Review
von Leimbacher-Mario
Back On Track
Fortsetzungen nach Jahrzehnten, anders gesagt: zu späte Fortsetzungen, gelingen in dem seltensten Fällen. Zu waschechten Kultfilmen erst recht nicht. "Blues Brothers", "Blair Witch" oder "Der Pate" - keine kurze Liste, dafür umso unrühmlicher. "T2: Trainspotting" hätte sich genau dort einreihen können - tut er aber zum Glück nicht. Die Fortsetzung zum britischen 90er-Überkultfilm von Danny Boyle ist zwar kein neuer Kultfilm dieses Kalibers, nicht so frisch & unverbraucht wie sein Vorgänger, wie könnte er denn, doch auf jeden Fall ein unterhaltsamer, schicker & ziemlich cooler Film. Eine sinnvolle Fortführung der Geschichte, ein Älterwerden & Reifen der liebgewonnenen Charakter, ohne zu viel aufzuwärmen oder sich selbst zu kopieren. Kaum einer hat nach einem Sequel geschrien & trotzdem verlässt niemand das Kino unglücklich, das große Erbe wird nicht beschmutzt. Erleichterung. Danny Boyle weiss sein heikles Baby definitiv anzufassen & beweist gleichzeitig Mut wie Fingerspitzengefühl. Und Style kann er eh im Schlaf.
Etliche Jahre nach den Geschehnissen & dem drogenverseuchten Verrat aus Teil 1, kommt Marc Renton zurück nach Edinburgh & trifft seine alten "Freunde" wieder. Wodurch es kommt wie es kommen musste & sich eine neue, hyperaktive & temporeiche Geschichte voller (verlorener) Ehre, Drogen & später Erkenntnis entfaltet. Die Jungs sind alle älter, etwas ruhiger & vom Leben gebeutelt, doch im Inneren gar nicht so sehr gereift oder verändert. Der Style ist noch immer kinetisch & voller Energie, der Soundtrack wieder klasse & die Darsteller sind sichtbar voller Wiedersehenspower. Alle hatten darauf Bock. Und trotzdem ist alles ein bis drei Stufen gedimmt, nicht mehr ganz so spritzig & innovativ. Das passt zwar zum Thema des Älterwerdens & der Mitte des Lebens, trotzdem hat man selbst heute mit dem Original noch mehr Spaß. Als Doppelpack jedoch enorm stark. Sogar alleinstehend ein Film der ansteckend positiv & launig ist.
Vielleicht waren die 90er einfach cooler & trashig-interessanter, vielleicht ist es die rosarote Brille oder vielleicht passt sich "Trainspotting 2" nur den profillosen 2010ern an. Trotzdem hätte ich etwas mehr Wumms & Chaos & Drogen erwartet. Boyle & sein Team haben es noch immer drauf, Fans genießen die Bonusrunde & der Film ist definitiv eine der besseren späten Fortsetzungen. Trotzdem fehlt zum komplett alleinstehenden Hit das gewisse Etwas. Eventuell hätte eine zielführendere oder etwas beschnittenere Story geholfen, wer weiß. Für mich ist er nämlich mindestens 20 Minuten zu lang & er verliert zwischendurch gehörig an Tempo & Interesse. Doch im Endeffekt war das Original auch nicht perfekt, es gibt genug Insider zum Schwälgen & der Film ist anders als manch einer seiner Protagonisten eben nicht nostalgisch in der Vergangenheit hängen geblieben, wovor man nur den Hut ziehen kann. Ich sage JA zu dieser Zugabe, besser spät als nie. Und das Mehr an Screentime für Spud begrüße ich sehr!
Fazit: 20 Jahre später, um noch mehr Fehler reifer & im Endeffekt doch die Gleichen. "T2" hätte es zwar nicht unbedingt gebraucht & der Vergleich zum Kultoriginal hinkt, trotzdem sagt man zu einer Zugabe mit dieser schottischen Truppe nicht nein. Schönes Update & gelungene Fortsetzung der Geschichte - etwas zahmer, etwas lahmer, etwas cleaner & etwas erwachsener.