Sand, Blut, Angst und ein schmerzhaftes "Warum?"
"The Wall" ist Doug Liman in seinem konzentriertesten Zustand. Wenn er gut drauf ist kommen Knaller wie "Edge of Tomorrow" dabei heraus, wenn er einen schlechten Tag hat kann auch schonmal Murks wie "Jumper" dabei rauskommen. "The Wall" siedelt sich eher im oberen Drittel seines qualitativen Outputs an. Ein kleiner, harter und pessimistischer Kriegsfilm. Das Gegenteil des ebenfalls von Liman gemachten "American Made" im selben Jahr. Eine Amazon-Produktion, die man jedem Kriegsfilmfan ohne Bedenken empfehlen kann. "Lone Survivor" meets "Phone Booth". Ein Setting, ein Sniper, eine Mauer - das war's. Simpel und tödlich, effektiv und pulstreibend.
Viel kann und muss man über "The Wall" nicht schreiben. Nur dass er ein ziemlich schlauchendes Erlebnis sein kann. Die Atmosphäre ist angespannt, die Bilder sind schonungslos und sandig, die Bedrohung ist allgegenwärtig vom ersten bis zum letzten Frame. Und mittendrin ein Aaron Taylor-Johnson, der von Jahr zu Jahr besser wird und mittlerweile auf einem Level spielt, das ihm sogar diese One-Man-Show locker tragen lässt. Seine jederzeit glaubhafte und nachdrückliche Performance ist Grund genug dem Sniper-Anti-Spektakel eine Chance zu geben. Wenn man nicht gerade epische Bilder und ständige Schusswechsel erwartet, könnte man positiv überrascht werden. Als Tüpfelchen auf dem i bekommt man eines der niederschmetterndsten Enden seit Jahren serviert. Nicht so schnell vergessen!
Fazit: intensives Wüsten-Kammerspiel, das vor allem durch einen überragenden Taylor-Johnson im Kopf bleibt. Für Fans realistischer und bodenständiger Kriegsgemälde. Oder eben One-Setting-Spannungsbildern ala "Buried".