Der Spanier Álex de la Iglesia ist bekannt für seine grotesken Ergüsse mit skurrilen Figuren und schwarzhumorigen Einschüben. In „El Bar“ wandelt er auf den Spuren eines Kammerspiels, welches sehr stark einsteigt, dann aber den Fokus ein wenig aus den Augen verliert.
Eine heruntergekommene Bar in Madrid am Morgen: Außer der Besitzerin und ihrem Kellner befinden sich neben der hübschen Elena noch fünf weitere Gäste, als jemand direkt vorm Eingang per Kopfschuss niedergestreckt wird. Kurz darauf erwischt es einen zweiten, während die Straßen plötzlich menschenleer sind und kurz darauf sind auch die beiden Leichen verschwunden…
Die Handlung wird rasch und gleichermaßen geschickt aufgebaut, als die späteren Gäste der Bar mit kurzen Einstellungen auf den noch belebten Straßen gezeigt werden. Elena wollte eigentlich nur ihr Handy aufladen, die Spielerin mittleren Alters treibt es ohnehin jeden Tag zum Automaten und auch der Obdachlose Israel versucht täglich etwas abzustauben, während Hipster Nacho nur einen ruhigen Ort zum Entwickeln am Notebook suchte. Eine illustre Truppe, teils recht klischeebehaftet, anderweitig mit recht markanten Individuen ausgestattet.
Speziell die Fragen nach den Hintergründen erweisen sich als spannend und offenbaren zahlreiche Parallelen zu zeitgenössischen Extremsituationen. Vermutet die Polizei einen Terroristen in der Bar? Ist eine Pandemie ausgebrochen? Eine Zombieseuche? Oder soll gar etwas im großen Stil vertuscht werden? Natürlich machen sich die Gäste Gedanken und es dauert nicht lange, bis einige Leute paranoide Verhaltensweisen an den Tag legen, andere versuchen die Ruhe zu bewahren, während Egoismus beim Überlebenskampf schon immer einen wichtigen Aspekt darstellte.
Leider handeln einige Figuren ziemlich behämmert und treffen sinnfreie Entscheidungen, was die Glaubwürdigkeit im Verlauf reichlich abschwächt. So soll sich Elena in Unterwäsche und mit Litern von Olivenöl am Körper durch eine schmale Öffnung zur Kanalisation zwängen, - kurz darauf fällt einem ein, dass man ja das Loch mittels Brecheisen vergrößern könnte, auf dass alle durchpassen. Und während sich jemand relativ grundlos für die Gruppe opfert, gibt es kleinere Zweikämpfe und Rangeleien, ein Feuer oberhalb, eine Eisenstange und eine Knarre und ganz viel braune Brühe.
Der Überlebenskampf auf engem Raum wird vor allem physisch spürbar, während er auf psychischer Ebene nicht immer ganz nachvollziehbar ist. Ohnehin schwächelt die Geschichte im Mittelteil deutlich, denn es mangelt an Impulsen von außen, die Machtspielchen in der Gruppe wirken beliebig und oftmals unpointiert und der Showdown mit entsprechender Auflösung offenbart, dass die Geschichte nicht komplett zu Ende gedacht wurde.
Der Humor zündet indes kaum bis gar nicht, obgleich einige Dialoge wunderbar bissig und die Darsteller mit viel Engagement bei der Sache sind. Kameratechnisch stechen einige schräge Perspektiven ins Auge und auch die Sounduntermalung ist sehr gut abgestimmt, wogegen die Gewalteinlagen bis auf einige Kopfschüsse gegen Null tendieren. Aufgrund des allgemein flotten Tempos und dem immer wieder vorkommenden Zynismus recht unterhaltsam, doch einer starken ersten halben Stunden steht ein lediglich durchschnittlicher Rest entgegen.
6,5 von 10