Review

kurz angerissen*

Nicht mehr einfach nur moderne Revenge-Action, die in einem Boot mit „Taken“ und „The Equalizer“ den Strand zu erreichen versucht, sondern Panel-Kino ist „John Wick 2“ geworden, mit dem dicken Tuschestrich einer markanten Graphic Novel, der Überstilisierung eines Neon Noir der Marke „Thief“ und einer Überbetonung der Regeln eines Gangsterfilms, die zwangsläufig mit Augenzwinkern genommen werden müssen. Weil der ohnehin konstruierte erste Teil keine echte Möglichkeit einer ernsten Weiterentwicklung des Plots bot, kann man nur dankbar sein, wohin sich das Franchise entwickelt; dass man sich nach der kargen Ausgangsidee nun tatsächlich noch auf einen dritten Teil freut, konnte nur auf diese Weise sichergestellt werden.

Dass Keanu Reeves als Titelfigur im maßgeschneiderten Anzug (bei der entsprechenden Szene fühlt man sich nicht umsonst an den Bestatter aus den Lucky-Luke-Comics erinnert) Schergen im Hunderterpack aus dem Weg räumt und der Kugelverbrauch dabei kaum über dem Bodycount liegt, führt abgesehen von der furios gefilmten Auftaktsequenz mit Auto- und Zweikampfszenen zwangsläufig zu einem repetitiven Empfinden der Action; es ist sogar ein Statement der Humorlosigkeit, dass die Treffsicherheit Wicks nicht ein einziges Mal ironisch gebrochen wird.

Die mitunter sogar Pfade des Neo kreuzende Übermenschlichkeit Wicks mag mechanisch gesehen ermüden, sie eröffnet jedoch zugleich ganz neue Perspektiven auf das Universum des Einzelgängers, das schichtweise einen gigantischen Apparat der organisierten Kriminalität freilegt, der so präzise funktioniert wie ein lange geplanter Flashmob; in dieser künstlichen und gemeinhin auch kunstvollen Welt ist eben kein Platz für Menschlichkeit. Und das ist zur Abwechslung auch mal interessant anzusehen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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