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Eine letzte, blutige Runde

"Logan" ist kein normaler X-Men-Film. Er ist keine reine Comicbuch-Verfilmung, nicht mal nur Wolverine für Erwachsene oder mal ein etwas anderes Superhelden-Spektakel. Er ist viel mehr als das. Kurz: jetzt schon einer meiner drei liebsten Filme im X-Men-Universum (neben "First Class" & "X2"), eine emotionale Bombe, messerscharf & ein Abschied von einer Generation Helden, wie man ihn sich kaum stimmiger hätte malen können. Das wird ganz schwer zu toppen sein von den restlichen Filmen des Jahres im Comicbuch-Genre. 

Part Drama, Part Western, Part Roadmovie, Part Hoffnungsschimmer, Part Coming-Of-Age-Story - "Logan" ist vielseitig, voller Melancholie & reifen Themen, wunderschön brutal & eine der markantesten Comic-Verfilmungen, die das super populäre Genre bisher hervorgebracht hat. Ganz nebenbei natürlich auch der mit Abstand beste Wolverine-Film, doch das war nach den zwei mauen Vorgängern keine wirkliche Leistung. Regisseur James Mangold bekam wohl endlich freie Hand, der Film & alle Beteiligten zeigen Eiger, Hugh Jackman geht mit einem wohlverdienten Knall.

Die minimal & etwas dünn gehaltene Geschichte handelt von einem geschundenen Logan, der im Jahr 2029 einer der letzten Mutanten auf der Erde ist & auf seine senile, gebrochene Vaterfigur Prof. Charles Xavier aufpasst. Bis eine kleine Mutantin auftaucht, die Logan sehr ähnlich ist & von einer brutalen Organisation verfolgt wird. So beginnt ein Ritt durch Staub, abgetrennte Gliedmaße & große Fragen, wie, was das eigene Leben verändert hat, ob sich das Kämpfen noch lohnt & wie es so weit kommen konnte. Anhand des genialen, mit Johnny Cash-unterlegten Trailer & der Inhaltsbeschreibung kann man einige Halts des mitreißenden Ritts zwar schon vorausahnen, trotzdem hält "Logan" noch einige Überraschungen, Tiefschläger & Tränen bereit. 

Endlich der rigoros brutale Wolverine aus den Comics, den sich alle schon immer gewünscht haben. Endlich ein Comicfilm mit eigenem Stil, der mutig herausragt & mit nichts vergleichbar ist. Endlich ein X-Men-Film, der sogar funktionieren würde ohne Mutationen oder Superhelden-Kräfte. Ein erfreulicher Independent-Vibe legt sich über den blutigen Staub, direkt neben eine tiefgreifende Emotionalität, die sich fast zwei Dekaden aufgestaut hat & sich nun im kleinen, kraftvollen Rahmen entlädt. 

"Logan" konzentriert sich auf die Charakter, auf seine drei Hauptcharakter. Eine bedrohliche & nachdenkliche Stimmung wird aufgebaut, realistische Themen werden (leider nur) angeschnitten & die Action ist so direkt, roh & ungeschnitten, dass man sich etwas ärgert, warum das nicht schon viel früher so ging. Man freut sich zudem endlich mal über einen "Superheldenfilm" (extra in Klammern), den man in 2D genießen kann & nicht unnötiges 3D aufgezwungen bekommt. Passt hervorragend zum bodenständigen & ruhigen Ton. 

Der kantige Soundtrack verleiht noch mehr Gravitas, die junge Dafne Keen ist eine phänomenale Entdeckung als sprachscheue Mini-Wolverine & Jackman/Stewart werfen alles rein, was die alten Männer noch im Tank haben. Gerade Stewarts Performance als extrem alter, gebrächlicher   & gebrochener Prof. X oder auch Wolverines Kampf mit sich selbst, seiner Vergangenheit & Zukunft, geben Momente her, die man so schnell nicht vergisst. 

Ein Film, der nachhallt & eine Ausnahmestellung, nicht nur in seinem Franchise, einnimmt. Wenig Popcorn, wenig Farbe, kein End-Credit-Szene, keine Gnade - "Logan" ist eher eine Kreuzung aus (dem selbst zitierten) "Shane" mit dem Vibe eines "Terminator". Frischer, schwerer Wind im Superhelden-Genre, den man gerade von der X-Men-Reihe am wenigsten erwartet hätte. Bis auf eine etwas ziellose Geschichte & quasi nonexistenten Gegenspielern, hält "Logan" alles was man sich nach dem Trailer versprechen konnte. Und mehr. Wird die Zeit überdauern!

Fazit: DER definitive Wolverine-Film! Ein feuchter Traum für Fans & ein Abschied, wie er kaum besser, persönlicher, emotionaler hätte sein können. Krallt sich mit Nachdruck am Comicolymp fest, ist dabei aber eher Roadmovie, Western, Denkmal, Hackplatte. Bravo & Danke für die tolle Zeit meine Herren!

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