Um am umkämpften TV-Markt überleben zu können, müssen auch kleine Sender ein besonderes Zugpferd entwickeln: Beim titelgebenden privaten Sender Kild-TV ist dies eine Freitagabend-Show über spektakuläre Mordfälle, die von Milton Web (D.C. Douglas) alias Dr. Perseco moderiert wird und sich bereits ein kleines Stammpublikum sichern konnte. Mit seinem exaltierten Auftreten inklusive blutiger Bühnendekoration ist der Mittfünfziger so etwas wie das Aushängeschild des Privatsenders, der nebenher auch eine Nachrichtensendung (Channel 6) im Programm hat und sich ansonsten durch viele Werbeblöcke finanziert.
Eines Abends, als sich Dr. Perseco, diesmal mit neuer Assistentin, auf seine gruselige Show vorbereitet und nur noch eine kleine Crew im Sendergebäude anwesend ist, kommt es zu einem Mord, der aber zunächst unentdeckt bleibt. Als schließlich ein Techniker erstochen aufgefunden wird, müssen die Angestellten feststellen, daß nicht nur sämtliche Handies keinen Empfang mehr haben, sondern auch alle Leitungen tot und sie überdies im Gebäude eingesperrt sind. Der einzige Weg, von draußen Hilfe zu erhalten, besteht darin, die noch funktionierende Live-Cam der gerade anlaufenden Horror-Show zu einem Hilfsappell zu nutzen...
Kild-TV ist ein kleiner aber feiner Thriller um ein eingesperrtes Team von TV-Mitarbeitern, das mit dem ungewöhnlichen Mittel einer Live-Schalte um sein Leben kämpft - der besondere Gag dabei ist der seinen Fans als stets zynisch kommentierender Gastgeber bekannte Dr. Perseco, der als Ältester die schwierige Aufgabe übernimmt, völlig entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten mit ruhiger Stimme um Hilfe zu bitten. Dass dies keinen Erfolg hat, weil die meisten Zuseher dies für einen besonderen Gag halten und überdies der lokale Polizeichef einem Streifenpolizisten, der Fan der Sendung ist, sogar ausdrücklich verbietet, mal beim Sender vorbeizuschauen, erhöht nur die Spannung um die kleine Gruppe aus vier Damen und zwei Herren, die nach und nach weitere Leichen entdecken. Während die meisten Morde im Off geschehen, wird der Killer, der mit allerhand Werkzeug arbeitet, allerdings nie gezeigt.
Neben einer tadellosen Kameraarbeit fallen einige blutige Szenen auf, bei denen ein komplett auf und mit einem Laptop zerquetschter Schädel den Höhepunkt der nie zum Selbstzweck werdenden Metzeleien darstellt; darüber hinaus verhalten sich die Proponenten erfreulicherweise relativ logisch (indem sie beispielsweise tatsächlich weitgehend als Gruppe zusammenbleiben) und beratschlagen unter der Führung des erfahrenen Dr. Perseco, wieso und warum sie wohl im Sendegebäude eingesperrt sind. Als sie dann darauf kommen, daß der Mörder unter ihnen sein muß, wird Kild-TV endgültig zu einem Mitrate-Krimi. Die sich steigernde Spannung wird jedoch immer wieder mit komischen Szenen aufgelockert, beispielsweise saublöden Werbe-Einblendungen zwischen den wiederholten, dringlichen Live-Appellen Dr. Persecos, die dessen Ringen um Ernsthaftigkeit dadurch natürlich erst recht konterkarieren.
Die ausgewogene Mischung aus Thriller, Komödie und einzelnen blutigen Einlagen kippt dann erst ab der 75. von 87 Minuten Filmlaufzeit, als der Mörder schließlich vor die Kamera tritt. Leider ist die Tatsache, wer dies ist, eine Enttäuschung und die Begründung für dessen Taten schlichtweg nicht nachvollziehbar, was für die bis dato durchaus flotte Handlungsgeschichte einen Wermutstropfen darstellt und den Film den eigentlich zugedachten 8. Punkt kostet.
Insgesamt aber ist Kild-TV (aus dem der deutsche Verleih unter Ignorierung des US-amerikanischen Wortspiels Kild-TV = Killed-TV recht gedankenlos ein plattes Kill-TV gemacht hat) über weite Strecken ein ebenso amüsanter wie unterhaltsamer Indie-Streifen, der durch einige Anleihen bei 80er-Jahre-Slashern nicht nur Thriller-Fans, sondern auch Horror-Freunden empfohlen werden kann. 7 Punkte.