Review

"You've served three years of a six month sentence. What does that tell you?"
"Tells me that I'm not the only criminal in this room."

Von den allgemeinen Voraussetzungen erstmal willkommen angenommenes Produkt, dass eventuell den Startschuss zu einer ebensolch rezipierten indirekten Trilogie der Kollaboration zwischen dem Filmemacher Jesse V. Johnson und dem Darsteller Scott Adkins geben könnte; ist deren "Zweiter Teil" Accident Man bereits in Produktion und der als Makeshift Squad längere Zeit in der Vorbereitung und Veränderung befindliche Triple Threat bereits als "Abschluss" proklamiert. Profitieren könnten dabei durchaus alle Parteien, nebst der des Zuschauers, der mittlerweile etwas durstig auf weiteren kompetenten Nachschub hofft und auch durchaus den (besseren) Durchschnitt (wie hier) mangels Alternative am Hofieren ist. Johnson, der in seiner bisherigen Laufbahn zwar mit The Fifth Commandment [ 2008 ] auch zwischenzeitlich das Kino bespielen durfte, dort aber nicht hingehört, ist nach den bspw. danach noch folgenden The Package [ 2013 ] in letzter Zeit eher vernachlässigt worden und als Regisseur unterbeschäftigt bis ignoriert; was nunmehr durch die Beschäftigung von Fan-Favorite Adkins für den Moment ausgeräumt ist, und dieser gleichstark von fähigen Regisseuren in jüngerer Vergangenheit gezehrt hat und sein jetziger Director zu eben jenen fähigen Talenten (obwohl mit siehe den vorhergehenden Alien Agent oder The Last Sentinel noch mit Luft nach oben) zählt.

Ein Win-Win auf allen Seiten, möchte man meinen, zumal das Projekt Savage Dog selber auch noch weiteren Zusatz kompetenter Namen für den Bereich des Martial Arts - bzw. Aktionsfilmes und für das Interesse steigernd auch ein seltenes örtliches und zeitliches Szenario abseits gängiger Ostblockromantik oder kanadischer Weiten, ein exotisches, ja kolonialisiert-fernöstliches, ordentlich schwitzendes, dampfendes, staubiges Umfeld nämlich, und zusätzlich zu den Pluspunkten auf dem Papier bzw. in den Gedanken seliger Erinnerungen auch noch (gewollte?) Anklänge an Charlie Nguyens furiosen, zu recht wohlwollend besprochenen The Rebel [ 2007 ] aufweist:

Indochina, 1959. Das Gefängnis- und Arbeitslager Den-Dhin-Chan wird mit gnadenloser Hand vom früheren SS-Mitglied Hans Steiner [ Vladimir Kulich ] und dessen Unterstützung durch die ebenfalls aus der Alten Welt geflüchteten Senior Amarillo [ Charles Fathy ], Jon Pierre Rastignac [ Marko Zaror ] von der Spanischen Blauen Division, und Corporal Chef Boon [ Cung Le ] nach ihren Gutdünken und ausbeuterischen Willen geleitet. Als sie ihrem bevorzugten Gefangenen und ehemaligen IRA-Kämpfer (und Kirmesboxer) Martin Tillman [ Scott Adkins ] erst nach drei Jahren von ursprünglich sechs Monaten Haft die Freiheit schenken und alsbald wieder nehmen, startet dieser einen verheerenden Rachefeldzug, wobei die Wahl der Waffen immer mehr an Feuer- und Durchschlagskraft gewinnt und immer folgenreicher für den Gegner wird.

Der Engländer Johnson wie sein Film dabei als Vertreter eines Genres, dass seit längerem und vor allem in diesem Jahrzehnt immer weniger rentabel geworden ist, das angepeilte Publikum schrumpfend und im Kern zumeist aus den älteren Genossen der Gesellschaft bestehend, die in der Hochphase der späten Achtziger aufgewachsen sind und die folgende Konjunktur auch noch in den Kinosälen und anschließend zusätzlich im Verleih und Verkauf analoger Medien mitgetragen haben. Die Bedürfnisse verändert, der Markt verkleinert, der Nachwuchs wenig angenommen bis nicht gefördert, die Budgets zunehmend reduziert, was größere Beiträge oder selbst Sortimente auch dem Mid-Price-Segment unwahrscheinlich und nur vereinzelt Ausnahmen davon und nur mit viel Mut auf Risiko und selten Aussicht auf Gewinn zulässt.

"My country, my laws, my revolver."
Savage Dog, vor Ort in Dien Bien Phu, Vietnam gedreht, konzentriert sich mit seinen eingeschränkten finanziellen Mitteln so auch auf das Wesentliche in der Geschichte, auf das Spektakel nämlich, und auf eine Handlung, die im Grunde in zwei Sätzen zusammengefasst ist und sich auch in zwei Hälften ergeht, wovon der zweite Teil sichtlich der Interessante, da der aufwändige, aktive, tatsächlich wilde bis blutrünstige Part von beiden und der mit dem großen Feuergefecht, den emsig spritzenden Lebenssaft und den daraufhin gewarteten Duellen zwischen Adkins und Le bzw. Adkins und Zaror nämlich ist. Vor dem teilweise brutalen Kugel- und Fäustehagel muss etwas erzählt werden, etwas vorgestellt, aufgebaut und mit Monologen und Dialogen, so redundant und repetierend sie auch sein mögen, gespielt. Gezeichnet wird dabei ein Außenposten der ehemaligen Zivilisation, weitab von Schuss und momentan auch in der eigenen Isoliertheit von allem Anderen begrenzt, ein tägliches Allerlei im Brachland, in dem geraucht, getrunken und entweder geboxt oder anderen beim sich Verprügeln, gegen Geld natürlich zugeschaut und zugejubelt wird. Eine Einöde, in der steter Konsum von braunen Fusel und der Zigarre über den jeweils gleich ablaufenden Tag hinwegtröstet und sonst nicht viel zu erleben ist; ein Problem, dass der Film in diesem Porträt anfangs auch hat und so entweder gutgemeint 'kompakt' oder schlecht aufgenommen 'zusammengeschrumpft' bis 'vermindert' auch wirkt. Zum Schleuderpreis zu haben war jedenfalls die Ausstattung, die anfangs mit dem Arbeitszimmer vom Nazi A.D. anfängt und über eine in der freien Natur befindliche Mini-Bar noch geht und erstmal guten Eindruck macht, dies aber (neben dem Kampfring und dem Schlammloch) die einzige Location überhaupt noch ist. Eine alte Villa später entpuppt sich als eine Mauerruine, die quasi den Rahmen für den Ring der Kombattanten gebildet hat und nicht etwa eine echte alte Villa, wie vorgestellt halt so ist.

Böse gucken also aller Beteiligten, viel Körperfetischismus und markige Sprüche von Anno Dunnemals, dazu (leider) auch viel unnötiger und auch absurder Kommentar von Barbesitzer Valentine [ David Keith ], der hier den Voice Over Erzählonkel der Geschichte macht, obwohl er da längst schon nicht mehr anwesend ist und so quasi gottgleich zu uns spricht. Plus merkwürdig altmodische Übergänge in der Montage, die das Geschehen zwischen brachialen Shootout-Action-Märchen, Ethno-Rachedrama und einer fatalen Lebens- und Liebesgeschichte mäandern lassen, was dem Film zumindest einen seltsamen Anstrich verleiht, aber ein wenig so wie Van Damme aus der Neunziger-Strauchelphase, zwischen Nowhere to Run, The Quest, Inferno und dem Legionnaire wirkt. Dazu passend gibt es auch eine Trainingsmontage, der noch wunderliche Selbstheilungskräfte mit Unterstützung der grünen Dschungelpaste und einer glühenden Machete als Antiseptikum vorausgehen, und selbst die Inszenierung spricht mit seinen veraltet scheinenden und bei den Boxkämpfen auch unmöglichen, bei der stilisierten Massenschießerei aber durchaus gescheit eingesetzten Zeitlupen und den vielen Wisch- und Vorhangblenden die Sprache einer (gut?) abgehangenen Antiquität. 

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