Ein Hund sieht rot
Irgendwie hats den wilden Hund ins Vietnam der 1950er Jahre verschlagen. Warum ausgerechnet da und dort wird immer das Geheimnis der Macher um B-Kampfsportakrobatic-Experte Jesse V. Johnson bleiben, aber vielleicht hatten die einfach mal Bock auf ein schniekes Period-Picture. Nicht dass man davon viel sehen und merken würde. Die öde Klopperei und unfreiwillig komische Gockelei hätte in jedem x-beliebigen Jahrzehnt spielen können, wäre da nicht die prominente Verwendung von Sturmgewehr 44 und MG 42. Aber wer kann schon bestimmte Schießprügel bestimmten Epochen zuordnen? Na jedenfalls ist das hier die einzige potentielle Herausforderung für die kleinen grauen Zellen.
Die ganze „Handlung" passt nicht nur wieder mal ganz bequem auf einen abgeranzten Bierdeckel, sie scheint auch auf einer Fläche von der ausladenden Größe eines Dorfplatzes zu spielen. Da hätten sie das bewährte Ostblock-Revier nun wirklich nicht gegen Südostasien tauschen müssen. Immerhin ist das begrenzte Setting wiederum dramaturgisch recht schlüssig, denn bei so wenig Auslauf kann unser armer braver Dackel ja nur Amok laufen.
Ach ja, der Titelhund wird von unserem aktuellen Kampfsport-Ass des Vertauens gespielt. Genau, dem Adkins Scott. Anfangs ist er mehr ein streunender Köter, der zur Belustigung und Bereicherung seiner Peiniger, eine illustre Mischung aus zwielichtigen Weltriegsveteranen, Exil-Nazis und einheimischen Möchtegern-Potentaten, an illegalen Faustkämpfen teilnimmt. Der arme Ex-IRA-Kämpe wird allerdings auch von den Spürhunden des britischen Geheimdienstes gesucht, woraufhin ihn seine Herrchen sicherheitshalber in die zweifelhafte Freiheit des nächsten Kaffs entlassen, schließlich haben sie allesamt ordentlich Dreck am Stöckchen. Dort darf er sich immerhin mit einer schnuggeligen Einheimischen paaren, was ihm zwar sichtlich Freude bereitet, uns Zuschauern aber die erste ordentliche Wegdös-Dosis verpasst. Davon gibts dann im zweiten Drittel noch reichlich in den abgewetzten Napf, so dass man schon fast keine Lust mehr auf die finale Gassi-Runde verspürt.
Wäre allerdings schade drum. Die ist nämlich ganz abwechslungsreich und obendrein eine tolle Coming-of-Age-Sause, schließlich wird hier unser lange Zeit müder Kläffer recht rüde zum angekündigten Wildköter. Gut, zwischenzeitlich war ihm aber auch wirklich übel mitgespielt worden. Nicht nur, dass seine früheren Wärter - allen voran Ex-Nazi-Offizier Steiner (hoffentlich nicht als Hommage an Peckinpah gedacht, aber es steht zu befürchten) und sein Lieblingsscherge und Kollaborateurkumpel Jean-Pierre Rastignac (er soll eigentlich Spanier sein, aber der franzöische Name klingt halt so dufte) - ihn wieder in die Arena schicken, sie prellen ihn auch noch um sein monetäres Leckerlie und töten seine neue Ersatzfamilie samt Weibchen. Da kann man schon mal die Beißerchen fletschen.
Das eigene Ableben hält seinen schwarzen Mentor und Barbesitzer des Vertrauens Valentine (David Keith) allerdings mitnichten davon ab, weiterhin glückskekshaft aus dem Off zu brabbeln und Tillmans Genese zur tragischen Fabel auszuschwadronieren. So kommt auch eine erfrischende Ladung Humor in die grimmige Chose, wenn auch vermutlich kein gewollter. Zum Glück, denn so - und das kennen wir ja aus diesen Gefilden - ist es um ein vielfaches lustiger.
Zum Schluss wird es aber vor allem und besonders blutig. Nebenbei können wir auch beruhigt feststellen, dass Tilmann im verweichlichten Dorfidyll nicht zum Vegetarier mutiert ist. Der gute Rastignac kann eine schmerzhafte Arie davon schmettern. Abgesehen davon schmettern hier in erster Linie die klein- und großkalibrigen Feuerspritzen. Natürlich hat unser Tilman diesbezüglich ein ganz dickes Fell, soll heißen, da geht halt auch wirklich gar nix durch. Steiners Rudel ist da weniger gut ausgestattet und erleidet samt und sonders ein wenig erbauliches Schlachthof-Schicksal. Am Ende hat Tillmann dann auch noch ein neues Herrchen gefunden, dem er brav hinterher trottet. Dem Engländer an sich liegt die Jagd halt einfach im Blut und dazu ghört seit jeher ein akribisch abgerichteter Helfer. Auf Kommando darf der dann natürlich gern wieder zum Bullterrier werden.