Review
von Leimbacher-Mario
Nimmt L.A. auseinander! #nofilter
"Ingrid Goes West" ist eine bitterböse und herrlich ehrliche schwarze Komödie über eine junge Frau, die nach einigen Schicksalsschlägen in die Stadt der Engel zieht und sich dort ziemlich perfide in das Leben einer Instagram-Königin einschleicht... Es geht natürlich um Stalking, Besessenheit, falsche Vorbilder - aber fast noch mehr um die schöne Scheinwelt, nicht nur Hollywoods. Das Vakuum hinter den tausenden Followern und gestellten Hochglanzfotos wird schnell klar, das modernde Weltbild einer ganzen Generation entlarvt. "Ingrid Goes West" ist meist bissig und wird einigen Leuten weh tun. Gut so.
Aubrey Plaza spielt die isolierte und psychisch angeknackste Ingrid gnadenlos gut, führt die Komödie manchmal sogar Richtung Thrillergefilde. Man fühlt ihre Einsamkeit und sie ist mal gruselig, mal bemitleidenswert, immer glaubhaft. Allgemein wird die sonnige Welt L.A.'s stark getroffen und chirurgisch aufgeschnitten. Jeder der mal dort war, wird Figuren und Menschen wieder erkennen. Doch auch international funktioniert die düstere Gesellschaftskritik, die ebenso gut eine Folge "Black Mirror" sein könnte, hervorragend. Denn egal ob am Strand von Malibu, im Club in Berlin oder der Innenstadt Tokios - hier werden sich nicht wenige wieder erkennen und hinter ihren virtuellen Masken fragen, ob das denn alles der richtige Weg ist. Und ich meine natürlich nicht die Ingrids da draußen...
Fazit: hält den scheinheiligen und oberflächlichen (a)sozialen Medien erbarmungslos einen entlarvenden Spiegel vor. Zudem noch eine interessante Charakterstudie über Einsamkeit und Eigenständigkeit. Einer der wichtigeren Filme der Generation Instagram. Ziemlich stark!