Der Film erzählt die letzten neun Monate im Leben von Ben Hall, gespielt von Jack Martin. Hall, ein berühmt berüchtigter australischer Outlaw befindet sich 1865 auf der Flucht vor dem Gesetz. Auf ihn und seine beiden Begleiter sind hohe Kopfgelder ausgesetzt, weswegen die Männer das Land verlassen wollen. Um die Überfahrt bezahlen zu können, überfallen sie Kutschen, gehen auf Raubzüge - unterstützt von einem Teil der Landbevölkerung und gejagt von den Gesetzeshütern. Hall kehrt trotz des Risikos immer wieder zu seiner Ex-Frau zurück, da er nicht ertragen kann, dass sein Sohn von einem anderen Mann aufgezogen wird.
Im 19. Jahrhundert machten sich zahlreiche kriminelle Revolverhelden und Outlaws wie Butch Cassidy, Jesse James oder Billy the Kid in den USA einen Namen, wo nicht wenige von ihnen heutzutage als eine Art Robin Hood des Wilden Westens romantisch verklärt werden. In Australien erging es den sogenannten Bushrangern ähnlich, die vor allem zwischen 1850 und 1860 in der ehemaligen Sträflingskolonie mit dem Gesetz im Clinch lagen, weil sie ihren Lebensunterhalt vorwiegend mit Überfällen bestritten. Der bekannteste Bushranger dürfte Ned Kelly gewesen sein, dessen Geschichte bereits mit Heath Ledger in der Hauptrolle prominent verfilmt wurde. Ein anderer war Ben Hall.
Dessen letzte Monate und die seiner Bande werden vom australischen Regisseur Matthew Holmes in „Die Legende des Ben Hall“ erzählt, wobei der Titel schon viel darüber aussagt, wie der Gesetzlose im australischen Western dargestellt wird. Dass der Film eine gewisse Sympathie für den brutalen Räuber zeigt, wäre noch untertrieben, er wird regelrecht gefeiert. Holmes wird nicht müde zu betonen, dass Hall trotz seiner zahllosen Verbrechen nie einen Menschen getötet hat - wenngleich es im Film immer wieder danach aussieht, als habe er dies zumindest billigend in Kauf genommen. Holmes zeichnet aber auch das Portrait eines zerrissenen Mannes, der am liebsten selbst für seinen Sohn sorgen würde, das aufgrund seiner kriminellen Vorgeschichte jedoch nicht kann, der das Land verlassen will, dafür aber endgültig alle hinter sich lassen müsste, die ihm etwas bedeuten.
Unterbrochen von einigen spektakulär unspektakulären Schießereien, bei denen kaum ein Akteur mal ins Schwarze trifft, erzählt Holmes in gediegenem Tempo, wie sich Hall und seine beiden Mitstreiter im ländlichen Australien bei Bekannten vor dem Gesetz verstecken, wie sie ein paar Überfälle begehen, um ausreichend Geld für ihre Ausreise zu sammeln. Der Film könnte auch „Aus dem Alltag eines Gesetzlosen“ heißen, ist aber vor allem deshalb recht interessant, weil tatsächlich ein detaillierter und weitgehend realistisch anmutender Einblick in ebendiesen vermittelt wird. Damit wird „Die Legende des Ben Hall“ zu keinem Zeitpunkt langweilig, ist auf Dauer aber auch etwas monoton. Die weitgehend unbekannten, aber überzeugenden Darsteller, die authentische Ausstattung, die sehenswerten Landschaftsaufnahmen garantieren zumindest oberes Mittelmaß.
Fazit:
„Die Legende des Ben Hall“ feiert den australischen Gesetzlosen deutlich über Gebühr, überzeugt aber sowohl als Charakterportrait wie auch als realistischer Einblick in den Alltag der kriminellen Bushranger des 19. Jahrhunderts. Letztlich ein ordentlicher, aber keineswegs ein sensationeller Western, dessen Laufzeit ruhig ein wenig kürzer hätte sein können.
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