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Hinter dem marketingtechnisch vielversprechenden Titel XX verbergen sich vier Horror-Kurzgeschichten deutlich unterschiedlicher Länge, deren einziges gemeinsames Merkmal der jeweils weiblich besetzte Regiestuhl ist. Zwischen den einzelnen Episoden fungieren 30-Sekunden-Spots von Puppenhausbewohnern in einer Art Stop-Motion-Technik, die jedoch inhaltlich keinen Bezug zu den Kurzfilmen haben und nur als Zwischenspiel fungieren. Aber der Reihe nach:

In der ersten Geschichte (The Box), die im Dezember spielt, lernt man eine vierköpfige Familie kennen, bei denen der kleine Junge vom einen auf den anderen Tag das Essen verweigert. Einen Grund dafür gibt es nicht, aber seit er während einer U-Bahn-Fahrt  neugierig in einen Geschenkkarton irgendeines Fremden hineinschauen durfte, hat er einfach keinen Hunger mehr. Niemand weiß, was er in diesem kurzen Moment gesehen hat, aber es hat ihn so beeindruckt, daß er seither jede Nahrungsaufnahme ablehnt. Kurz danach weiht er seine Schwester ein und auch diese isst fortan nichts mehr, ein paar Tage später mag auch der resolute Vater nichts mehr anrühren, sodaß die verzweifelte Mutter alleine bleibt. Die entstandene Spannung, was wohl in der Box des Fremden gewesen sein mag, wird allerdings jäh enttäuscht, denn es gibt keine Auflösung der Geschichte.

Die zweite Episode (The Birthday Party) handelt von einem Kindergeburtstag - ein unsympathischer Roseanne-Barr-Verschnitt bereitet die Party vor, als sie feststellt, daß ihr Ehemann tot am Schreibtisch sitzt. Ihr kaum nachvollziehbarer Plan, den toten Gatten in einem Micky-Mouse-Kostüm am Gästetisch zu platzieren geht insofern schief, als dieser dann in eine Torte rutscht. Könnte aus irgendeiner billigen Komödie stammen, hat aber mit Horror nicht das Geringste zu tun hat. Ein vollkommen uninteressanter Langweiler...

Der dritte Wurf - Don't Fall - ist der kürzeste von allen und zeigt zwei junge Pärchen mit einem Wohnmobil in der Wüste. An irgendeinem Felsen dort finden sich Wand-Malereien, die nachts lebendig werden und eins der Mädel in ein Monster verwandeln. Dieser Beitrag ist derjenige, der noch am deutlichsten im Horror-Genre zu verorten ist und mir wie ein Ausschnitt aus einem längeren Oldschool-Slasher vorkommt. Nicht spektakulär aber immerhin blutig, nur als das Monster-Mädel seine Freunde verhackstückt hat, ist auch gleich wieder Schluß.

Der letzte Teil der Tetralogie (Her Only Living Son) handelt von einer alleinerziehenden Mutter, deren Sohn gerade 18 Jahre alt wird und sich seltsam aggressiv benimmt. Die Thematik ist klar von Damien aus der Das Omen-Reihe abgekupfert, ohne jedoch nur im Mindesten dessen Spannunglevel zu erreichen. Obwohl die Verzweiflung der Mutter, den Sohn des Teufels großgezogen zu haben, darstellerisch gut rüberkommt, vermag dieser längste der vier Filme nicht wirklich zu überzeugen. Und auch hier fehlt wieder ein halbwegs überzeugendes Ende.

So bleibt nicht nur ein zwiespältiger, sondern ein deutlich negativer Eindruck dieser vorgeblichen Horror-Anthologie: Daß diese von weiblichen Regisseuren gedreht wurde, vermag man selten bis gar nicht zu erkennen, und dieses Attribut dürfte daher rein marketingtechnischen Gründen geschuldet sein, genauso wie das schwarz-rote Totenkopf-Kuss-Cover. Bemerkenswert waren eigentlich nur zwei Dinge: die hochartifiziellen Puppenhaus-Tricksequenzen zwischen den Filmen, die allerdings nur als Intermedium dienten, sowie die allen Filmen eigene, tadellose Kamera-Arbeit und Post-Produktion inklusive passendem Score. Letzteres nützt jedoch nichts, wenn der Inhalt nicht zur dargebotenen Form passt: Der erste Beitrag zwar spannend aber ohne Auflösung, der zweite themenfremd und ein völliger Reinfall, der dritte einigermaßen gelungen aber viel zu kurz und der letzte ein uninspiriertes Plagiat. Nein, XX muss man nicht anschauen, und ein zweites Mal schon gar nicht. 2 Punkte.

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