Beschwingte Depressionen in Helsinki
Aki Kaurismäki ist ein Schlawiner. Ein willkommener Weltverbesserer & vielleicht sogar Gutmensch im besten Sinne des Wortes. Nur ganz Wenige können ernste aktuelle Themen (wie hier die Flüchtlingskrise) so locker & leicht verpacken, ohne den Themen ihre Ernsthaftigkeit & Brisanz zu rauben. Eine Qualität, die ihm den Stempel "besonders wertvoll" verpasst. Er ist eine Art finnischer Jim Jarmusch, nur etwas politischer gefärbt. Comedy kann er genauso gut wie relevante Themen, sein neuster Streich "Auf der anderen Seite der Hoffnung" zeigt dies nachdrücklich. Die Krise des Jahrzehnts kann keiner so schrullig & menschlich kommentieren wie er. Da steigt die Vorfreude auf Teil 3 seiner inoffiziellen Immigrations-Trilogie. Erzählt wird die traurige & gleichzeitig hoffnungsvolle Geschichte des illegalen syrischen Einwanderers Khaled, der in Finnland Asyl sucht & die Hoffnung nicht aufgegeben hat, dass seine Schwester noch lebt. Dabei trifft er auf den urfinnischen Restaurantbesitzer Waldemar, der ihm nach zwei blutigen Nasen hilft...
Eine thematische Fortsetzung zu seinem "Le Havre", ist "Die andere Seite der Hoffnung" nicht so trist, trüb & hoffnungslos, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Ganz menschlicher Witz, nur eben mit tiefergehendem Effekt. Und das ganz beiläufig. Der alles bestimmenden & scheinbar ausweglosen Krise, wird mit einer Verletzlichkeit & Tollpatschigkeit gegenübergetreten, dass der Film mit so gut wie nichts vergleichbar ist & im Magen guttut. Dass er dabei nie naiv oder lebsch wirkt, muss ihm hoch angerechnet werden. Wenn sich der verschlossene Finne & der hoffnungslose Syrer annähern & langsam kennenlernen, ist das Völkerverständigung per excellence. Alles getragen von einer Situations- & Dialogkomik, wie sie nur aus diesen nordischen Gefilden kommen kann. Nur von Kaurismäki. Dass der Film klassisch schick aussieht, tolle einheimische Musik bietet & starke Schauspieler, ist das Tüpfelchen auf dem I für Integration. Hier ist alles international & wortwörtlich grenzenlos: der Humor, die Menschlichkeit & die gemeinsamen Werte, weit über Religion hinaus.
Fazit: leicht & doch ernst. Lustig & doch nachdenklich. Kalt & doch warm. Einwanderungsdrama & (Miss-)Verständnis-Komödie. Aki Kaurismäki gelingt eine genussvolle Gratwanderung, womit er sich endgültig zu einem der europäischen Arthouse-Prinzen kührt.