide Männer haben also ihre eigene Revenge zu verfolgen, aber werden erst durch den Neuankömmling Yun Fei ermuntert und zu Tatendrang aufgefordert, der sie über sich hinauswachsen lässt.
Auf überraschende Wendungen und einen wirklichen Antrieb muss man dabei leider verzichten. Skript und Film befinden sich kontextlos innerhalb der Gesetzmäßigkeiten und Beschränkungen des Genres, wobei auch mehrmals mit einigen logischen Unzulänglichkeiten und sehr naiven Verhaltensweisen seiner Figuren gestrickt wird, die den Fortgang eher verzögern als beschleunigen und die Helden auch dümmlicher als erfordert zeigen. So ist ihnen auch immer bewusst, dass man ihre Pläne und Ziele kennt, aber trotzdem werden sie nicht abgeändert; die einzige Variation findet immer nur in einem Ablenkungsmanöver statt, dass aber schnell als solches enttarnt wird. Sowieso ist die Camouflage jedesmal ungenügend; dafür dass sich die Shaolins auf der Flucht befinden und verstecken müssen gehen die sehr offen mit ihrer Herkunft um. Auch ihre Erwartungen in die bösartige Natur Shihs ist offensichtlichen vom Gutmenschendenken berührt, anders ließen sich gleich mehrere unnötige Opfer nicht erklären. Es wird nur der Logik der Rache getraut.
Auf formaler Seite liegen die Abstriche vor allem in der dramaturgisch sparsam - ruhigen Inszenierung, die trotz zahlreicher Actionszenen nie ein wirkliches Tempo oder gar Frenetik erreicht; selbst bei den schneller geforderten Sequenzen wird offensichtlich statisch gearbeitet. Die oftmaligen Kämpfe zwischendurch steigern sich zwar etwas bis zum 20minütigen Showdown und manche prägnante Zeitlupenshots bekommt man auch geboten, aber die Szenen bleiben wohl auch aufgrund ihres mehr realistischen Bezuges meistens unaufgeregt, wobei der mangelhafte Schnitt noch sein Scherflein zur Mittelmässigkeit beiträgt.
Auch der Score von Joseph Koo verliert seine anfangs treibende Eingängigkeit durch die ständige Wiederholung sehr schnell.
Die wichtigsten Details sind dann wirklich die Besetzungen, wobei die schwachen Hauptrollen von dem damals noch weitgehend unbekannten Jackie Chan ausgestochen werden, der obwohl einige heutzutage komödiantisch bekannte Mechanismen nutzend weitestgehend ernst bleibt und die meiste Präsenz zeigt. Kollege Sammo Hung fällt auch auf, allerdings auf der Seite der Bösen mit einem furchtbaren Übergebiss bestraft. Yuen Biao hat zwei Cameos.
Der eigentliche Main Actor Dorian Tan ist heute nun noch unter dem Nick „Flash Legs“ bei Fans bekannt und ansonsten verschollen; seine beste Leistung hierbei ist auch die formidable Beinarbeit, die dann allerdings wirklich ein Hingucker ist.
Als Frühwerk und mit heruntergeschraubten Erwartungen zu sichten; Woo fand seinen wirklichen Weg erst ein Jahrzehnt später.