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Alles, was Sie schon immer über Sex wissen wollten“*, aber bisher nicht zu fragen wagten, ist von dem gleichnamigen Sexratgeber-Bestseller von Dr. David Reuben aus dem Jahr 1969 inspiriert, jeder filmische Abschnittstitel bzw. seine Kapitel ist eine Frage aus dem Buch, welches bei Erscheinen aufgrund eines lockeren Tonfalls und dem Frage-Antwort-Format zu einem Bestseller machte, von späteren Generationen allerdings kritisiert wurde, bezüglich Ungenauigkeiten und einer konservativen Ansicht zur Homosexualität* (*Ein Kapitel namens „Was macht einen Mann homosexuell?" befindet sich in den Produktionsmaterialien, aber nicht im fertigen Film.) Die Filmrechte selber wurden ursprünglich von Elliott Gould und Partner Jack Brodsky im Mai 1970 gekauft, allerdings kein zufriedenstellendes Drehbuch zustande gebracht, Allen überredete dann Gould zur Arbeit daran, ausnahmsweise auch in Los Angeles statt wie sonst immer in New York wegen Streitigkeiten mit der Gewerkschaft gehalten; Produktionsfirmen sind die ursprünglichen Rechteinhaber Brodsky-Gould Productions sowie die für Allen vertrauten Jack Rollins-Charles H. Joffe Productions:

Einer der bekanntesten Filme von Allen wahrscheinlich, schon wegen dem Thema, den Darstellern, der Anzüglichkeit und dem Gang als Komödie, als Satire, als Parodie, anekdotenhaft und episodisch schon durch die Struktur, die vorgegeben und übernommen worden ist, den leichtfüßigen Ton, der dem Thema die Befangenheit und die Komplexe nimmt. Die Titelkarten mit den Hunderten von weißen Hasen, von weißen "Rammlern" wurden genauso in die Popkultur aufgenommen wie einige der Sketche, speziell der Sperma-Wettlauf, "Let's misbehave" als einleitender Song, dann mit "Wirken Aphrodisiaka?" begonnen, ein shakespearianisches Stück, nämlich aus Hamlet, mit einem Festschmaus gestartet, Allen insgesamt durch den Film als Darsteller, als Hofnarr hier, es wird nicht nach dem König dem Munde geredet, das Fest ist vorüber, dem Wortwitz wird freien Lauf gelassen ("Vergebt mir Madam, ich bitte um Pubertät?"), es wird sich an das Publikum gewandet, durch die vierte Wand gesprochen, popkulturelle Referenzen gemacht, die Szenerie bühnesk, mit Nebel im Studio oder in einem labyrinthischen Garten eingelullt, eingehüllt und damit gefangen, eine mittelalterliche Geschichte, ein Stück für das Theater, als alberne Klamotte, die auch komplett in einen Erotik- oder Sexfilm umschlagen könnte, hier aber Züchtern bleibt, außer auf der Tonspur und den Andeutungen, "Das ist keine Posse, oder irgendein Spiel", "Oh, wie diese Leidenschaft in mir wächst.", ein (weniger oder mehr) erotisches Spiel, dass mit einem Keuschheitsgürtel endet, tölpelhaft das Rittergeschehen, die Pforte zur Ekstase, das königliche Schatzkästchen zu öffnen, die bildhaften Pointen werden eingeworfen, die Bredouille.

"Was ist Sodomie?" lautet der zweite Sketch, das Schelmenstück, in der Jetztzeit spielend, noch der Erste, der nach dem Allen von später wirkt und aussieht, ein Arzt in der Praxis, den ganzen Tag lang, der abends noch einen Kunden bekommt, einen armenischen Schafhirten, eine Psychoanalyse, kein Thema für einen praktizierenden Hausarzt, Wilder schauspielerisch eine Wohltat, ein einfaches, offenes, ehrliches Spiel, den Klienten ernst genommen, trotz seines Schockzustandes, trotz seines Standes als Humanmediziner, nicht dem des Tierarztes, das Schaf wird hereingebracht und vorgestellt, alles ernst gespielt, ein seelisches Problem, ein Psychiater wird empfohlen, in ruhigen Aufnahmen, ein süßes Schaf, die Daisy, es wird sich einander vorgestellt, eine Bindung aufgebaut, ein Gut zu Reden, eine Einführung. Der Mann hat einen langen Tag, hatte einen langen Tag, er ist verheiratet, er wird von seiner Frau komisch angeschaut und nachgefragt. Später gibt es ein Privatbesuch, Kassen getrennt von W1 und W2 und W4, es wird aus der Praxis 'entflohen', im Hotel eingecheckt, "Bitte nicht stören", der Doktor lässt es sich gut gehen, er sorgt für Gaumenschmaus und einen ruhigen Abend, es wird fern einer Chronologie erzählt, Glück und Entspannung geschaffen, im entspannten Zustand, eine Liebesaffäre mit Leid und Leiden.

Wieso manche Frauen nur schwer zum Orgasmus kommen können, wird in der nächsten Episode gefragt, wieder ein typisches New Yorker Szenario, eine größere Feier, viele Gäste, eine Hochzeit ward geschehen, eine Braut noch vorgestellt, auf der Torte obendrauf und dann in einer Parodie, eine Hommage auf Antonioni & Fellini, in 'Fremdsprache' auch, das erste Mal, das Jungfernhäutchen noch da, es wird nach Frigidität und Vorspiel gefragt, sechs Wochen jetzt ein Paar, bei einem anderen Mann nachgefragt, die erogenen Szenen vom Vater der Braut schriftlich bekommen, selbst die Kirche befragt, Allen hier als Amortisierer, mit einem brennenden Vibrator. Durch die Stadt und die Kunst wird gewandelt, gewandert, die Frau ist sowieso wie unlebbar gezeichnet, wie enttäuscht, wie seelenlos, kühl insgesamt das Gehabe, er hat eine Depression, sie taut plötzlich auf, ein Zauberort geschaffen, "Das Leben spielt mir verrückte Streiche.", die anderen Männer wissen besser Bescheid, die Frau als das unbekannte Wesen, nach Oskar Kolle auch, hier mit mehr Körpereinsatz der Schauspielerin auch, ein frivoles Stück.

"Sind Transvestiten Homosexuelle?" wird anschließend gefragt, ein New Yorker Geschichtswesen, Kopfschmerzen hat der Mann, die Frau schiebt es auf Psychosomatik, die Tochter hat ihre eigene Meinung gegenüber ihren Erzeugern und Erziehern, es werden die Gegenüber, der Freund und seine Eltern vorgestellt, draußen auf dem Lande, weit von der Großstadt und seiner Sicherheit entfernt. Eine edle Gesellschaft hier, mit eleganten Kleidern, mit einem großen Gut. Der Ehemann geht auf Wanderschaft durch die Zimmer, der Kleiderschrank der fremden Frau hat es ihm angetan, es muss es anprobieren, es wird auf Spannung gegangen, eine Slapsticktour mit Verstecken und Entdecken, mit problematischen Situationen, auf der Straße gelandet, erst von den Frauen fürsorglich aufgenommen, dann ein Menschenauflauf, dann ein riesiges Polizeiaufgebot. Ein Eklat beinah, das Vorspiel für "Was sind Perverse?", die nächste Einheit, nach einem Werbespot, vor einer Rateshow, spendiert von Lancer, dem Haargleitmittel, zwei Männer küssen sich im Hintergrund, das Geschehen ist s/w gehalten, eine Fernsehaufnahme, die Raterunde gibt weiter, man hört das Lachen aus dem Publikum, es gibt Geld für jede falsche Antwort, der Zuschauer ist eingeweiht, der Moderator auch, nur die Ratenden nicht, und der Gewinner der Woche wird auch vorgestellt, vorher die Art der Perversion per schriftlichen Wege eingeschickt, zuletzt wird ein Rabbi gefesselt und gezüchtet, eine Dominanz und ein Machismo, ein eher missglücktes Stück.

Vielleicht hätte man die Handlung einheitlich halten sollen, es wird zu kurz vorgestellt, manches scheitert von Beginn an, manches ruht sich auf der Prämisse aus. Im Nachfolgenden Teil wird eine Handlung wieder angedeutet, es geht um Sexualforschung, um Berichte darüber, Reportagen und wissenschaftliche Treffen, ein Dreier-Gespann plus einem Butler, der Forscher ist affektiert in seinem Verhalten und agitiert, es scheint kein angenehmer Abend zu werden, es wird sich empört, es werden Experimente vorgeführt und Ergebnisse präsentiert, es wird über die Unmoralität der Experimente gestritten, es wird Angst verbreitet, es geht in den Horror, ein Missbrauch und viel Knall und Rauch, es ist der Plot mit der "Gigantischen Titte", ein sehr spezielles Unikat, ein Albtraum gleich, eine Moritat, surrealer Schabernack, mit einer Lehre hinten raus. Mit am bekanntesten ist natürlich das Geschehen um die Ejakulation, das Wettrennen der Spermien, "Die haben da unter Probleme mit der Technik.", eine Referenz an Die phantastische Reise (1966) und Vorbild für Die Reise ins Ich (1987),"Erektion fortsetzen, volle Kraft voraus", viele POV-Shots zusätzlich, "Das ist nicht der Augenblick, an unserer Mission zu bezweifeln."










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