Review

Kann sich noch irgendwer außer mir an diese unsägliche Joe D'amato - "Dokumentation" erinnern, die als Extra auf diversen DVD-Ausgaben der Filme des Meisters zu finden waren? Wenn nein: gebt euch keine Mühe, die zu suchen oder diese halbstündige schwachbrustig kommentierte Clipshow zu schauen. Erstens lohnt es sich nicht weil zweitens das Regieduo Guiliano Emanuel und Eugenio Ercolani es besser gemacht haben.

In den letzten Jahren werden Genre Fans geradezu mit italozebtrischen Dokumentarfilme verwöhnt und ganze Genres, ihre Stars und die Menschen hinter der Kamera mit längst überfälligen Lobhudeleien übergossen und dass Aristide Massacessi seinen gerechten Teil abbekommt ist meiner Meinung nach nur fair: im Cinecitta-Pantheon mag der Mann vielleicht nur ein Demigott gewesen sein, aber die sind ja oft populärer als die altvorderen Götter (siehe Herkules), da halt menschlicher. Na denn wollen wir mal das Weihrauchlager plündern und das Freudenfeuer anfachen.

Zwei grimmig drei schauend postapokalxptische Krieger - Al Cliver und George Eastman - stehen sich in einer kargen Landschaft gegenüber und werfen sich finstere Blicke zu, die die Kamera nur allzu gerne in Großaufnahme auffängt und uns sepiagefiltert wiedergibt. Anschließend rennen beide bewaffnet aufeinander zu und liefern sich ein Gefecht, dessen Ende offen bleibt. Das ist nicht nur die Schlussszene des absolut großartigen Endzeitkloppers "Endgame" (Na, von wem wohl?), sondern auch der Beginn von "Omega Rising - Remembering Joe D'amato". Anschließend darf es losgehen, das filngewordene Kondolenzbuch. Wobei die Beschreibung etwas unfair ist, denn die Anekdoten, die D'amatos Mitstreiter von einst hier erzählen sind mehrheitlich sehr liebe - und humorvoll. 

Unter den Interviewpartner befindet sich ein Großteil der d'amato'schen Stammkollaborateure wie Luigi Montefiori, Michele Soavi, Komponist Carlo Maria Cordio, Regisseur und Produzent Claudia Fragasso nebst Gattin und Drehbuchautorin Rosella Drudi und sogar Mark "Die Sackwarze" Shannon haben sie aus dem Pornoruhestand zurück ans Licht gezerrt. Gut zu wissen, dass die Dinger an seinen Eiern keine Pestbeulen, Parasitennester oder anderes Kontaminöses waren. Dafür gleicht der gute Mann mittlerweile altersbegint einer durchgerittenen Ledercouch mit Schnauzbart, während Kollege Eastman sich immer noch saugut gehalten hat und immer noch den hübschen Burschen erahnen lässt, der er damals war. Diese und andere Personen erzählen also vollkommen chronologisch aus dem Leben ihres einstigen Brötchengebers und Freundes.

Jepp, achronologisch: der Film arbeitet sich nicht von vorne nach hinten durch, sondern pickt sich die Highlightrosinen von Massacessis Schaffen heraus. Hin und wieder fehlt leider was (ich vermisse ja "Die Mörderbestien"), aber ich kann auch verstehen, dass man sich auf die Sternstunden konzentrieren will. Also ein Kritikpunkt, den ich mir mit dünnem, leicht verwischbaren Bleistiftstrich aufgeschrieben habe.

Ärgerlicher finde ich da, dass es keinen Kommentar der Regisseure gibt, von denen ich gerne gewusst hätte, wie sie zu D'amato stehen und warum sie gerade über ihn einen Film drehen wollten. Dann fehlt mir aber auch ein wenig die Stimme der Konkurrenz: klar, viele von den Altmeistern sind tot, aber mich hatte noch brennend interessiert, was man im kreativen Umfeld eines Fulci oder eines Lenzi von dessen Werk hielt. Der kurze Interviewschnipsel mit Ruggero Deodato ist eine vertane Chance, Massacessis "Man - Eater" und "Nackt unter Kannibalen" mal gepflegt freundschaftlich zu rösten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Regisseur es sportlich genommen hätte. Zudem wären ein paar Drehortbesichtugungen oder Besuche einstiger Stationen seines Lebens dem Film als Abwechslung zuträglich gewesen. So beschränkt sich das Ganze ein wenig auf lange anekdotische Monologe, Filmszenen und Musikeinblendungen.

Trotz alledem bleibt der Film interessant und hinterlässt einen Eindruck von Massacessi, der dem der vorgeworfenen Geldgeierei zumindest ein wenig widerspricht und den Klinkenputzer des italienischen Kinos in einem sympathischen Licht erscheinen lässt. Den Freund und Förderer von Genregrößen wie Eastman, Soavi und Drudi lernt man so durch Wikipedia und Co. definitiv nicht kennen. Der Rest ist wie so oft Formsache. 

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