Review

"Don Juan de Marco" ist eine wunderbare, kleine Filmphantasie und gleichzeitig ein Appell an alle Menschen, die gewisse Romantik in uns und in unserem Leben wiederzuentdecken.

Um mehr als um dieses Unterhaltungspotential geht es hier gar nicht, wenn Johnny Depp als größter Liebhaber aller Zeiten nach einem Selbstmordversuch (Sprung vom Dach) in der Psychiatrie landet und zum letzten Fall für einen enorm übergewichtigen Marlon Brando wird. Dieser geht, als einzige Vertrauensperson für Don Juan, entsprechend launig an den Fall, wird mehr und mehr von dessen romantisch-abenteuerlicher Lebensgeschichte eingewickelt und beginnt, die eingefahrene Beziehung zu seiner Frau wieder aufzutauen.

Das Wunderbare an diesem Film ist, daß er so gut wie gar nichts dramatisch verkompliziert, nicht einmal den Psychiatriefall zu einer Tempobremse mutieren läßt. Der Film besteht eigentlich nur aus amüsanten Szenen über die Wirkung Don Juans auf seine Umwelt (und damit auf Brando auch) und aus den Erzählungen des Patienten über sein Leben an sich.
Daß es sich um eine selbstgewählte Weltflucht in eine Rolle handelt, wird dabei schon bald klar, doch daß, gemäß der filmischen Aussage, das Leichte, Romantische, Schöne, Begehrenswerte viel besser und angenehmer ist als die Realität, lädt der Film den Zuschauer ein, mit ihm zu fliehen.
Also wird Depp zum Schluß als geheilt entlassen, flieht aber dann mitsamt Brando wieder in seine Traumwelt, von der wir nicht wissen, ob sie nicht inzwischen Realität geworden ist. Aber letztendlich ist das auch nicht so wichtig, denn das Reale wird hier eh verleugnet.

Besonderen Spaß machen die Szenen der Nacherzählung, von Liebe, Drama und Tod im Hause der Eltern, von der Flucht in den Harem eines Sultans und dem Fund der großen Liebe auf einem einsamen Insel (Eros, was sonst?), stets ernsthaft, sonnenlichtintensiv verklärt, dick-charmant aufgetragen und von ironischen Einfällen unterbrochen. Brando macht in diesem Reigen nach Kräften mit und wenn er am Ende erklärt, Don Octavio del Flores, der größte Psychiater der Welt zu sein, dann möchte man jubeln oder zumindest mitmachen.

Ein wunderschönes kleine Juwel zum Wohlfühlen und fast gar nicht schmalzig zum mit Freund/Freundin genießen. (8/10)

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