So richtig das Genre des Gangsterfilmes in schnöder Regelmäßigkeit und Solidität bedienen tun derzeit eigentlich nur noch die Südkoreaner, gefolgt von eventuell in kleinerem Rahmen spielend und weniger Quantität und Qualität den Briten und den HK-Chinesen, deren jeweilige Erzeugnisse aber auch nicht das Gütesiegel anhaftet, dass nunmehr automatisch schon südlich vom 38. Breitengrad ausgeht. Ursächlich für den gesteigerten Ausstoß der dortigen Filmemacher und auch deren verdiente Reputation war der kommerzielle Erfolg, der einhergehend und sich im Wechselspiel mit der guten Beschaffenheit der Produkte und ihrer national und international hoch angesehenen Konsistenz über die Jahre bewährte; auch wenn The New World und damit 2012 wohl als Ultimatum dieser Filmreihe über die Machenschaften in der Unterwelt gilt und Exemplare wie bspw. Inside Men oder The Master eher die mit politische & gesellschaftliche & finanzielle Betrachtung von dem Milieu sind. [ New World Regisseur Park Hoon-jung hat diesjährig V.I.P. im Genre nachgeschoben, der momentan an den koreanischen Kinokassen reüssiert. ]
Seitdem wurde es etwas ruhiger gerade im westlichen Markt, sind andere Nachzügler wie bspw. Divine Move, For the Emperor oder auch Gangnam 1970 hierzulande in der Aufmerksamkeit untergegangen bzw. wurden gar nicht veröffentlicht und vom heimischen Zuschauer auch nicht großartig importiert und rezensiert. Asura selber macht zumindest dieses 'Manko' wett, mit einer äußerst schnellen Vermarktung des Filmes, die in etwa zeitgleich zu der Auswertung in Südkorea entspricht und auch vorheriger Festivalaktivität, was immer ein Zeichen für das Suchen und oft Finden nach Präsentation und Beachtung auch ist:
Der ehemalige Polizist Han Do-kyeong [ Jung Woo-sung ] hat mehr als nur ein kleines Problem. Mal abgesehen davon, dass seine Ehefrau schwerkrank und wahrscheinlich dem Tod geweiht im Krankenhaus liegt, ist er auch noch in die Machenschaften des überaus schmierigen Bürgermeisters Park Seong-bae [ Hwang Jung-min ] verstrickt und hat während der Arbeit für diesen 'aus Versehen' einen Polizisten vom Dach gestürzt. Die Tat wurde gleich von zwei Leuten beobachten, einem zwar im Rausch befindlichen Drogendealer, den Han als Sündenbock herhalten lassen will, und seinen eigenen Schützling Moon Seon-mo [ Joo Ji-hoon ], der noch bedingungslos zu ihm hält, aber auch bald in den Geschmack von Geld und Macht gelangt. Zudem sitzt ihm die Anti-Korruptionseinheit von Kim Cha-in [ Kwak Do-won ] im Nacken, wobei es besonders der raubeinige Cop Do Chang-hak [ Jeong Man-sik ] auf ihn abgesehen hat.
Der Titel selber, derzeit relativ allein auf weiter Flur stehend, wirkt dabei schon von vornherein allerdings etwas in der eigenen Anteilnahme und dem Streben nach Beachtung, nach Besonderheit gar bemüht. Hat sich bislang auch nur wenig Mundpropaganda entwickelt und wirkt das Bestreben nach einem Spezifikum auch (fälschlicherweise) etwas gestellt, also mit einem Kniff schon dem Setzen in ein 'exotisches', erst mal auf grundlos 'fiktiv' wirkendes Setting arrangiert; wobei diese Erdichtung als Analogie und Hyperbel alsbald mehr als Sinn macht und quasi die Überdehnung bisheriger Verhältnisse direkt in die Abgründe menschlicher Hölle, ein nihilistisches Schindluder per se ist.
Ein Moloch von Stadt, dass sich beim ersten Draufblick schon, bei dem Übersteigen einer ersten großen Panoramaaufnahme als wüstes Gezerre und Gedränge aus vielerlei Slums mit undurchdringbar wirrer Geographie aus vielen kleineren Abzweigungen und Gängen auch fern des Tageslichts erweist; eine Art Walled City, in der alles nach vorübergehenden Begebenheiten und ohne wirklich viel Zweck für Späteres oder gar einem Wohlfühlen der Bewohner erbaut erscheint. Die Umgestaltung dieses Ungetüms natürlich auch zu monetären Zwecken, dem des großen Reibachs nämlich steht dabei auch als narrativer Hintergrund und Motivation einiger der führenden Beteiligten im Drehbuch des Geschehens, wobei allerdings das Platzieren in eine sich ausgedachte Gegend statt bspw. eben Seoul selber dem Film auch etwas weniger Griff zu geben scheint als ansonsten ein real- und soziopolitisch tatsächlich vorhandener Bezug am Ausweisen ist.
Warum auch immer man diesen Gang in die Imagination, in die (Fabricated) City of Madness gewählt hat, inszeniert wird dies von Genreneuling Kim Seong-su im typischen Stil, mit schleimigen Protagonisten [ Paraderolle für Hwang ], mehr oder doch minder bis gar nicht aufrechten Gesetzesvertretern, die selbst zum wohlen Zwecke vermehrt die harte Art und Weise wählen und die Wahl der Mittel den Umständen anpassen [ Paraderolle u.a. für Jeong ], und dem unfreiwilligen und zumindest eingeengten Spielball dazwischen, der sich aus vielleicht früher hehren Motiven für die falsche Seite entschieden hat, und wo der Weg zurück auf der Pfad der 'Guten' beschwerlicher und im Grunde unmöglich ist als dieser anfangs einfache Entscheid. Begonnen wird dabei mit einer andauernden Misere, in der die Korruption, die Gier, der Schmuddel und die Abstumpfung nahezu alle Bewohner ergriffen hat und auch die Vertreter von Staat und Recht und Ordnung schon bis zum Hals im Sumpf stecken, und das Brackwasser nach einer weiteren Missetat unaufhörlich weiter steigt.
Eine Pattsituation, die während einer zeitlich frühen nächtlichen Fatalität noch ins Unermessliche ansteigt und folgend den Kampf damit und den Kampf daraus bzw. das zunehmende Strampeln im Gülleloch zeigt. Perfide dramaturgisiert mit etwas beschwerlicher Anstrengung gleich zu Beginn, vielen Wendungen, starken Dialogen und anscheinend auch banalisiert und gleichzeitig wieder pointiert durch die stereotype Besetzung, die nicht nur theoretisch schon gut gewählt ist, aber eben viel zu sehr nach Schablone schreit und auch teilweise im Spiel mit Absicht karikiert. Verblüffend eine mittige hochfiebrige Autoverfolgungsjagd, die mit ihrem durch Kamerafahrten- und tricks initiierten mitten im Geschehen etwas an Selbiges aus The Raid 2 erinnert, nur diesmal auf einer Schnellstraße im nächtlichen heftigen Regen und mit Dissonanzen in Bild und Ton. Erlösend ein finaler Amoklauf, der bereits stilecht vor Ort in einem Beerdigungsinstitut stattfindet und dem wartenden Sensenmann noch mal einen stattlichen Leichenberg per Schusswaffe und vor allem mit der ausgiebig geschwungenen Machete zuführt.