Review
von Leimbacher-Mario
Selfmade Magneto
Besonders unter Indieproduktionen scheinen Filme mit dunkelhäutigen Darstellern seit einigen Jahren zu fluorieren. Was einen natürlich freut und frisch wirkt und überflüssig war. Schade nur, dass den meisten Filmguckern solche Titel eher verborgen und fremd bleiben, sich im Mainstream in dieser Richtung doch erheblich langsamer etwas bewegt. „Sleight“ ist eine solche „schwarze Perle“. Es geht um einen jungen, smarten Strassenzauberer in L.A., der sich nebenbei mit ungefährlich scheinenden Drogengeschäften etwas dazu verdient. Doch als seine Verbindungen zu den Gangstern seiner Gegend ihm zum Verhängnis werden könnten, muss er seine „magischen Skills“ auf ein komplett neues Level heben, um nicht unter die Räder zu kommen...
„Sleight“ ist eine coole kleine Produktion, sympathisch und konzentriert. Sicher fehlen ganz große Highlights, Effekte oder Action, doch manchmal sind es ja die kleinen Dinge, die hängen bleiben und, wie bei der Strassenmagie, verzaubern. Hier wären das z.B. die bisher unbekannten Darsteller, die echt und greifbar und nett wirken. Außerdem effektive CGI, die sich harmonisch und unbemerkt einfügt, nie übel aufstößt. Realistisch ist die (doch recht vorhersehbare, simple) Geschichte zwar nicht, wer gerne Dinge hinterfragt oder eine kleinkarierte Filmfantasie besitzt, ist hier falsch. Viel eher wirkt das hier wie eine Indie-Version eines neuen, naiven Tony Stark. Oder Stephen Strange. Nur mit größerer sozialer Relevanz und einem dann doch wesentlich realistischeren Background. „Sleight“ ist ein typischer Streamingtitel, im positiven Sinne. Mehrmals gucken oder in der Sammlung haben, muss man ihn nicht. Doch seine 90 Minuten unterhält er stark und seine begrenzten Mittel macht er sich zur Stärke. Und selbst ohne minimierte Superheldenassoziationen ist es eine eindringliche Geschichte über den Glauben an die eigene Stärke, den Erfindungsreichtum und das Durchhaltevermögen. Und einem geschickten Protagonisten, dem man im Kampf gegen den Teufelskreis der Gewalt und der Kriminalität von Anfang an die Daumen drückt. Selbst wenn er in echt wahrscheinlich mit seinen Fähigkeiten und seinem Intellekt niemals in einer solchen Zwickmühle gelandet wäre.
Fazit: was wäre das für eine Superhelden-Origingeschichte?! „Sleight“ ist originell, emotional und (im besten Sinne) persönlich. Kein Gamechanger, aber eine packende Mixtur aus „Chronicle“, „Dope“, „Kicks“.