Review

*** SPOILERWARNUNG ***


Die erste Szene der Fortsetzung des erfolgreichen Actioners von 2014 beginnt mit der Projektion einer Filmszene mit Buster Keaton auf eine Hauswand. Und so wie dieser in seiner Zeit manch halsbrecherischen Stunt auf die Leinwand brachte, schickt sich Regisseur Chad Stahelski an, dies auch mit dem erneuten Auftritt des wieder von Keanu Reeves verkörperten Profikillers John Wick zu tun.

Der rasante Einstieg bietet schon eine fein choreographierte Actionsequenz, die sich wie ein Abschluss des Vorgängers anfühlt. Denn John will endlich sein Auto zurück, das ihm einst entwendet wurde. In dieser mit einem Auftritt von Peter Stormare geadelten Sequenz gibt’s gleich noch für Unkundige etwas Exposition zur Hauptfigur und seiner Motivation aus dem Vorgängerfilm – danach dürfen erst mal die Credits ran.
Aber schon nach dieser einleitenden Sequenz ist klar: Das hier soll größer werden. Es zeichnet sich früh ab, dass man gewillt ist, John mehr Übermenschlichkeit zuzugestehen, aus ihm einen quasi-Comichelden zu machen.
Und so startet John in einen neuen Tag und wir mit ihm in das neue Kapitel, in welchem er erneut aus seinem geplanten Ruhestand zurückgeholt wird. Nicht freiwillig, denn nachdem er einen Gefallen für einen alten Bekannten abgelehnt hat, hat dieser durchaus überzeugende Argumente, sodass John den Auftrag doch annimmt. Denn er steht in der Schuld des Mafioso Santino D'Antonio und soll nun für diesen jemanden beseitigen.

Die Geschichte bleibt zweckdienlich, doch vergrößert Teil zwei die (Parallel-)Welt, in der sich die Figuren bewegen. Da gibt es Medaillons mit blutigem Fingerabdruck, die zum Handeln nötigen. Es ist von einer Dachorganisation, dem „High Table“, die Rede. Und das den sicheren Hafen bedeutende Hotel „The Continental“ hat mehr als nur eine Filiale. Man merkt Stahelski und dem Skript von Derek Kolstad an, dass hier etwas aufgebaut, befüllt und weitererzählt werden soll. Das war in dem (nicht despektierlich gemeint) kleinen Szenario des Vorgängers nicht nötig oder möglich. Als Fortsetzung einfach genauso weiterzumachen wäre fad gewesen und so ist die Erweiterung der Welt eine logische Folge. Trotzdem hat dies auch seine Schattenseiten, denn die Geradlinigkeit bzw. der Fokus, den ich am Erstling schätze, geht dadurch zu einem gewissen Teil flöten.

Dafür ist das hier auf visueller Ebene wieder sehr gekonnt in Szene gesetzt. Dan Laustsen hinter der Kamera sorgt für klare und stilsichere Bilder. Sieht immer chic aus, gern wirken die Räume durch die gewählte Perspektive groß, Lichtquellen und Farben oft kräftig. Die Gewalt ist durchgestylt, parallel geschnittene Ausstattungsszenen oder Kills betonen das, was hier zählt. Die musikalische Untermalung wirkt da mit ihren treibenden oder rockigen Rhythmen eher generisch, untermalt das Gesehene aber ausreichend.

Stil steht hier überhaupt im Vordergrund, Stahelski weiß um die Stärken des Franchises und die liegen weniger in dramatischer Komplexität, denn in visueller Gestaltung und der Action. Daraus macht er hier keinen Hehl, fokussiert auch die Fortsetzung auf ihre Kernkompetenzen mitsamt des Worldbuildings und liefert ab. Die Gewichtung zwischen der Geschichte, Vorbereitung und dem Krawall ist stimmig, gerade Letzterer bietet diverse Highlights. Dabei geht das Ganze noch unrealistischer als im Vorgänger vonstatten, Wick mäht sich durch die Massen und kann letztlich froh sein, dass die von ihm beseitigte Dutzendware so zielsicher ist wie ein Stormtrooper.

Die Besetzung ist wieder bzw. immer noch sehr passend gewählt. Keanu Reeves trägt die Rolle so gut wie die nach Maß gefertigten Anzüge, wieder agiert er wortkarg und stoisch und doch bleibt er der Bezugspunkt. Ian McShane als Hotelmanager ist immer ein Gewinn, Lance Reddicks Auftritte als Rezeptionist Charon finde ich erneut erfrischend. Von Ruby Rose als Killerin Ares hätte ich gerne mehr gesehen, mir schien die Figur etwas verschenkt. Laurence Fishburnes Episode als weiterer Eckpfeiler in dieser Welt der Killerbrigaden wirkt nicht perfekt integriert, auch Riccardo Scamarico als Santino ist keine wirklich interessante Figur.

Durchgestyltes Tötungsballett, Kapitel zwei. Stahelski und Kolstad erweitern ihre Welt und vergessen dabei nicht, diese wieder in ansprechende Bilder zu verpacken. Die Actionsequenzen feiern den gesteigerten Bodycount, auch in der Fortsetzung mäht sich Wick durch die Gegnerhorden, wird hier aber auch zu einem unkaputtbaren Helden stilisiert. So geht ihm zwar der dem Vorgänger nicht ganz fremde emotionale Bogen ab, liefert dafür aber brachialen Chic mit Blut und Stil.

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