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iHaveCNit: Schloss aus Glas (2017)

Schon wieder eine Schallmauer durchbrochen – und das 60. Kinoticket in 2017 gelöst. Und die 2. Spielstätte der Frankfurter Arthouse-Kinos, das Cinema am Rossmarkt kennengelernt. Ein wunderschönes, kleines Kino mit tollem Ambiente, einem schönen Eingangsbereich mit Weinbar und 3 Kinosälen – es ging für mich in den Größten von den 3 – den „Lumiere“. Und ich habe mir hier „Schloss aus Glas“ angesehen. Destin Daniel Cretton, der Regisseur, verfilmt hier die biografische und wahre Geschichte der Journalistin und Schriftstellerin Jeanette Walls und hat sich hierzu schauspielerische Größen wie Brie Larson, Woody Harrelson und Naomi Watts ins Boot geholt. Mich hat dieses Familiendrama emotional sehr mitgenommen.

New York, Ende der 80er. Die Journalistin Jeanette Walls ist gerade im Taxi auf dem Weg zu ihrer Wohnung und entdeckt ihre Eltern Rex und Rose, die im Dreck wühlen und ein Haus besetzt haben. Es steht ein Familientreffen an, dass Jeanette an ihre eigene Kindheit wieder erinnert und alte Wunden wieder aufbricht. Sie ist unter extrem ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, weil ihr Vater immer wieder vor dem Gesetz geflüchtet ist und die Familie dieses Nomadenleben mitmachen musste – bis sie sich eines Tages aufgemacht hat, dieses Leben zurück zu lassen und sich ein Eigenes aufzubauen – auch wenn Rex immer wieder erzählt hat, den Kindern eines Tages ein „Schloss aus Glas“ aufzubauen.

Bereits letztes Jahr haben wir mit „Captain Fantastic“ ein berührendes und emotionales Familien- und Aussteigerdrama präsentiert bekommen. Jeder, der diesen Film mochte, wird auch Gefallen an „Schloss aus Glas“ finden, auch wenn er einen etwas ernsteren Unterton und weniger unfreiwillige Komik zu bieten hat. Was ihn für mich auch zum besseren Film macht, genau wie die Tatsache, dass hier alles auf Tatsachen beruht, die in der Realität vermutlich noch viel ernster gewesen sind, als hier im Film dargestellt. Ich bin auch in starken ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, habe es aber etwas besser gehabt als die Kinder hier, kann aber die Situation voll und ganz nachvollziehen. Der Film fokussiert sich voll und ganz auf die Beziehung von Jeanette zu ihren Eltern und ihren Geschwistern, auf wichtige Ereignisse, die diese Beziehungen extrem komplex haben werden lassen. Wir werden auf gute, aber nicht perfekte Art und Weise in Flashbacks mit den Ereignissen konfrontiert und bekommen somit eine gute und passende Erzählung geboten, die manchmal etwas zu ausufernd geworden ist. Die Stärke zieht der Film aber aus seinen Hauptdarstellern. Ich habe irgendwo gelesen, dass Jennifer Lawrence aus dem Film ausgestiegen ist – Wie ich finde, ein Glücksgriff, denn Brie Larson liefert hier nach „Raum“ eine weitere Perfomance ab, die ihr vielleicht Nominierungen bei wichtigen Filmpreisen einbringen könnte. Diese extrem ambivalente Auslegung des Charakters mit all der Liebe zu den Eltern und Geschwistern aber auch der Enttäuschung und des eigenen Eskapismus verkörpert Brie Larson für mich perfekt. Dazu gesellen sich aber auch Woody Harrelson, dessen Rolle hier eines von vielen heißen Eisen im Feuer ist, die ihm vielleicht Nominierungen bei wichtigen Filmpreisen einbringen könnte – und Naomi Harris. Beide Rollen sind auch stark geschrieben und gespielt. Das Zusammenspiel und die Chemie mit Brie Larson und auch den Darstellerinnen der jungen Jeanette ist wirklich toll und eine der Antriebsfedern des ganzen Films. Ich musste während dem Film lachen, schlucken und auch die tolle Stimmung im Saal einfangen, die den Film auf diese Weise für mich haben noch stärker werden lassen.

„Schloss aus Glas“ - My First Look – 9/10 Punkte.

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