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Zu cool des Guten


In Filmen werden oft dumme Entscheidungen getroffen, nur um die Story am rollen zu halten. Aber fragwürdige Wege und strunzdumme Ideen in einer Häufung wie in „Get The Girl“, sieht man selten. Egal ob in Real Life oder im Kino. Und das alles, während sowohl Drehbuchschreiber als auch die Charaktere selbst meinen, wie saucool und schlau sie denn agieren. Das ist schon ein auffälliger Widerspruch. Vielleicht sogar bewusst so gemacht. Hat mir „Get The Girl“ dennoch Spaß gemacht? Ja schon, zumindest etwas. Aber obwohl es erst ein paar Stunden her ist, seitdem ich ihn geguckt habe, habe ich schon erstaunlich viel aus ihm vergessen oder verdrängt - was natürlich nicht gerade für ihn spricht... Der augenzwinkernde Thriller handelt von einem Typ, der sich in eine attraktive Barkeeperin verliebt. Auf Anhieb weiß er, dass sie die richtige für ihn ist. Und was gibt es besseres zu ihrer Überzeugung von ihm, als eine fungierte Entführung, bei der er am Ende heldenhaft als Retter dasteht?! Ja, genau, da fallen jedem schon ein paar hundert cleverere Idee ein. Aber das ist nunmal die Ausgangslage und die Welt, in der sich „Get The Girl“ bewegt. 

Schon wenn das legendäre Orion-Logo zu Beginn die Leinwand ziert, weiß bzw. hofft man, dass einem hier ein fetziger B-Movie ohne wirkliche Verschnaufpausen um die Ohren fliegt. Und das Tempo dieser quirligen Produktion ist auch definitiv eine ihrer Hauptstärken. Da kriegt man kaum Zeit allzu lange über Dummheiten, Realismus und Logik nachzugrübeln. Das macht oberflächlich schon Spaß, das geht ab. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Von den Glanzzeiten und Höhepunkten der Marke „Orion“ kann diese Fingerübung aber nur träumen, davon ist sie nur ein blasser Abklatsch. Nicht böse genug, nicht bissig genug, nicht fies genug. Der Ton weiß oft nicht ganz wohin (nie allzu witzig, nie wirklich spannend) und vor allem der Hauptdarsteller ist absolute Vanille - heißt: langweilig und allerweltlich, ein weißes Blatt. Da drückt man seiner Angebeteten glatt die Daumen, dass sie das ähnlich sieht und sich fast noch für den „Bösen“ entscheidet, der immerhin etwas mehr Charakter und Charisma hat. Da reißen es dann ein paar saftige Blutfontänen und nicht unbedingt vorhersehbare Wendungen auch nicht mehr ganz raus. „Get The Girl“ ist ein Zwischensnack, bei dem man seine Unbekanntheit sofort verstehen kann. Wenn das Orion in den 2010ern ist, dann gucke ich mir viel lieber deren „Klassiker“ zum dreißigsten Mal an und behalte den Sternengürtel in ganz anderer Erinnerung. Nicht schlecht. Aber irgendwie... egal?! 

Fazit: kurzweilig und knackig, wild und unberechenbar, genauso wie unsympathisch und dumm, abgenutzt und flach. Ein möchtegern-hipper Thriller, der gefühlt den Rekord für dumme Entscheidungen und blöde Figuren bricht. Aber auch das kann auf seine gewisse Art ja auch Spaß machen... Insgesamt aber doch sehr gewollt, angestrengt, aufgebauscht und künstlich lässig. 

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