kurz angerissen*
Für eine kleine Action-Produktion muss es eine Menge Aufwand bedeuten, die Handlung in das Indochina des Jahres 1959 zu verlegen. Kostüme, Bauten, Ausrüstung und exotische Drehorte werden plötzlich vonnöten, wenn man eine halbwegs glaubwürdige Zeitreise ermöglichen will. Alles dick geschnürte Pakete der Vorproduktion, die in einer Geschichte der Gegenwart zwar nicht wegfallen, aber doch wesentlich einfacher zu beschaffen sind.
Es kommt nun auf den Blickwinkel an, ob sich der Aufwand bei "Savage Dog" gelohnt hat. Immerhin bläst das Szenario optisch wie thematisch frischen Wind unter die B-Prügler und liefert zudem ein schickes Ambiente für harte Straßenkämpfe.
Andererseits ist ein "Savage Dog" eben kein "The Deer Hunter". Nebendarsteller Keith David führt im Off-Kommentar flapsig durch die Handlung, doch seine Monologe sind einfach nicht gut genug geschrieben, um die gezeigten Bilder mit einer interessanten neuen Perspektive zu bereichern. So haftet ihnen etwas Aufgesetztes an, insbesondere, als sie ungefähr in der Filmmitte völlig unbegründet zum roten Hering umfunktioniert werden. Wesentlich größeren Vorbildern wird hier ohne Aussicht auf Erfolg nachgeeifert; eine Feststellung, die sich nicht nur auf den Erzähler bezieht, sondern auch auf die vermeintlich überraschenden Charakterentwicklungen. Da möchte man bald zu dem Urteil kommen, der Schuster solle bei seinen Leisten bleiben.
Denn im Umkehrschluss funktionieren ausgerechnet die Kampfchoreografien nicht besonders gut. Die Ringkämpfe in der ersten Hälfte wirken plump und langsam. Etwaige Einwände, die fehlende Dynamik werde mit erhöhtem Realismus-Anspruch wettgemacht, können damit abgeschmettert werden, dass sich Regie und Schnitt im Umkehrschluss so manchen Anschlussfehler erlauben. Wenn schon während eines Kampfes in einer Wassergrube die Tattoos auf der Brust des Gegners verlaufen, kann es um die Akribie nicht so weit bestellt sein. Im letzten Drittel dreht der Film plötzlich auf, liefert Explosionen und brutale Finisher am laufenden Band, aber vielleicht wird hier auch einfach nur die schwach ausgearbeitete Motivation der Charaktere überspielt (Wenn einer von Adkins' Gegnern betont, dass er Geld braucht, um seine Familie zu versorgen, dann aber in einem Zweikampf auf Leben und Tod den stolzen Hahn markiert, bleiben doch ein paar Fragen offen, die man diesem Herrn gerne stellen würde, bevor er ins Gras beißt).
Scott Adkins schlägt sich in Krieger-Pose wie üblich sehr gut und versagt stattdessen in den emotionalen Momenten; so weit bleibt alles beim Alten. Für die Aufwände bei der Alternation des Szenarios und der Erzählweise liefert "Savage Dog" aber nicht genug Kompensation in Form ausgefeilter, hochwertiger Action; und wenn, dann nur in einer sehr unausgewogenen Verteilung. Das hat der an Gangster-Epen orientierte Adkins-Streifen "Accident Man" dann doch besser hinbekommen.
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